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Motoren

Gleiter auf grüner Welle

Thomas Bock, Ralf Marquard am 09.03.2011

Hybridantriebe kommen immer mehr in Mode. Wir sind zwei völlig verschiedene Bootstypen mit der neuen Technik gefahren. TEIL 2: der Gleiter.

Hybrid-Frauscher

Frauscher Benaco 909 mit Hybridantrieb.

Einen anderen Ansatz der Hybridtechnologie verfolgt man bei Steyr Motors. Die in Österreich ansässige Motorenschmiede behauptet von sich selbst, das erste serienmäßige Hybridantriebssystem für Sportboote auf dem Markt zu haben. Ein Boot, das auf Kundenwunsch damit ausgestattet wird, ist die Frauscher 909 Benaco. Der sportliche Daycruiser, ebenfalls „made in Austria“, wird mit zwei Sechszylinder- Dieselmotoren (3,2 l Hubraum) ausgeliefert, die jeweils 286 PS Leistung haben. Damit erreicht die gut 9 m lange und über 3 t schwere Benaco spielend eine Maximalgeschwindigkeit von 38 kn, allerdings begleitet von „brüllenden“ 90 dB/A.

Leiser und langsamer geht es dank Hybridtechnik aber auch. Die „grünen Herzen“ der Benaco schlagen in zwei auf die An-triebswellen der Motoren geflanschte Schwungscheiben-Generatoren. Je nach Betriebszustand arbeiten sie einmal als Generator (56 V) und laden eine Bank von Antriebsbatte-rien (4 x 24 V). Schweigen die Diesel, werden aus den Generatoren nunmehr Elektromotoren, die jeweils 7 kW bei einer Betriebsspannung von 48 V liefern. Damit erreicht das Frauscher-Flaggschiff eine Spitzengeschwindigkeit von immerhin 6 kn bei flüsterleisen 60 dB/A, die dank Lithium-Eisenakkus von Mastervolt über eine Stunde lang gefahren werden kann. Danach muss entweder über die Dieselmotoren oder über Landstrom nachgeladen werden.

Frauscher-Motor

Unterstützung: Bei der Frauscher können die beiden 7-kW-Elektromotoren noch auf zweimal 286 Diesel-PS zurückgreifen.

Die dafür nötige Laderegelung steckt in der Steyr Hybrid Control Unit. Sie ist technisch aufwendig und sehr wärme-intensiv, sodass eine kleine Kühlwasserpumpe die thermisch belasteten Teile des Ladegerätes vor Überhitzung schützen muss. Die Pumpe, die gleichzeitig den Generator kühlt, ist zur Sicherheit mit der Zündung der Motoren verbunden, sodass sie nicht vergessen werden kann und ihr feiner Summton nicht weiter wahrgenommen wird.

Kontrolliert wird das Hybrid- Antriebssystem durch das sogenannte Steyr Control Center (SCC). Neben den herkömm-lichen Überwachungsinstrumenten, wie Kühlwassertemperatur, Drehzahl und Speed, liefert der kleine Bordcomputer auch Systeminformationen wie den Batteriezustand und die derzeitige gewählte Betriebsart. Steyr unterscheidet hier zwischen Starter-, Generator-, Elektro- und dem sogenannten Boost-Betrieb.

Frauscher-Energiesystem

Die österreichischen Bootsbauer installieren einen diesel-elektrischen Antrieb von Steyr.

Während beim Starterbetrieb der Rotor des angeflanschten Generators als Anlasser fungiert, wird er im „Boost“ als zuschaltbare Kraftreserve genutzt. Hierbei kommt das hohe Drehmoment des Elektroaggregats dem Beschleunigungsverhalten der Benaco zugute, die durch die zusätzliche Leistung deutlich sprintfreudiger ist als ohne elektrische Hilfe.

Was die Philosophie des Steyr Hybrid Systems betrifft, so verweisen die österreichischen Konstrukteure auf Vorteile wie emissionsfreies und nahezu geräuschloses Fahren auf Binnengewässern und in Naturschutzgebieten und natürlich auf Kraftstoffersparnisse. Diese ergeben sich zum einen im unterstützenden Boost-Modus, zum anderen im reinen Elektrobetrieb mit ausgeschalteten Dieseln.

Gleichbedeutend mit diesen Umweltaspekten ist die gesteigerte Manövrierfähigkeit des Bootes bei An- und Ablegemanövern. Hier kommen die Vorteile des Elektroantriebs voll zur Geltung, der sich – im Gegensatz zu den „grobschlächtigen Dieseln“ – fein dosieren und abstimmen lässt. Die Benaco mit Steyr-Hybrid-Technik ist in der Grundversion ab etwa 278 000 Euro erhältlich. Wer mehr über das Boot und seine Fahreigenschaften wissen will, kann den kompletten Test (mit Dieselmotoren) hier herunterladen.

Thomas Bock, Ralf Marquard am 09.03.2011