Claus Brüstle, Neander Motors Claus Brüstle, Neander Motors
Innenbordmotoren

„Es hat sich viel getan“

Erich Bogadtke am 10.01.2014

Der erste Turbodiesel-Außenborder der Welt steht kurz vor der Probefahrt: BOOTE sprach mit Claus Brüstle, Vorstand Technik der Neander Motors AG.

Claus Brüstle, Neander Motors

Claus Brüstle und Neander Turbo-diesel: Die ersten Probefahrten sind für März 2014 geplant.

Claus Brüstle, heute 60 Jahre alt, startete seine Karriere beim Turbolader-Spezialisten Garrett in den USA. Porsche wollte und bekam den jungen Diplom-Ingenieur, der dann maßgeb-lich an der Entwicklung der Cayenne-Motoren beteiligt war. Nach sechzehn Jahren Porsche stand Mercury Marine und der Posten des Entwicklungschefs in Brüstles Roadmap. Die Verados, jeder kennt sie, sind sein Werk. Chef der Entwicklungsabteilung bei Schaeffler Engine Business war die nächste Station. Emitec, eine weltweit agierende Gesellschaft für Emissionstechnologie, "wählte" den studierten Maschinenbauer anschließend zum North-American President.

BOOTE: Herr Brüstle, was ist der Grund für Ihr Engagement bei Neander Motors?

Brüstle: (lacht) Geld, was sonst. Nein, im Ernst, die menschliche Komponente ist enorm wichtig. Ich kann die Neander-Leute gut leiden und will, dass das Projekt Turbodiesel-Außenborder zur Erfolgsstory wird. Natürlich reizt es mich als Techniker auch, den einzigartigen Motor aus dem Entwicklungsstadium heraus in die Serienreife zu bringen.

BOOTE: Was hat sich nach unserem Besuch bei Neander Motors (siehe BOOTE 2/13) im November 2012 getan?

Brüstle: Die Ziele in puncto Leistung, Drehmoment und Verbrennung sind erreicht. Darüber hinaus haben wir, was bei Turbomotoren keine leichte Aufgabe ist, den Ölkreislauf optimiert. Auch bei der Akustik, speziell bei der Stabilisierung der Verbrennung und der Verbesserung der Zahnräder, hat sich viel getan. So wird der Kunde das Arbeitsgeräusch des Motors trotz seiner Lautstärke als angenehm empfinden. Der Ton macht bekanntlich die Musik. Oder?

BOOTE: Was fehlt noch für die erste Probefahrt am Boot?

Brüstle: Die Fertigstellung des neuen Unterwasserteils und die komplette Kennfeldabstimmung. Es gibt Termindruck, aber ich bin zuversichtlich, dass wir die Probleme mit unseren Partnern bei Selva, Davis Engineering, Capricorn, der FEV in Aachen und nicht zuletzt in der Hochschule München, wo die Professoren Bauer und Doll federführend sind, lösen werden.

BOOTE: Wann fällt der Startschuss für die Testfahrten?

Brüstle: Erste Probefahrten sind für März auf dem Comer See geplant. Wir wollen dann in Zusammenarbeit mit Selva mit einer Doppelmotorisierung an einem Gleiter in die praktische Erprobung starten.

BOOTE: Und was bekommen die Besucher der Messe in Düsseldorf Ende Januar zu sehen?  

Brüstle: Wir werden auf der boot 2014 auf unserem Stand (Halle 10, E 56) einen kompletten Motor mit dem neuen Unterwasserteil zeigen und selbstverständlich alle Fragen zum Projekt beantworten.
 

Erich Bogadtke am 10.01.2014