Hyundai S 250 S Seasall Hyundai S 250 S Seasall
Innenbordmotoren

Hyundai S 250 S Seasall

Ralf Marquard am 25.03.2013

Der koreanische Motorenhersteller Hyundai stellt einen kraftvollen neuen V6-Diesel-Innenborder vor – der offensichtlich ein bekanntes Vorbild hat.

Der Spritverbrauch unserer Boote ist immer wieder ein Thema. Besonders die V-8-Benziner genehmigen sich einen ordentlichen Schluck aus der Pulle. Zumindest dann, wenn man den "Hebel ganz auf den Tisch legt" oder oft Wasserskiläufer, Wakeboarder oder TubeFahrer hinters Boot hängt. Da kommen schnell mal 70 l/h bis 100 l/h zusammen. Dieselmotoren sind in dieser Hinsicht spürbar sparsamer. Ihr großer Nachteil: der teilweise doppelte so hohe Anschaffungspreis im Vergleich zum Benziner. Dies zeigt sich sowohl beim direkten Neubootkauf als auch beim sogenannten "Repowering" (Ersetzen des alten Motors durch einen neuen).

Dass es jedoch auch günstiger geht, zeigt Hyundai Seasall mit seinen Dieselmotoren. Bei unserem Beispiel handelt es sich um einen V-6-Motor, der eine unglaubliche Ähnlichkeit mit dem Volkswagen-Marine-Motor hat, der jetzt von Mercury-Marine verkauft wird. Geht es um die Preisgestaltung der beiden Motoren, zeigt sich erwartungsgemäß ein Vorteil für den Diesel aus Korea. Für den Mercury-Diesel zahlt der Kunde mit
39 602 Euro im Vergleich zum 32 387 Euro teuren Hyundai gut 1/5 mehr. Vergleicht man jetzt noch den Benziner mit etwa gleicher Leistung (5.0 l MPI, 260 PS), offenbart sich bei einem Listenpreis von 19 040 Euro für den Ottomotor eine Preisdifferenz von etwa 13 000 Euro beim Hyundai und mehr als 20 000 Euro beim Mercury TDI*.

Um zu zeigen, welche Power im Hyundai-Aggregat steckt, hat uns das Yachtzentrum Überlingen, Abigstr. 7, 88662 Überlingen, eine Testfahrt auf dem Bodensee ermöglicht. Testboot war eine Regal 2250 Cuddy, die Besitzer Walter Reimers mit einem S250S ausrüstete und dem Yachtzentrum am Bodensee als Vorführboot zur Verfügung stellt. Als Antrieb verwendet er einen Bravo III mit Doppelpropeller, der Dieselkraft und -Drehmoment optimal ins Wasser bringt. Vorher fuhr das etwa 1800 kg schwere Boot mit einem MerCruiser-V8-Motor 5.0 l und Bravo-I-Antrieb. Da wir vor dem Umbau keine Gelegenheit hatten, das Testboot zu fahren und Messwerte aufzunehmen, müssen wir für eine grobe Vergleichseinschätzung beim Verbrauch auf Archivwerte zurückgreifen.

Hyundai S 250 S Seasall

Das V6-Hyundai-Seasall-Diesel-Aggregat mit 250 PS hat viel Ähnlichkeit mit dem Mercury TDI-Diesel, der aus dem Volkswagenwerk in Salzgitter kommt.

Im Vollgasbereich ist das mit gut 80 l/h beim Benziner zu 45 l/h Diesel eine Ersparnis von über 40 %. Hier ist jedoch anzumerken, dass der Hyundai nicht ganz seine erlaubten 4200/min drehte und dementsprechend etwas weniger verbrauchte. In langsamer Gleitfahrt liegt die Ersparnis noch grob bei 1/3. Vergleicht man die Diesel untereinander (Archivwerte vom VW TDI 265-6), zeigten sich keine gravierenden Unterschiede.

Praktische Fahreindrücke: Nach dem Kaltstart dreht der Hyundai etwa 900/min im Leerlauf, was das Manövrie-
ren erschwert, denn beim Einkuppeln schießt die Regal gleich nach vorn. Nach der Warmlaufphase regelt sich der Motor dann selbstständig auf 700/min zurück, und Hafenmanöver gelingen einfacher. Die Wendekreise liegen im normalen Maß, beim Umsteuern rückwärts eingekuppelt reagiert das Boot schwerfällig. In Verdrängerfahrt giert es etwas, muss aber nur ab und zu gering korrigiert werden.

Der Übergang von Gleit- in Verdrängerfahrt liegt zwischen etwa 1200/min und 2200/min. Mit Antrieb "down" haben wir für knapp 3 s den Bug im Sichtfeld. Auch mit Fahrtrimm schafft er es problemlos, über den Berg zu kommen. Verantwortlich dafür ist der Turbolader, der kurz unter 2000/min einsetzt und dem Boot ordentlichen Schub nach vorn gibt. Davor ist jedoch ein "Turboloch" deutlich spürbar.

Gute Gleitfahrt beginnt um 2500/min (20 kn), getrimmt wird dabei, wie über den gesamten Gleitbereich, nach Gefühl. Wenn der Power-Trimm stimmt, fährt das Testboot stur geradeaus, und man kann das Steuerrad loslassen. Neben dem Lenkrad sitzt die Motordiagnose-Anzeige, die dem Volkswagen-Marine-Paneel ebenfalls sehr ähnelt.

Fazit: Aufgrund des günstigeren Preises des Hyundai wird die Umrüstung auf einen Dieselmotor interessanter. Sie lohnt sich aber nach wie vor hauptsächlich für Vielfahrer.

Hyundai S 250 S Seasall

Die Messergebnisse

Der Motor

  • Hersteller: Hyundai Seasall
  • Typ: S250S Bravo Three
  • Leistung: 184 kW (250 PS)
  • Maximale Drehzahl: 4200/min
  • Zylinder: V6
  • Hubraum: 2959 ccm
  • Kraftstoff: Diesel
  • Kühlung: Wasser/Zweikreis
  • Getriebeübersetzung: 2,00:1
  • Testpropeller: 26"-Doppelpropeller

Das Boot

  • Werft: Regal/USA
  • Typ: 2250 Cuddy
  • CE-Kategorie: C = küstennahe Gewässer
  • Rumpf und Deck: Kunststoff
  • Länge über alles: 6,70 m
  • Breite: 2,59 m
  • Verdrängung: 1769 kg
  • Kraftstofftank: 204 l
Ralf Marquard am 25.03.2013