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Yamaha F70: Neuer Außenborder im Test

Erich Bogadtke am 18.01.2012

Yamaha hat seinen neuen F70 auf den Markt gebracht: Der Vierzylinder-Außenborder ist für Sport-, Kajüt- und Schlauchboote der 5-m-Klasse gedacht.

Yamaha F70

Yamaha F70

Während Automobilisten bei der Motorwahl für ihren fahrbaren Untersatz normalerweise vor der Entscheidung Benziner oder Diesel stehen, bereitet Motorbootfahrern, die nach dem richtigen Außenborder für ihr „Schiff“ suchen, eher die Frage „Vier- oder Zweitakter?“ Kopfzerbrechen. Für den Viertakter sprechen Laufkultur und die besseren Verbrauchswerte, für die Zweitakt-Konkurrenz, die als Direkteinspritzer heute noch von Evinrude, Mercury und Tohatsu angeboten wird, in der Regel das kleinere Gewicht und exzellente Beschleunigungswerte.

Die Ausnahme von der Regel heißt Yamaha F70. Der 70 PS starke Reihenvierzylinder bringt 119 kg auf die Waage und besitzt damit ein Leistungsgewicht von 1,70 kg/PS. Das heißt, ein PS wiegt 1,70 kg. Beim einzigen direkten Konkurrenten, Suzukis DF70, wiegt die gleiche Leistung 2,21 kg. Selbst wenn man die Leis-tungsklasse mit den 75ern auf-stockt, wo neben dem Viertakter von Honda (2,21 kg/PS) die Zweitakter von Evinrude (1,93 kg/PS) und Tohatsu (1,92 kg/PS) zur Wahl stehen, bleibt der Yamaha in puncto Leistungsgewicht Klassenprimus.

Dafür, dass der F70 den schnellen Zweitaktern auch beim Beschleunigen Paroli bieten kann, sorgen unter anderem 996 ccm Hubraum und eine Getriebe-übersetzung von 2,33:1, die es erlaubt, große Propeller mit ho-her Steigung zu montieren. Und die gibt es von der Stange oder besser gesagt aus dem Regal. So kann der F70-Eigner bei der Suche nach dem „richtigen“ Prop allein im Yamaha-Sortiment unter 23 verschiedenen „Schrauben“ auswählen.

Auf der Suche nach einem geeigneten Arbeitsplatz bewirbt sich der F70 vorzugsweise bei Sport-, Kajüt- und Schlauchbooten der 5-m-Klasse. Vorausgesetzt, ihre Spiegelhöhe ist für Langschaftmotoren ausgelegt.
Hinter dem Werbeslogan „der leichteste Motor seiner Klasse“ steckt ein Reihenvierzylinder mit knapp einem Liter Hubraum, einer oben liegenden Nockenwelle, Vierventiltechnik und elektronischer Benzineinspritzung.

Ein Mikrocomputer errechnet und bestimmt, abhängig vom Betriebszustand und von vielen Sensoren immer bestens informiert, die optimale Kraftstoffmenge und den besten Einspritz- und Zündzeitpunkt. Damit steigert Yamaha in Zusammenarbeit mit neu gestalteten Drosselklappen und exakt abgestimmtem Ansaugkrümmer die Kraftstoffeffizienz. Das heißt, man spart Sprit und reduziert die Schadstoffemission. Zudem überwacht der Kollege Computer wichtige Motorfunktionen wie Öl-druck, Kühlung und Überdrehzahl. Gibt es Probleme, wird optisch und akustisch gewarnt und die Drehzahl automatisch auf maximal 2500/min begrenzt.

Mit seiner elektronischen Wegfahrsperre, die über eine kleine Fernbedienung per Knopfdruck ein- und ausgeschaltet wird, und dem Quickstopschalter mit Reißleine und einer automatischen Startsperre, die verhindert, dass der Motor mit eingelegtem Vorwärts- oder Rückwärtsgang angelassen werden kann, sammelt der F70 in Sachen Sicherheit weitere Pluspunkte.

Den gewünschten Bedienkomfort liefern Prime-Start, Power-Trimm und eine leichtgängige Einhebelschaltung, die in verschiedenen Ausführungen (Top-, Seiten- und Einbau-Montage) angeboten wird. Dank der automatischen Kaltstarteinrichtung (Prime-Start) gilt beim F70 das Motto „Zündschlüssel reinstecken, drehen und losfahren“.

Der erweiterte Verstellbereich (-4° bis + 16°) der Power-Trimm-Einrichtung bietet dem Fahrer die Möglichkeit, das Boot in (fast) jeder Situation in die optimale Schwimmlage zu bringen. Per Knopfdruck versteht sich. Mit der gleichen Handbewegung lässt sich auch die Leerlaufdrehzahl jederzeit im Bereich zwischen 620 und 900/min einstellen.

Wie hoch der Motor dreht und in welcher Trimmposition er sich gerade befindet, wird auf einem gut ablesbaren Kombi-Instrument angezeigt. Wer wissen will, wie schnell er just in diesem Moment fährt und wie viel Kraftstoff der Motor verbraucht, muss in ein zweites Instrument investieren, das ihn auch über zurückgelegte Wegstrecken, Tankinhalt und Temperaturen informiert.

Informationen darüber, wie man den Motor im Alltag handhabt, wann welche Wartungsarbeiten gemacht werden müssen und wie man „Kleinigkeiten“ selber macht, liefert die anschaulich und verständlich gestaltete Bedienungsanleitung. Bleibt an dieser Stelle als Kritik der Hinweis, dass ein ausreichend großer Kraftstofffilter mit integriertem Wasserabscheider nicht in den Zubehörkatalog, sondern in die Standardausrüstung gehört.

In der praktischen Prüfung, die er an einer ZAR Fermenti 43, einem 4,50 m langen und 2,16 m breiten RIB, ablegen muss (den Bootstest der ZAR 43 finden Sie in einem der nächsten Hefte), zeigt sich der F70 von seiner besten Seite. Er springt, egal ob kalt oder warm, sofort an und läuft schon nach wenigen Umdrehungen rund. Rauchsignale: Fehlanzeige.

Zur Höchstleistung animiert, beschleunigt der kompakte Vierzylinder das mit Motor, vollem Tank und Testcrew 700 kg schwere Boot in 13,6 s von 0 auf 50 km/h und nur wenige Augenblicke später auf die Höchstgeschwindigkeit von 64,1 km/h (34,6 kn). Dabei demonstrieren nicht nur der spontan ansprechende Power-Trimm, sondern auch der gut abgestimmte Propeller aus Aluminium (gehört zur Standardausrüstung) echte Stärke. Überzeugen können ne-ben der Umsetzung von Drehmoment und Leistung in Schub auch Fahreigenschaften, Wirtschaftlichkeit und Laufkultur.

Dass sich die ZAR 43 leicht und ohne einzuhaken und aufzuschaukeln in enge Kurven und Kreise steuern lässt, liegt vielleicht mehr am Boot als am Motor, dass der Prop dabei nicht nach Luft schnappt, jedoch fraglos am Design von Propeller und Unterwasserteil und an der gewählten Montagehöhe (Antikavitationsplatte bündig mit dem Bootsboden) des Motors. Wer Motor und Portemonnaie schonen will, lässt den F70 mit 4000/min drehen und bewegt damit die mit einem 100-l-Einbautank ausgestattete ZAR 43 mit Tempo 40 (km/h).

Der 70 PS starke Vierzylindermotor konsumiert dann magere 0,26 l/km und lässt den Skipper mit einer Reichweite von 327 km planen. Stehen Wasserski und Höchstgeschwindigkeit auf dem Wunschzettel, klettert der Verbrauch auf 0,34 l/km. Zwischen den Tankstopps liegt dann eine Fahrstrecke von 250 km.

Bleibt die Laufkultur, die der F70 am auffälligsten durch aus-bleibende Vibrationen und unaufdringliche Arbeitsgeräusche zeigt. Weil bekanntlich der Ton die Musik macht, wirken höchstens die im Volllastbereich gemessenen 90 dB/A auf Dauer nervig. Da hilft nur Gas wegnehmen. Schon bei 57,5 km/h bleibt der Lärmpegel unter der kritischen 85-dB/A-Marke. Gelten 40 km/h als Tempolimit, avanciert der F70 an der ZAR 43 mit 78 dB/A zum echten Leisetreter.     

Fazit: Für Yamahas F70 sprechen nicht allein sein geringes Gewicht und der Preis. Der moderne Viertakter überzeugt zudem mit Leistungsstärke und Wirtschaftlichkeit, ebenso wie mit Laufkultur, Sicherheit und Bedienkomfort.

Erich Bogadtke am 18.01.2012
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