Mit Booten über den BergFoto: Morten Strauch

Einsteiger Mit Booten über den Berg

Christian Tiedt 

23.4.2011, Lesezeit: 3 Minuten

SCHLEUSEN-SPEZIAL, TEIL 2: Die Funktionsweise und das Schleusenprinzip. Was spielt sich in der Kammer ab, wenn es zu Berg oder zu Tal geht?

  BergschleusungFoto: Christian Tiedt
Bergschleusung
  BergschleusungFoto: Christian Tiedt
Bergschleusung

Die rein physikalische Funktionsweise einer Schleusenkammer ist im Grunde immer gleich, völlig egal, ob es sich um eine kleine Kahnschleuse handelt oder um eine große Schachtschleuse. Die Tortechnik mag sich unterscheiden, die Art und Weise ebenfalls, wie das Wasser in die Kammer gelangt und wieder hinaus, an ihrem Grundprinzip – Schiffe durch eine Änderung des Wasserstandes anzuheben oder abzusenken – ändert das jedoch nichts.

Werfen wir zunächst einen Blick auf die Schleuse selbst: Vereinfacht dargestellt besteht sie aus einer Kammer, die auf beiden Seiten durch Tore wasserdicht verschlossen werden kann. Außerdem verfügt sie an beiden Enden über ebenfalls verschließbare Öffnungen – sogenannte Schütze – mit denen der Wasserstand in der Kammer reguliert wird.

Befindet er sich auf dem Niveau des Unterwassers, also dem talseitigen niedriger gelegenen Ende der Schleuse, ist sie im Sprachgebrauch leer – wie auf der ersten Abbildung unten auf dieser Seite. Nur in diesem Zustand kann das Untertor, wie das Schleusentor an dieser Stelle genannt wird, geöffnet werden. Das Obertor am anderen Ende der Kammer wird derweil vom Druck des höher gelegenen Oberwassers fest verschlossen.

Soll es hinaufgehen, spricht man von einer Bergschleusung: Sind die Boote in die Kammer eingefahren, wird zunächst das Untertor mit seinen Schützen geschlossen. Nun werden die Schütze am Obertor geöffnet, Wasser strömt ein, die Kammer beginnt sich zu füllen.

Erst wenn der Wasserstand das Niveau des Oberwassers erreicht hat und der völlige Ausgleich hergestellt ist, lässt sich das Obertor öffnen – vorher ist der auf ihm lastende Wasserdruck zu stark. Die Boote in der Kammer können nun ausfahren; die Bergschleusung ist abgeschlossen.

Zu Tal läuft der Vorgang genau umgekehrt ab: Durch das offene Obertor fahren die ­Boote in die volle Kammer ein. Danach werden die Schützen am Obertor geschlossen und unmittelbar darauf auch das Tor selbst. Die gesamte Schleuse ist nun wasserdicht. Jetzt öffnen sich jedoch die Schütze am Untertor, und das Wasser fließt aus der Kammer ins Unterwasser, wo die Strömung, gerade bei kleineren Schleusen, spürbar zunimmt – ein deutliches Zeichen, dass es „drinnen nach unten geht“. Sobald der Wasserstand auf beiden Seiten des Untertores ausgeglichen ist, öffnen sich die Tore, und die Fahrt ist wieder frei.

Während die Talschleusung in der Regel recht ruhig und ohne große Strömungsbildung in der Kammer abläuft, kann es bei der Bergschleusung wesentlich bewegter zugehen, besonders bei älteren, kleineren Kammern. Das hängt einerseits von der Bauart der Schleuse und ihrer Fallhöhe ab (also dem Unterschied zwischen Ober- und Unterwasser) und andererseits davon, wie schnell das Wasser in die Kammer strömt.

Geschieht das sehr schnell, etwa bei ganz geöffneten Schützen, können sich kräftige Strömungen, Strudel und unangenehm kurze Wellen bilden. Wichtig ist dann, das Boot möglichst dicht an der Kammerwand zu halten. Das gelingt am besten, wenn die Leinen auf Slip über eine Klampe geführt werden. Wird dagegen „frei aus der Hand“ geschleust, ist man schlecht auf plötzlich wirkende starke Kräfte vorbereitet.

Wird das Boot trotz aller Anstrengungen einmal von der Kammerwand weggedrückt, muss man auch an die andere Bordwand denken, wo sich eventuell ein anderes Boot befinden kann. Fender sollten deshalb schon vor der Einfahrt immer auf beiden Seiten ausgebracht werden.

Um die Wucht des einströmenden Wassers zu verringern, werden die Schütze des Obertores zu Beginn der Schleusung – automatisch oder manuell – nur zum Teil geöffnet. Erst wenn sich die Kammer mindestens zur Hälfte gefüllt hat, öffnet man sie ganz.