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Motorbootwissen für Einsteiger: Teil 2

Praktische Bootsführung

Christian Tiedt am 20.04.2016

Ein Boot ist kein Auto, das ist klar. Doch wo liegen die Unterschiede beim Fahrverhalten? Im zweiten Teil unserer Serie für Einsteiger geht es auch um diese Frage.

Fahren

Eines vorweg: Bootfahren ist keine Kunst. Nach einigen Proberunden gelingen jedem Anfänger die wesentlichen Manöver. Regel Nummer eins lautet dabei: Ruhe bewahren. Je gelassener Sie sich mit Ihrem Boot bewegen, desto länger haben Sie Zeit, sich auf die Bewegungen und Reaktionen des Bootes einzustellen.

Dabei ist es völlig unerheblich, ob Sie mit einem 4-m-Schlauchboot oder einer 10-m-Motor­yacht unterwegs sind. Oft ist es sogar so, dass große Boote einfacher zu fahren sind als kleine. Wer also mit seinem 5-m-Kajütboot perfekt umgehen kann, braucht vor "großen Pötten" keine Angst zu haben.

Regel Nummer zwei: vorausschauend fahren. Was wir alle vom Autofahren kennen, lässt sich auch aufs Bootfahren übertragen.

In der Praxis also lieber einmal zu früh das Gas wegnehmen als einmal zu spät. Grundsätzlich gilt: Ein Boot reagiert aufgrund des Wasserwiderstandes deutlich langsamer als ein Auto, das muss man auch beim Lenken berücksichtigen.

Wundern Sie sich also nicht, wenn Sie am Lenkrad drehen und das Boot erst mit einigen Sekunden Verzögerung darauf reagiert. Häufiger Anfängerfehler: Weil sich das Boot nicht sofort in die gewünschte Richtung bewegt, schlägt man das Lenkrad noch stärker ein.

Die Folge: Das Boot dreht plötzlich viel zu stark. Wer es nun durch hektisches Gegenlenken wieder "einfangen" will, übertreibt es oft erneut und endet auf einem ungewollten Zickzackkurs. Die Geschwindigkeit, mit der ein Boot auf die Lenkbefehle des Fahrers reagiert, hängt wesentlich von der Gasstellung ab.

Schlägt man das Lenkrad ein und gibt gleichzeitig Gas, wird es deutlich spontaner die Richtung wechseln als bei Standgas.

Gleiches gilt bei Rückwärtsfahrt. Auch hier muss man das Boot zunächst mit kurzem Ein- und Auskuppeln des Motors vom Liegeplatz manövrieren. Anders als Autos, die über die Vorderachse lenken, schwenken
Außenborderboote übers Heck. Dies gilt es insbesondere beim An- und Ablegen zu beachten. Umgekehrt kann man sich diese Eigenschaft aber auch zunutze machen.

In besonders engen An- oder Ablege-Situationen kann es von Vorteil sein, das Boot rückwärts, statt wie gewohnt vorwärts, herauszufahren. Dadurch, dass das Heck unmittelbar Ihren Lenkbefehlen folgt, ist es viel manövrierfreudiger als der Bug (die Spitze) des Bootes.

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Christian Tiedt am 20.04.2016
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