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Basiswissen Versicherungen

Jürgen Straßburger am 24.09.2020

Die unterschiedlichen Versicherungsarten stellten wir in BOOTE 7/2020 vor. Nun geht es darum, welche davon Sie wirklich brauchen: als Bootseigner, als Mitfahrer auf anderen Booten oder als Charterer

Beim Schönwetter-Wochenendausflug mit dem Motorboot geht es gemütlich zu. Weder der Skipper noch seine Crew oder die Gäste denken in dieser Situation ernsthaft darüber nach, dass das Unfallrisiko bei einer Bootstour höher ist als beim gewöhnlichen Auf­enthalt an Land.

Ohne die Risiken zu dramatisieren, wollen wir im Folgenden deutlich machen, dass jeder am Motorbootsport Beteiligte die Möglichkeit hat, sein individuelles Risiko durch den Abschluss einer Versicherung mindestens zu minimieren. Wir sprechen bewusst von der "Möglichkeit" und nicht von einem Muss, denn eine gesetzliche Versicherungspflicht gibt es für Wassersportler oder am Wassersport Beteiligte in Deutschland nicht.

Abhängig von der Form Ihrer Beteiligung am Motorbootsport sagen wir Ihnen, welche Versicherungen es für Sie gibt und ob sie sinnvoll sind oder nicht.

Der Mitfahrer

Sie fahren lediglich mehr oder weniger häufig auf unterschiedlichen Booten von Freunden, Bekannten oder Verwandten mit. Sie übernehmen dann zwar auch hin und wieder mal das Ruder, sind aber nicht der verantwortliche Schiffsführer.

Nach § 823 des Bürgerlichen Gesetzbuchs haftet jedermann in unbegrenzter Höhe für Schäden, die er anderen schuldhaft zufügt. Und zwar mit seinem gesamten gegenwärtigen und zukünftigen Vermögen. Um dem vorzubeugen, gibt es die Privathaftpflichtversicherung. Ohne eine solche Police sollte niemand durchs Leben gehen. Sie deckt die alltäglichen Risiken von Privatpersonen ab und schließt die Haftung bei Sportausübung (außer Schießen, Segelfliegen und bestimmte Kampfsportarten) ein. Vorsätzlich herbeigeführte Schäden sind von der Leistungspflicht ausgeschlossen. Wer bei Freunden auf dem Boot mitfährt, ob sporadisch oder regelmäßig, ist also mit der Privathaftpflicht auf der sicheren Seite.

Geht beispielsweise beim Törn aufgrund der Fahrlässigkeit eines Crewmitglieds teure Ausrüstung zu Bruch, wird das Boot beschädigt oder erleidet gar eine andere Person eine folgenschwere Verletzung, wird sich zwar zunächst der Skipper fragen lassen müssen, ob er seine Mannschaft korrekt angeleitet hat. Stellt sich jedoch heraus, dass er als Bootsführer alles richtig gemacht hat, wird der Verursacher zur Rechenschaft gezogen – beziehungsweise dessen Versicherung.

Experten empfehlen eine Deckungssumme von mindestens drei Millionen Euro für Personen- und Sachschäden sowie mindestens 500 000 Euro für Vermögensschäden.

Auch ein Mitfahrer läuft Gefahr, sich an Bord zu verletzen. Unter Umständen so sehr, dass dauerhafte körperliche Beeinträchtigungen die Folge sind, die zum teilweisen oder völligen Verlust der Berufs- oder Erwerbsfähigkeit führen. Auch wenn sich ein Unfall nicht immer verhindern lässt, so kann man doch die finanziellen Folgen abmildern. Hier hilft eine private Unfallversicherung, besser noch eine Berufsunfähigkeitspolice, um bei einem dauerhaften Verdienstausfall nicht allein auf staatliche Unterstützung angewiesen zu sein.

Die Unfallversicherung springt bei Vorliegen einer vollen oder teilweisen Invalidität ein. Ihre Leistung soll den aus dem Unglücksfall resultierenden Lohn­verlust ausgleichen, darüber hinaus erforderliche behindertengerechte Umbauten an Wohnung oder Haus decken und von der Krankenkasse oder dem Rentenversicherungsträger nicht übernommene zusätzliche Hilfsmittel oder Therapien ermöglichen.

Für die Höhe der Deckung stellt der Bund der Versicherten folgende Faustformel auf: 30-Jährige sollten das sechsfache, 40-Jährige das fünffache und 50-Jährige das vierfache Bruttojahreseinkommen absichern. Unter www.bundderversicherten.de finden sich darüber hinaus weitere wichtige Aspekte, auf die jeder beim Abschluss einer privaten Unfallversicherung achten sollte, wie die Vereinbarung einer sogenannten Progression oder der Verzicht auf eine Unfallrentenvereinbarung.

Soll auch die Familie eines Mitfahrers nicht unversehens in Geldnot geraten, vor allem nicht im schlimmsten Fall, einem Unfall mit Todesfolge, hilft eine Risikolebensversicherung weiter. Die Versicherungssumme sollte wenigstens einem, besser noch zwei Jahresbruttoeinkommen entsprechen, damit die Hinterbliebenen Zeit genug haben, ihr Leben ohne finan­ziellen Druck neu zu ordnen.

Den Artikel "Basiswissen Versicherungen" finden Sie in BOOTE-Ausgabe 10/2020 seit dem 16.09.2020 am Kiosk oder online im Delius-Klasing-Shop.

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Jürgen Straßburger am 24.09.2020
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