Einwintern: Motoren - Keine Angst vor Rost und FrostFoto: Sebastian Gollasch

Einwintern: Motoren - Keine Angst vor Rost und Frost

Unbekannt

 10/21/2017, Lesezeit: 9 Minuten

Wie jedes Jahr zum Saisonschluss wird das Boot samt Motor in den Winterschlaf versetzt. Wir zeigen, wie man die Maschine richtig präpariert, damit es nächstes Frühjahr kein böses Erwachen gibt.

Bootsmotoren werden bekanntermaßen nicht kaputt gefahren, sondern stehen sich kaputt – Korrosion und Minusgrade machen ihnen in der Winterpause am meisten zu schaffen. Umso wichtiger ist eine vernünftige Kon servierung für die kalten Tage – das gilt für Diesel- ebenso wie für Ottomotoren.

Nun gibt es zwei Möglichkeiten, Motoren auf den "Winterschlaf" vorzubereiten:

Entweder erledigt man die anfallenden Arbeiten selbst, oder man lässt man sie von einer Fachfirma ausführen.

In der Regel empfehlen wir die zweite Variante; zumindest innerhalb der Garantiezeit ist es ratsam, eine autorisierte Werkstatt mit der Winterkonservierung zu beauftragen. Wer seinen Motor selbst einwintern will, orientiert sich an der auf den folgenden Seiten beschriebenen Vorgehensweise.

Bild 19Foto: Sebastian Gollasch
ÖlabsaugenFoto: Sebastian Gollasch
Ölabsaugen
Kühlmittel prüfenFoto: Sebastian Gollasch
Kühlmittel prüfen
Ölstand prüfenFoto: Sebastian Gollasch
Ölstand prüfen
Faltbalg kontrollierenFoto: Sebastian Gollasch
Faltbalg kontrollieren
Getriebeöl wechselnFoto: Sebastian Gollasch
Getriebeöl wechseln
Motor konservierenFoto: Sebastian Gollasch
Motor konservieren
Zündkerzen prüfenFoto: Sebastian Gollasch
Zündkerzen prüfen
Kraftstofffilter reinigen/tauschenFoto: Sebastian Gollasch
Kraftstofffilter reinigen/tauschen
Ölfilter tauschenFoto: Sebastian Gollasch
Ölfilter tauschen
Impeller kontrolliern/erneuernFoto: Sebastian Gollasch
Impeller kontrolliern/erneuern
Propellerschaft fettenFoto: Sebastian Gollasch
Propellerschaft fetten
Motor spülenFoto: Sebastian Gollasch
Motor spülen
Keilriemenspannung prüfen/einstellenFoto: Sebastian Gollasch
Keilriemenspannung prüfen/einstellen
Verteiler und -finger begutachtenFoto: Sebastian Gollasch
Verteiler und -finger begutachten
Schellen kontrolliernFoto: Sebastian Gollasch
Schellen kontrolliern
Ölfilter ersetzenFoto: Sebastian Gollasch
Ölfilter ersetzen
Luftfilter anschauen/ reinigen/ tauschenFoto: Sebastian Gollasch
Luftfilter anschauen/ reinigen/ tauschen
Bild 18Foto: Sebastian Gollasch
Bild 19Foto: Sebastian Gollasch
ÖlabsaugenFoto: Sebastian Gollasch
Ölabsaugen
Ölabsaugen
Kühlmittel prüfen
Ölstand prüfen
Faltbalg kontrollieren
Getriebeöl wechseln
Motor konservieren
Zündkerzen prüfen
Kraftstofffilter reinigen/tauschen
Ölfilter tauschen
Impeller kontrolliern/erneuern
Propellerschaft fetten
Motor spülen
Keilriemenspannung prüfen/einstellen
Verteiler und -finger begutachten
Schellen kontrolliern
Ölfilter ersetzen
Luftfilter anschauen/ reinigen/ tauschen
Bild 18
Bild 19

Außerdem sollte man sich grundsätzlich die Bedienungsanleitung des Motorenherstellers zu Hilfe nehmen, in der noch einmal alle erforderlichen Arbeiten dargestellt werden. Der Hersteller Mercury bietet mittels scannbarem QR-Code auf der Motorabdeckung und einer Videoplattform sogar eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Thema an.

Wenn die Bedienungsanleitung für den eigenen Motor nicht vorliegt, helfen oft Handbücher aus dem Zubehörhandel; je nach Motortyp sind sie in manchen Fällen allerdings nur in englischer Sprache erhältlich.

Beginnen sollte man mit den Konservierungsarbeiten am Motor am besten, wenn das Boot noch im Wasser liegt.

Innenborder

Ob Diesel oder Benziner mit oder ohne Zweikreiskühlung –die Schritte ähneln sich

Ölwechsel
Motorenöl, Ölfilter und das Öl im Wendegetriebe müssen gewechselt werden. Dazu braucht man eine Absaugpumpe (bei größeren Dieselmotoren fest am Motor angebaut) mit einer passenden Sonde und Filterspanner. Vorher lässt man den Motor noch einmal warm laufen, damit das Öl dünnflüssig ist und sich leichter in einen ausrangierten Öl- oder Reservekanister abpumpen lässt.

Parallel dazu den Ölfilter lösen und abschrauben. Um Kleckereien zu verhindern, eine kleine Schüssel und Putzlappen bereithalten. Vor der Montage des neuen Filters den korrekten Sitz der Gummidichtung überprüfen und mit dem Finger die Kontaktfläche mit Öl bestreichen. Wichtig: Der Ölfilter darf nur hand­­fest (25 Nm) angeschraubt werden, sonst lässt er sich unter Umständen nicht wieder lösen. Welches Öl man auf den Motor auffüllen darf, ist in der Bedienungsanleitung nachzulesen.

Kraftstoffsysteme
Als Erstes werden die Wasserabscheider entleert. Dafür eine kleine Schüssel unter den Abscheider halten und die Ablassschrauben so lange öffnen, bis kein Wasser mehr kommt. Anschließend erneuert man sicherheitshalber alle Filter und Filter­einsätze. Dieselmotoren müssen danach entlüftet werden; wie das geht, steht im Bedienhandbuch. Danach den Motor (Benziner und Diesel) laufen lassen und kontrollieren, ob alles wieder dicht ist.

Gegen Korrosion in Kraftstoffsystemen von Diesel- und Benzinmotoren schützt man sich mit sogenannten Kraftstoffadditiven, die auch Ablagerungen lösen und Feuchtigkeit im Tank binden. Alles zusammen wird dann normal verbrannt. Diese Zusätze füllt man in den Kraftstofftank, noch bevor man mit den Winter­arbeiten beginnt, und lässt den Motor laufen.

Dabei erledigen die Additive ihre konservierende Tätigkeit. Es gibt spezielle Zusätze nur für Diesel- oder Benzinmotoren, aber auch andere, die sich für alle Motoren eignen. Erhältlich sind sie in Bootszubehörläden und Fachwerkstätten.

Keilriemen
Wenigstens ein- bis zweimal im Jahr sollte man die Keilriemen prüfen – bei der Einwinterung ist dafür die beste Gelegenheit, so kann man den Check im Frühjahr nicht vergessen. Zur Kontrolle drückt man auf die Keilriemenmitte, dabei sollte der Riemen nicht mehr als etwa 10 mm nachgeben, sonst muss nachgespannt werden.

Ist der Riemen gar ausgefranst oder sonstwie beschädigt, muss man ihn austauschen; denn mit defektem Keilriemen wird die Batterie über die Lichtmaschine nicht geladen, auch die Seewasserpumpe fürs Kühlsystem fällt aus, oder die Servopumpe für die Lenkung arbeitet nicht.

Kühlsystem
Einwinterungsarbeiten am Kühlsystem führt man am besten aus, wenn das Boot bereits an Land steht, weil sonst leicht Wasser ins Boot dringen kann. Die meisten Benzin-Einbaumotoren haben auch heute nur einen Kühlkreislauf: die Seewasserkühlung, die auch Einkreiskühlung genannt wird.

Dieser Kreislauf (Seewasserfilter, Pumpe, Getriebe, Wärmetauscher und Auspuffanlage) muss gründlich mit Süßwasser gespült werden. Entweder lässt man den Motor mit Spül­anschluss laufen, oder man zieht den Kühlwasseransaugschlauch am Seefilter oder Bodenventil ab und schließt ihn mit einem Gartenschlauch ans Leitungswasser (Hauswasserversorgung) an.

Dabei sicherstellen, dass immer genügend Wasser nachläuft, damit die Seewasserpumpe nicht trocken arbeitet. Den Motor nun etwa 15 Minuten warm laufen lassen, bis sich der Thermostat geöffnet hat. Danach muss das gesamte Kühlsystem entwässert werden – die Anleitung findet man wie­derum im Bedienhandbuch. Vorsicht: Ablasshähne und -stopfen können durch Rost und Schmutz verunreinigt sein. Aus diesem Grund muss stets darauf geachtet werden, dass das Wasser auch abfließt.

Im Anschluss an das Durchspülen empfehlen wir eine Konservierung mit einem Gemisch aus Wasser und Kühlerfrostschutz, wie man ihn bei Autos verwendet, oder eine Mischung aus Wasser und einem speziellen Konservierungsöl.

Diese Gemische lässt man bei Leerlaufdrehzahl von der Pumpe ansaugen (zum Beispiel aus einem Eimer) und komplett durch das Kühlsystem laufen – eine Arbeit, die man möglichst schnell nach dem Entwässern erledigen sollte, damit der Thermostat noch geöffnet ist und die Flüssigkeit durch das gesamte Kühlsystem fließt.

Die Mischung aus Öl und Wasser ist nicht frost­sicher und muss deshalb anschließend wieder abgelassen werden. Das Gemisch aus Wasser und Glykol sollte dagegen – um optimal zu schützen – im Kühlkreislauf überwintern, vorausgesetzt, es hat eine Frostsicherheit von mindestens –25 °C.

Wer einen zweikreisgekühlten Motor fährt, muss den Innenkreislauf zusätzlich checken. Dieser ist – wie im Auto – mit Kühlflüssigkeit gefüllt. Mit einer Frostschutzspindel wird geprüft, ob die Flüssigkeit ausreichend Frostschutz bietet. Ist das nicht der Fall, muss ein Teil der Kühlflüssigkeit abgelassen und durch Frostschutzmittel ersetzt werden. In diesem Fall muss der Motor im Folgenden noch einige Minuten laufen (anschließend ein weiteres Mal den Frostschutz prüfen).

Außerdem gehört zum Kühlsystemcheck auch die Überprüfung des Pumpenrads (Impeller). Dafür zunächst den Deckel der Seewasserpumpe abschrauben. Den Impeller mit dem entsprechenden Abziehwerkzeug oder der Wasserpumpenzange herausziehen, mit Frischwasser abspülen und auf Beschädigung prüfen.

Das Pumpenrad wird am sinnvollsten erst im Frühjahr einschließlich neuer Dichtung wieder eingebaut und bis dahin an einem trockenen Platz aufbewahrt. Befindet sich die Impellerpumpe im Z-Antrieb, raten wir dazu, die Prüfung von einem Fachmann durchführen zu lassen. Auch das Sieb im Seewasserfilter muss ausgebaut und gereinigt werden.

Luftfilter
Luftfilter bestehen bei Otto-Marinemotoren standardmäßig aus Drahtsieben und nennen sich Flammendämpfer. Moderne Dieselmotoren filtern die Luft feinma­schiger – entweder durch Papier- oder Schaum­stofffilter. Tauschen Sie Papier­filter grundsätzlich aus. Drahtsieb- und Schaumstofffilter werden dagegen nur mit Waschbenzin gesäubert und mit Pressluft ausgepustet.

Zündanlage
Zum Winter werden Zündkabel, Verteiler und Verteilerkappe sauber und trocken gewischt und anschließend innen sowie außen gründlich mit einem Kontaktspray mit wasserverdrängenden Eigenschaften eingesprüht. Letzteres gilt ebenfalls für die Stecker von modernen, elektronisch gesteuerten Motoren. Ein eventuell nötiger Austausch von Verschleißteilen wird auf das Frühjahr verlegt.

Außenborder

Mit dem richtigen Plan sind die Einwinterungsarbeiten schnell und leicht selbst erledigt

Um den Motor nach Undichtigkeiten und Schäden abzusuchen, muss er sauber sein. Das Reinigen erledigen Sie am einfachsten mit Kaltreiniger. Dazu stellt man eine Plastikwanne unter den Außenborder, in der die Waschbrühe aufgefangen wird.

Wer Undichtigkeiten oder Defekte feststellt, bringt den Motor am besten zur Reparatur in eine Fachwerkstatt. Wenn das nicht der Fall ist, wird im nächsten Schritt das Kühlwassersystem gründlich mit Frischwasser gespült. Das gilt auch, wenn der Motor nur kurz oder gar nicht mit Salzwasser in Berührung kam.

Wenn er keinen separaten Spülanschluss hat oder man keine spezielle Spülklemme besitzt, wird er in ein ausreichend tiefes Gefäß – beispielsweise eine Regentonne oder Maurerbütt – gestellt.

Achtung: Nehmen Sie den Propeller wegen der Verletzungsgefahr ab.

Zum Schluss des Spülvorgangs wird bei laufender Maschine Korrosionsschutzöl in den Ansaugkanal oder Vergaser gesprüht. Danach den Motor aus dem Wasserbehälter nehmen oder den Schlauch abklemmen. Wer seinem Motor etwas Gutes tun möchte, lässt ihn noch kurz in einem Gemisch aus Wasser und Frost-/Korrosionsschutz laufen.

Dann wird er von Hand durchgedreht, um das letzte Wasser oder Wasser-Frost-/Korrosionsschutz-Gemisch aus der Wasserpumpe zu drücken. Bei Motoren mit Elektrostarter Quickstop ziehen, damit die Zündung unterbrochen ist.

Im Anschluss werden die Zündkerzen geprüft, und – wenn vorhanden – die Vergaser entleert und die Kraftstofffilter gereinigt (Sieb) oder erneuert (Papiereinsatz). Dann folgt das Reinigen und Einfetten der Propellerwelle. Befestigungsteile wie Splint, Kronenmutter und Scherstift sucht man nach Schäden ab und ersetzt sie wenn nötig.

Prüfen Sie auch beim Außenborder die Schutzanoden; wo sie sitzen, steht im Benutzerhandbuch, das auch die Schmierpunkte des Motors zeigt und sagt, welches Fett zu verwenden ist. Mit wasserfestem Fett schmiert man außerdem bewegliche Teile wie Lenkung, Gas, Schaltung und Motorbefestigung.

Anschließend den Motorblock, die elektrische Anlage und den Motorschaft mit Korrosionsschutzöl einsprühen. Das Getriebeöl empfehlen wir unabhängig von den Betriebsstunden zu wechseln. Dazu die Ablassschraube am Getriebegehäuse über dem Sporn und die Kontrollschraube im Bereich der Kavitationsplatte öffnen und das Öl in eine Auffangschale ablassen.

Weiße, milchige Farbe deutet auf Wasser im Öl hin, bei silbrigem Öl liegt ein mechanischer Defekt vor. In beiden Fällen muss der Fachmann ran. Wenn alles in Ordnung ist, Dichtring an Ablass- und Kontrollschraube erneuern und das Getriebeöl (Tube) durch die Ablassöffnung ins Getriebe hineindrücken, bis es oben aus der Kontrollöffnung austritt. Nun die Kontrollschraube einsetzen, dann den Ablass zuschrauben.

Wer einen neueren Evinrude-Motor besitzt, muss zum Einwintern nur die richtige Schalterstellung kennen. Dann wintert sich der Motor selbsttätig ein.

Z-Antrieb

Frisches Öl und Fett sorgen für reibungslosen Lauf

Liegt das Boot an Land, geht es an den Z-Antrieb. Altes Öl wird abgelassen (denken Sie an eine ausreichend große Auffangwanne) und durch frisches ersetzt. Beim abgelassenen Öl auf die Farbe achten: Weißes, milchiges Öl enthält Wasser, bei silbrigem liegt ein mechanischer Schaden im Z-Antrieb vor; beides Mal ist professionelle Hilfe gefragt.

Eingefüllt wird das neue Öl am einfachsten durch die Ablassöffnung. Mit einer Öltube oder Spezialpumpe drücken Sie das Öl dort so lange ins Getriebe, bis es – je nach Modell – oben aus der Kon­trollöffnung wieder austritt oder am Peilstab zwischen der Minimum- und Maximummarkierung steht. Schrauben Sie anschließend die mit neuen Dichtringen versehenen Verschlussschrauben (erst oben, dann unten) ein.

Schmiernippel und bewegliche Teile der Lenkung muss man abschmieren. Wo sich die Abschmierpunkte befinden und welches Fett verwenden werden soll, steht in der Betriebsanleitung. Faltenbälge, Ansaugschlauch fürs Wasser, Elektrokabel, Power-Trimm-Zylinder und Hydraulikschläuche sorgfältig auf Beschädigungen prüfen.

Zum Schluss nicht vergessen, die Anoden am Antrieb und Bracket zu kontrollieren (angefres­sene Anoden sind ein gutes Zeichen – sie arbeiten!) und gegebenfalls erneuern.

Dieser Artikel erschien in BOOTE-Ausgabe 11/2016.