Technik - Geruchs-KillerFoto: Torsten Moench

Technik - Geruchs-Killer

 

20.6.2017, Lesezeit: 4 Minuten

Wie arbeiten sogenannte Ozongeneratoren, und was bringen sie an Bord? Auf einem 40 Jahre alten Kajütboot machten wir die Probe aufs Exempel

Gründe für unangenehme Gerüche an Bord gibt es viele. Aufgrund der meist recht hohen Luftfeuchtigkeit ist der Muff aus Matratzen oder schlecht belüfteten Kleiderschränken kaum zu verhindern. Kommen dann noch Kunststoff- oder Kraftstoffausdünstungen sowie Toilettengerüche aus nicht gasdichten Abwasserschläuchen hinzu, ergibt sich ein unnachahmlicher Mix, der nicht nur empfindlichen Damennasen einen mehrtägigen Bordaufenthalt schnell vermiest.

Die Devise „Lüften, lüften, lüften" ist gut gemeint, in der Praxis aber nur selten wirklich umzusetzen. Wer will sein Boot in unseren Breiten schon tage- oder wochenlang mit offenen Luken, Fenstern oder Türen stehen lassen? Und auch Raumlufterfrischer, Textilsprays oder „Wunderbäume" sind keine Lösung. Meist überdecken sie die unangenehmen Gerüche nur mit zusätzlichen Duftnoten, was schlussendlich zur völligen Reizüberflutung bis hin zu Kopfschmerzen führt.

Eine echte und vor allem nachhaltige Lösung des Muff-Problems versprechen seit einiger Zeit sogenannte Ozongeneratoren, wie sie beispielsweise bei professionellen Autoaufbereitern eingesetzt werden. Im Gegensatz zu Raumsprays oder anderen chemischen Duftquellen gehen diese Geräte aktiv gegen üble Gerüche vor, indem sie deren Ursachen weitgehend eliminieren.

DIE FUNKTIONSWEISE


Durch eine elektrische Hochspannungsentladung innerhalb des Ozongenerators werden die in der Raumluft enthaltenen Sauerstoffmoleküle aufgespalten, es bildet sich Ozon – auch „aktiver Sauerstoff " genannt. In der Natur findet dieser Vorgang beispielsweise bei einem Gewitter statt und wird von vielen Menschen als „frische Gewitterluft" empfunden.

Das so entstandene Gas wird dann durch einen integrierten Lüfter im zu behandelnden Raum verteilt und erreicht jede noch so versteckte Ecke. Da Ozon jedoch unter normalen Bedingungen chemisch instabil ist, zerfällt es wieder in seine Bestandteile.

Dabei lagern sich freie Sauerstoffatome an den Molekülen organischer Verbindungen an und führen zu einer Oxidation und damit letztlich zu einer Desinfektion. Kohlenwasserstoffe, Schwefelwasserstoffe, Schimmelsporen und sogar Keime zersetzen sich binnen kürzester Zeit und können somit keine Gerüche mehr verursachen.

Die beste Wirkung erzielen Ozongeneratoren bei geringen Luftfeuchtigkeiten (unter 50 %) und Temperaturen von mehr als 20 Grad Celsius. Ein klarer und warmer Sommertag ist demnach der ideale Zeit­punkt für eine derartige „Reinigung". Für die vollständige Ozonbehandlung einer ungefähr 3 x 3 x 2 m großen Bootskabine muss man rund ein bis zwei Stunden ein­ kalkulieren.

Doch Obacht: Auch wir Menschen be­stehen aus organischen Verbindungen! Im Klartext: Während der Ozongenerator in Betrieb ist, dürfen sich weder Personen noch Tiere oder Pflanzen im Raum be­finden. Und auch nach der automatischen Abschaltung des Geräts durch einen Ti­mer sollte man noch mindestens eine Dreiviertelstunde warten, bevor man den Raum betritt.

Anschließend muss ausgie­big gelüftet werden. Einen zusätzlichen Sicherheitshinweis zum Einsatz von Ozongeneratoren geben die Lungenärzte der Deutschen Lungen­ stiftung (DLS) in Hannover heraus: Dem­ nach sollten Ozongeneratoren nicht dazu verwendet werden, stark nikotinver­schmutzte Räume zu reini­gen.

Nach einer US­-Studie, so die Fachleute der DLS, zersetze Ozon die Nikotinrückstände in sogenannte Aerosole, die wiederum die Atemwege verengen und Asthma auslösen können. Hier würde eine Ozonbehand­lung unter Umständen also das Gegenteil der gewünschten Wirkung erzielen.

DIE PRAKTISCHE ANWENDUNG


Um die Wirkung eines solchen Geruchs­killers auf dem Boot auszuprobieren, be­sorgten wir uns einen handelsüblichen Generator mit einer Leistung von rund 3,5 Gramm Ozon pro Stunde. Je nach An­bieter kostet dieser zwischen 150 Euro und 300 Euro. Wer keinen eigenen Generator kaufen möchte, findet auch entsprechende Mietangebote oder sogar einen komplette Reinigungsservice inklusive Ozonbehand­lung.

Glaubt man den Herstellern, dann sind Geräte mit einer Leistung von 3,5 bis 7 Gramm pro Stunde für mittelgroße Räu­me, Fahrzeuge und Boote völlig ausrei­chend. Der integrierte Timer ermöglicht einen Betrieb in Zehnminutenschritten bis maximal zwei Stunden, was ebenfalls für unsere Zwecke genügt.

Nicht zu verwechseln sind Ozongenera­toren übrigens mit sogenannten Luftwä­schern oder Raumluftfiltern. Die hier be­ schriebene Technik setzt keinerlei Filter ein, sodass Staubbelastungen nicht ent­ fernt werden. Aus diesem Grund ist paral­lel zur Ozonbehandlung eine gründliche Reinigung der Flächen mit herkömmli­chen Reinigern (Desinfektionsmitteln) zu empfehlen.

Aufstellung und Betrieb des 230­V­ Ge­rätes sind denkbar einfach, und nachdem alle Luken und Türen in unserem 40 Jahre alten Kajütboot geschlossen waren, ließen wir den Ozongenerator eine Stunde darin laufen. Nach der automatischen Abschal­tung warteten wir eine weitere Stunde, bis wir die Kabine betraten, um alle Luken und Türen wieder zu öffnen.

Auffällig war dabei ein leichter Chlorge­ruch, wie man ihn aus dem Schwimmbad kennt. Nach ausgiebiger Durchlüftung des gesamten Bootes konn­ ten wir jedoch keinerlei stö­rende Gerüche mehr feststellen. Im Klar­text: Der Ozongenerator hatte ganze Ar­beit geleistet, der Mief und Muff der vergangenen 40 Bootsjahre war wie weg­ geblasen.

Laut den Geräteherstellern hält ein üblicher Ozongenerator rund 5000 Betriebsstunden, was in der Bootspraxis also 4000 bis 5000 Einsätzen gleich­ kommt. Danach ist das Hochspannungs­ element im Gerät aufgebraucht und muss erneuert werden – aufgrund der Hoch­ spannungsteile eine Arbeit für den Elek­trofachmann.

Ob und in welchem Umfang die üblen Gerüche nach einer gewissen Zeit wieder­ kehren, können wir zum jetzigen Zeit­punkt (drei Wochen nach Anwendung) noch nicht abschließend beurteilen. Dar­ über berichten wir zu Ende der Saison.