Zubehör: Vergleichstest - Elektronische SeekartenFoto: Olaf Schmidt

Zubehör: Vergleichstest - Elektronische Seekarten

 

7.3.2021, Lesezeit: 9 Minuten

Die Hardware legt fest, welche Chips Sie nutzen können. Wir zeigen Ihnen, welche Kartografie zur Auswahl steht und worauf Sie vor dem Kauf des Navigators achten sollten

Ohne einen Chip mit Kartendaten zeigt selbst das beste Multifunk­tionsdisplay nur grobe Übersichten, aber nichts, womit Sie navigieren könnten. Der Grund ist einfach: Vermessungsdaten sind teuer, und kaum ein Kunde braucht Seekarten von ganz Europa. Sie sind daher nicht fest im Gerät gespeichert, sondern jeder Skipper erwirbt die elektronischen Kartensätze für seinen Bedarf als separates Produkt. Vier An­bieter tummeln sich derzeit auf diesem Markt: Garmin, C-Map, Navionics und Nautische Veröffentlichung (NV-Verlag). Bald werden es – technisch gesehen – nur noch drei sein. Denn Garmin hat vor Kurzem Navionics aufgekauft, und derzeit werden die Daten­bestände abgeglichen. Dazu kommt noch Mapmedia, das ist die Kartenschmiede von Maxsea, heute bekannt als TimeZero. Sie bearbeitet Karten auf der Basis von Navionics oder C-Map, darum finden Sie in diesem Artikel insgesamt sechs verschiedene Kartensysteme.

Außer in der Kartografie unterscheiden sich die einzelnen Hersteller auch im Datenformat. Daher kann nicht jeder Plotter jeden Chip lesen. Die Zuordnung ist nur bei zwei Marken völlig klar: Wo Garmin draufsteht, passt einzig Garmin hinein, die TZ-Touch-Plotter von Furuno nehmen ausschließlich Mapmedia-Daten.

Noch mehr Informationen? Den Zubehörtest mit vielen Beispielen und praktischer Übersicht finden Sie in BOOTE-Ausgabe 03/2021 seit dem 17.02.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Bei allen andern Plotterherstellern ist das etwas differenzierter und oft auch vom Modell abhängig. Manche verstehen sogar mehrere Formate. Zum Glück lässt sich das recht einfach auf den Webseiten der Anbieter herausfinden.

Von der Karte zum Datensatz

Zwar basieren alle Karten im Prinzip auf den gleichen Vermessungen der nationalen hydrografischen Institute, damit daraus eine Sportboot-Karte wird, ist aber noch einiges an Aufbereitung und Ergänzung notwendig. Teils sind sogar Nachvermessungen erforderlich. Welcher Hersteller hier die "beste" Arbeit liefert, unterscheidet sich von Revier zu Revier, sogar schon von Hafen zu Hafen. Dazu kommt noch die herstellerspezifisch unterschiedliche Darstellung derselben Informationen. Es kann daher durchaus sein, dass Ihr Stegnachbar ein anderes Kartenwerk bevorzugt als Sie. Eine pauschale Beurteilung, wie gut die Karten eines Anbieters sind, lässt sich aufgrund der Datenmenge nicht treffen. Fehlerfrei ist auf jeden Fall keine.

Wir zeigen Ihnen hier Unterschiede anhand beispielhafter Ansichten von drei Häfen in Nordsee, Ostsee und Mittelmeer. Die mögen nicht in Ihrem Revier liegen. Aber die drei wichtigsten Anbieter bieten Ihnen die Möglichkeit, Ihr Hausrevier in den echten Karten vorab anzusehen: Auf den Webseiten von Navionics und C-Map gibt es unter dem Punkt "Chart Viewer" eine Online-Ansicht. Die funktioniert fast weltweit, nur nicht wenn dänische Vermessungs­daten im Spiel sind. Die Karten von Nautische Veröffentlichung lassen sich in deren App kostenlos betrachten, solange Sie online sind. Navigieren ist bei allen Herstellern mit diesen Voransichten nicht möglich.

Vektor oder Raster?

Navionics, Garmin und C-Map liefern Vektorkarten, der NV-Verlag produziert Rasterdaten. Dieser Punkt konnte zuvor zu langen Diskussionen über die Detaillierung der Seekarten führen. Inzwischen sind aber die Unterschiede oft kaum noch erkennbar. Das liegt unter anderem am enormen Fassungsvermögen der heutigen Speichermedien.

Rasterkarten sind prinzipiell Bilder der gedruckten Seekarte. Die lassen sich verkleinern oder vergrößern, um den gewünschten Kartenausschnitt zu zeigen. Mit dieser einfachen Methode ergibt sich aber schnell ein Problem: Beim Herauszoomen werden Details wie Seezeichen und Tiefenangaben ebenfalls verkleinert, beim Hineinzoomen wachsen diese Details mit. Heute ist Speicherplatz kein Problem mehr, aktuelle Rasterkarten bestehen daher aus sehr vielen Bildern. So kann für jede Zoomstufe eine passende Darstellung aufgerufen werden, grobe Auflösung ist kein Thema mehr.

In Vektorkarten wird keine fertige Ansicht gespeichert, sondern nur der Verlauf von Tiefenlinien, Positionen von Seezeichen und Tiefenangaben. Der Chip enthält also Listen mit Punkten. Darin steht beispielsweise: Tiefenlinie 2 Meter von Punkt A nach B nach C und so weiter. Ein Bild entsteht daraus erst in dem Moment, in dem diese Linie auf dem Bildschirm gezeichnet wird.

Das Verfahren benötigt viel weniger Speicherplatz als Rasterdaten, da ein Datensatz für fast alle Zoomstufen ausreicht. Außerdem können Zusatz­infos leicht integriert werden. Die Seezeichen und Schriften bleiben in allen Zoomstufen immer gleich groß.

In der Praxis ist Letzteres jedoch gar kein so großer Gewinn: Es gibt nämlich keine direkten Anhaltspunkte für die Größe des gerade angezeigten Bereichs, wie die mensch­liche Wahrnehmung sie von der Papier­karte gewohnt ist. Zur Kompensation blenden alle Plotter entweder einen Maßstab oder die aktuelle Zoomstufe im Bild ein.

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Beim Herauszoomen ergibt sich bei der Vektorkarte ein Problem umgekehrt zur Rasterkarte: Da Seezeichen und Tiefenangaben gleich groß bleiben, wird der Bildschirm immer voller, bald wäre unter den Zeichen die Karte nicht mehr zu erkennen. Zwar kann der Kartograf zu jeder Angabe festlegen, ab welcher Zoomstufe sie ausgeblendet werden soll. Das ist jedoch aufwendig und wird oft einer Automatik überlassen. Im Ergebnis zeigen Symbole manchmal nicht in allen Zoomstufen das, was sie sollen.

In Rasterkarten hat der Kartograf praktisch freie Hand bei der Gestaltung. Wenn beispielsweise ein Seezeichen-Symbol andere wichtige Angaben verdecken würde, dann kann er es einfach etwas drehen. Oft sieht man das bei kleinen Fahrwassern. Noch häufiger, aber kaum auffällig: Der Licht-Tropfen an Befeuerungen wird so gedreht, dass er das zu befeuernde Gewässer nicht verdeckt.

Bei Vektorkarten hingegen kann der Kartograf ausschließlich fertige Zeichen aus einer vorgegebenen Bibliothek verwenden. Er zeichnet diese nicht bedarfsgerecht selbst, sondern erstellt den Eintrag "Zeichen X an Position Y". Optimierungen zur besseren Lesbarkeit sind nur sehr begrenzt möglich.

Für die Navigation auf einer Motor­yacht ist es heute unwesentlich, ob die Karte auf Raster- oder Vektordaten beruht. Einige Skipper empfinden sogar die Raster-Ansicht als angenehmer, da sie die gleiche Anmutung wie die Papierkarte bietet. Etwas anders sieht es bei hochauflösenden Tiefendaten für die Fischerei aus: Die sind in Rasterkarten derzeit nicht erhältlich.

Normal oder Premium?

Navionics, Garmin und C-Map bieten neben unterschiedlichen Abdeckungen jeweils zwei verschiedene Ausstattungs­linien. Das spiegelt sich natürlich im Preis wider. Die Standardausstattung enthält bei allen drei und natürlich auch bei den Mitbewerbern sämtliche Daten, die Sie zur Navigation brauchen. In der Luxusvariante sind zusätzlich unter anderem flächendeckend Satellitenbilder und die Möglichkeit zur 3-D-Darstellung der Seekarte enthalten.

Wenn Ihr Plotter schon länger an Bord ist, dann prüfen Sie vor der Investition in die gehobene Ausstattung, ob Ihr Schätzchen die zusätzlichen Daten überhaupt anzeigen kann. Die Fähigkeiten des Geräts lassen sich eventuell per Software-Update aufrüsten, doch die Rechenleistung kann zum Engpass werden. Mitunter wird dadurch gar die Reaktion bei der normalen Navigation träge. Und nichts nervt mehr als Geräte, die langsam auf Eingaben reagieren.

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Von den Satellitenbildern auf dem Kartenchip sollten Sie nicht die Auf­lösung von Google Earth oder Bing erwarten, diese Datenmenge kann kein Anbieter unterbringen. Die Screenshots auf Seite 61 vermitteln einen Eindruck von den recht groben Bilddaten.

Wege zur Karte

Beim Schiffsausrüster einen Chip mit den Daten zu kaufen ist heute nicht mehr der einzige Weg. Garmin, Navio­nics und Mapmedia bieten alternativ an, die Datensätze online zu erwerben. Das Herunterladen ist dabei nur einer der erforderlichen Schritte, denn alle Hersteller verwenden einen Kopierschutz. Verständlich, denn Vermessungen sind aufwendig und die Daten daher teuer.

Bei Garmin erstellen Sie zum Online-Erwerb zunächst ein Konto beim Active-Captain-Dienst des Herstellers. Das ist kostenlos, Ihre persönlichen Angaben bleiben bei Garmin, und unerwünschte Mails gibt es auch nicht. Mit dieser Identität können Sie dann die Kartensätze einkaufen, sie sind mit allen Garmin-Geräten nutzbar, die auf dasselbe Active-Captain-Konto registriert sind. Da die Karten recht große Gebiete abdecken, wäre ein kompletter Download zu zeitintensiv. Garmin hat darum die Datensätze in Planquadrate unterteilt, Sie können frei auswählen, welche gleich und welche später oder gar nicht benötigt werden. Ein späteres Nachladen weiterer Quadrate ist problemlos möglich.

Vor dem ersten Download ist etwas Tipperei für die Registrierung notwendig, spätere Käufe gehen dann sehr schnell. Der große Vorteil ist jedoch, dass Sie keinen speziellen Chip von Garmin kaufen müssen. Die Karten lassen sich praktisch überall erwerben und bekommen, wo es einen Internetzugang gibt.

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Bei Navionics ist keine Registrierung notwendig, jedoch lassen sich die online erworbenen Daten nur auf eine von Navionics präparierte Speicherkarte laden. Ein reiner Online-Erstkauf ist so zwar nicht möglich. Aber fürs Installieren von Berich­ti­gungen und für die jährlich empfohlene Aktualisierung muss der Chip Ihr Boot nicht verlassen.

Mapmedia bietet wie Garmin einen vollständigen Online-Kauf. Die Lizenz ist hier an die System-ID Ihres Bootes gebunden. Das ist eine automatisch erzeugte Kennung, die für alle vernetzten Navnet-Plotter an Bord gilt. Gleichzeitig können Sie die Karten mit einer Installation der TimeZero-Software nutzen. Diese System-ID brauchen Sie übrigens auch für den Kauf von fertig bespielten Mapmedia-Chips beim Händler.

Für C-Map Kunden hat ein einzelner Buchstabe eine große Bedeutung: Chips mit der Bezeichnung Max-N oder Max-N+ laufen nur in Plottern von B&G oder Simrad. "N" steht wirklich für den Gerätehersteller Navico.

Dieselben Karten, aber für Raymarine und andere, heißen Max beziehungsweise 4D. Die Daten sind für Navico-Geräte in einem anderen Format abgespeichert. Der Chip aus dem Raymarine-Plotter Ihres Stegnachbarn läuft also nicht in Ihrem Simrad-Navigator.

Elektronische Karten veralten genauso schnell wie Papierkarten. Sie müssen daher ebenfalls berichtigt werden, nur nennt man das hier Update, und es geht teils online. Durchgängig verlangen die Hersteller beim Kauf einer neuen Karte beziehungsweise bei einem Update nach einem Jahr nur die Hälfte des Neupreises. Garmin, Mapmedia und Navionics bieten darüber hinaus kostenlose Aktualisierungen per Download innerhalb des ersten Jahres an.

Wer ist der Beste?

Am preiswertesten navigieren Sie mit den Karten des NV-Verlags. Hier sind zwar keine Zusatzinfos hinterlegt, doch die sind ohnehin bereits an Bord, wenn Sie auch die Papierkarten des Herstellers verwenden. Leider laufen sie derzeit nur auf Geräten von B&G, Simrad und Lowrance. Ursprünglich hat auch Raymarine dieses Format unterstützt und selbst im Download vertrieben. Diesen Geschäftsbereich baut der Hersteller jedoch gerade komplett neu auf, er ist darum derzeit nicht verfügbar. Zukünftig soll es dort aber es wieder NV-Karten geben.

Navionics und Garmin bieten schon jetzt in großen Bereichen identische Daten, die Unterscheide sollen in Zukunft völlig verschwinden. Wer dieses Kartenwerk bevorzugt, hat also eine ziemlich große Auswahl unter den Plottern.

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Die Standarddarstellung der C-Map-Karten zeigt teils sehr wenig Tiefenlinien. Die Informationen sind auf dem Chip jedoch enthalten, deren Darstellung müssen Sie nur explizit einschalten. "High-res-bathy" heißt der Punkt im Menü des Plotters.