FamilienbandeFoto: Lori Schuepbach / Boesch

Leben an BordFamilienbande

Christian Tiedt 

21.3.2011, Lesezeit: 4 Minuten

Boesch Motorboote: In Kilchberg am Zürichsee feiert der schweizer Familienbetrieb sein 90-jähriges Bestehen. Wenn der Vater mit den Söhnen ...

Es gab Zeiten, da schrieb man Boesch mit einem „ö“. Das ändert sich Ende der 50er-Jahre: Bei Bosch in Stuttgart glaubt man, dass die Exporterfolge der Schweizer Bootsbauer zum großen Teil an der Namensverwandtschaft lägen. Der Konzern klagt – und verliert. Gegen einen Familiennamen kann man halt nicht klagen.

Die Lösung des Problems: Die Nachfahren von Robert Bosch übernehmen alle Kosten, die durch die Namensänderung entstehen, und legen noch ein paar Fränkli obendrauf. Für Walter Bösch, seinerzeit Firmenchef, kein Grund, auf das „ö“ im Familiennamen zu verzichten. Er willigt erst ein, als die Elektriker aus Baden-Württemberg ihm das Recht zuschreiben, bei Misserfolgen jederzeit vom Boesch zum Bösch zurückzukehren. Man bleibt bis heute erfolgreich und deshalb beim „oe“ im Namen.

  Männer der Tat: Urs, Markus und Klaus Boesch (von links) halten das renommierte Familienunternehmen auf Erfolgskurs.Foto: Lori Schuepbach / Boesch
Männer der Tat: Urs, Markus und Klaus Boesch (von links) halten das renommierte Familienunternehmen auf Erfolgskurs.
  Männer der Tat: Urs, Markus und Klaus Boesch (von links) halten das renommierte Familienunternehmen auf Erfolgskurs.Foto: Lori Schuepbach / Boesch
Männer der Tat: Urs, Markus und Klaus Boesch (von links) halten das renommierte Familienunternehmen auf Erfolgskurs.

Vater des Erfolges ist Jacob Boesch, der 1920 die Werft Teichler & Co in Kilchberg am Zürichsee übernimmt und das Familienunternehmen Boesch gründet. Sohn Walter tritt schon fünf Jahre später im väterlichen Betrieb eine Lehre als Bootsbauer an. Noch einmal fünf Jahre später ist der Siegeszug des Verbrennungsmotors als Bootsantrieb nicht mehr aufzuhalten.

Wo einst in der Hauptsache die Produktion und Reparatur von Segel- und Ruderbooten auf den Auftragszetteln standen, rückte nun mehr der Bau von schnellen Motorbooten in den Vordergrund. Dank Walter Boesch, der nach bestandener Prüfung den Betrieb vom Vater übernimmt und die schon Ende der 40er bis zu 45 km/h schnellen Boote konstruiert und baut. Seele des Geschäfts ist lange Zeit Walters Frau Rösly, die er 1938 heiratet und zum „Finanzminister“ macht.

  Boesch-Wimpel.Foto: Boesch
Boesch-Wimpel.
  Boesch-Wimpel.Foto: Boesch
Boesch-Wimpel.

Den Bau von Segelbooten gibt Walter Boesch erst 1952 auf. Mit der Boesch 500, einem 5 m langen Motorboot, das von einem 60 PS starken Vierzylinder angetrieben wird, ist ihm der endgültige Durchbruch gelungen. In den 50ern kommen viele Aufträge aus Genf, dem Mekka der Wasserskiläufer. Boesch-Boote stehen auf den Wunschzetteln der Wasserski-Artisten wegen ihrer Wendigkeit, Kursstabilität und der flachen Heckwelle ganz oben. Dass Welt- und Europameisterschaften mit Booten von Boesch ausgetragen werden, ist nur die logische Folge.

Ende der 50er-Jahre ist die Kapazitätsgrenze der Bootsbauer vom Zürichsee erreicht und Rationalisierung und Serienbau dringend notwendig. Wie so was gemacht wird, hat sich Walter Boesch in Amerika abgeguckt. Die neue Produktionsstätte in Sihlbrugg wird erst 1973 eingeweiht. Klaus und Urs, die Söhne von Walter, treten als dritte Generation ins Unternehmen ein und forcieren die Expansion.

Klaus, diplomierter Schiffbauer und der ältere der beiden Boesch-Brüder, übernimmt die Aufgabe des Boots-Konstrukteurs und kümmert sich als „Außenminister“ fortan um Produktion und Verkauf. „Innenminister“ Urs berechnet Propeller und entwirft schon zu der Zeit elektronische Benzineinspritzanlagen für die Boesch-V-8-Benziner made in USA.

Legendär sind das von Urs entwickelte Beulen-Ruderblatt und ein innovatives Bugruder. Ein Maschinenbau-Ingenieur kann halt (fast) alles. Auch Krisenmanager? Als Öl- und Dollarkrise und die Billigkonkurrenz aus Übersee in den 70er-Jahren nicht nur den Schweizer Bootsbauern das Leben schwer machen, treffen Klaus und Urs eine wichtige Entscheidung: Man sucht sich eine Nische und baut seitdem noch größere und luxuriösere Boote. Mit Erfolg, versteht sich.

Anno 2010: Man hat wieder einmal die Zeichen der Zeit erkannt und setzt nicht allein auf Luxus und Größe, sondern verstärkt auf Ökologie. So ist das Flaggschiff, die 970 St. Tropez, mittlerweile 9,70 m lang und die Ausstattung der Runabouts mit Elektroantrieben Produktionsalltag.

In der Chefetage von Boesch, in der seit einigen Jahren mit Markus Boesch, dem Sohn von Klaus, die vierte Generation sitzt, ist man davon überzeugt, dass dem elektrischen Antrieb, der deutlich effizienter ist als ein Verbrennungsmotor, die Zukunft gehört. Mit dem Wechsel von Blei-Säure-Batterien auf Lithium-Ionen-Polymer-Akkus konnten Speed und Reichweite der Boote verdoppelt werden. „Dank der Nanotechnologie sollte kurzfristig sogar eine Verzehnfachung möglich sein“, prophezeit Urs Boesch. Wir werden spätestens zum 100-jährigen Jubiläum von Boesch berichten ...