Kühlschränke für's Boot - Gekühlt hält länger!Foto: Hersteller

Leben an BordKühlschränke für's Boot - Gekühlt hält länger!

 

27.9.2015, Lesezeit: 6 Minuten

Kühlschränke gehören besonders im Sommer zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen an Bord. Wir zeigen, welche Kompressorgeräte der Markt bietet.

Die Erfindung des Kühlschranks hat das Leben der Menschheit einschneidend verändert. Durch ihn wurde es erstmals möglich, praktisch an jedem beliebigen Ort künstlich Kälte zu erzeugen und dadurch verderbliche Lebensmittel über längere Zeit zu lagern.
Etwa 10 Jahre nach der Einführung der ersten Haushaltsgeräte kamen Mitte der Sechziger Jahre mobile Kühlgeräte und -Schränke für den Bootseinsatz auf den Markt. Grundsätzlich unterscheidet man drei Arten von mobilen Kühlsystemen:

1. Thermoelektrische Geräte
2. Absorbergeräte
3. Kompressorgeräte

Das erste Prinzip ist die einfachste Methode und wird überwiegend im Freizeit- und Autobereich eingesetzt: Einem speziellen Kühlelement (Peltierelement) wird Strom aus dem Bordnetz zugeführt, wodurch es sich einseitig abkühlt. Nachteile dieses Verfahrens sind allerdings ein relativ hoher Stromverbrauch und eine geringe Kühlleistung.

  .Foto: Hersteller
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Prinzipbedingt können Peltierelemente die Innentemperatur der Kühlbox nur maximal 17 °C niedriger als die Umgebungstemperatur halten. Herrschen also beispielsweise 35 °C Umgebungstemperatur, bleibt die Innentemperatur der Peltierbox im günstigsten Fall bei 18 °C stehen. Zu viel, um Lebensmittel vorm Verderben zu schützen. Die leistungsstärkeren Absorber-Kühlschränke nutzen Wärme zur Kühlung. Das hört sich im ersten Moment absurd an, wird aber verständlich, wenn man ihre Funktion analysiert.

Die Wärme, entweder elektrisch oder durch Gas erzeugt, bringt ein spezielles Kühlmittel zum Verdampfen. Dieses Gas gelangt durch Rohrleitungen in den sogenannten Kondensator und von dort aus in einen Verdampfer im Kühlschrankinneren. Bei diesem Vorgang wird das Kühlmittel wieder flüssig und entzieht dem Kühlraum die Wärme. Dieses Verfahren wird in der gasbetriebenen Version überwiegend im Campingbereich oder in Wohnmobilen eingesetzt, weil hier ohnehin häufig Gasgeräte vorhanden sind.

Für Boote ist das Absorberprinzip nur äußerst begrenzt nutzbar, weil der Kühlschrank für eine einwandfreie Funktion möglichst waagerecht stehen muss und nicht schwanken darf. Die letzte Methode der Kälteerzeugung ist die effizienteste und wird deshalb bei allen Haushalts- und den meisten Bootskühlschränken eingesetzt: das Kompressor-Kühlverfahren (siehe auch Zeichnung). Hierbei verdampft ein flüssiges Kältemittel durch hohen Druck und nimmt dabei die Wärme des Kühlschrank-innenraumes auf.

  Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.Foto: Hersteller
Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.
  Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.Foto: Hersteller
Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.

Ein Elektrokompressor verdichtet dann wieder den Kühlmitteldampf. Anschließend kondensiert das Kältemittel in einem Kondensator an der Kühlschrankrückwand und gibt dabei Wärme an die Umgebung ab. Dies ist auch der Grund, warum Kompressor-Kühlschränke nicht hermetisch abgeschlossen sein dürfen und eine Lüftung brauchen. Ob nun der bereits installierte Kühlschrank ersetzt werden muss, oder man einfach ein Kühlgerät nachrüsten möchte, der Handel hält eine Vielzahl an Geräten bereit.

Die beginnen bei den unterschiedlichsten Kühlboxen in einfachen Peltier-Ausführungen bis hin zur effektiveren Kompressor-Box. Diese Geräte lassen sich einfach mit an sowie von Bord nehmen und man kann sie bereits ab Zuhause als "Lebensmitteltasche" benutzen. An Bord kommen sie dann entweder in Backskisten (muss belüftet sein) oder in den Bodenbereich des Bootes. Besonders letzteres ist eine nervige Angelegenheit, da die Boxen so schnell die Bewegungsfreiheit einschränken.

In diesem Punkt ist das fest eingebaute Kühlgerät besser: Sie werden in Pantryblöcke oder Schränke montiert und stören nicht den Fußraum. Bei diesen Geräten unterscheidet man zwischen Schubladen- und herkömmlichen Türgeräten, die wir in dieser Marktübersicht zusammengestellt haben. Jeder kennt solch einen Kühlschrank aus seiner eigenen Küche. Allerdings sind die Modelle fürs Boot nicht so groß, da der Platz an Bord ja wesentlich beschränkter ausfällt. Daher finden Sie in unserer Tabelle nur die gängigsten Geräte mit Volumen zwischen 40 l und etwa 80 l....

Diese Größen werden in den meisten Booten zwischen 20 und 35 Fuß verbaut. Anhand der Einbaumaße lässt sich bereits eine Vorauswahl treffen, denn nur wenn der Kühlschrank wirklich passt, darf er auf die Wunschliste. Wemo wirbt bei seinem 62-er-Modell damit, dass es Abmessungen besitzt, die besonders häufig in amerikanischen und skandinavischen Booten vorkommen. Damit also ein ideales Ersatzgerät. Bei Waeco hat der Kunde die Wahl zwischen unterschiedlichen Einbaurahmen, mit denen die Geräte nicht nur einfach zu montieren sind, sondern später auch eleganter aussehen. Noch ein Hinweis: Die Abmessungen unserer Kompaktgeräte beziehen sich auf die Einbaumaße mit integriertem Kompressor. Es gibt auch weitere Ausführungen, bei denen der Kompressor an einer separaten Stelle verbaut wird.

Wichtig für den Bordgebrauch ist die Aufteilung des Kühlschranks mit Böden und Türfächern. Dazu zählen beispielsweise so simple Sachen, wie der Platz für die Milchtüte, die möglichst aufrecht in den Schrank passen sollte. Oder Obst und Gemüse, das nicht im Kühlschrank herumrollen darf, sondern wie bei einigen Waeco-Geräten in Schubläden gelagert wird. Um die Getränke mit Eiswürfeln zu versorgen, besitzt jeder Kühlschrank ein Eisfach. Eine Sonderstellung hat der Isotherm Classic 40 Cube, der sich wahlweise als Kühl- oder Gefriereinheit einsetzen lässt. Zum Herstellen von Eiswürfeln taugen alle Eisfächer. Geht es jedoch um das Lagern von Tiefkühlkost über mehrere Wochen, eignen sich nur die Waeco-Geräte CR 50, 65, und 80, da sie mit einer minimalen Temperatur von -18 °C arbeiten.

  Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.Foto: Hersteller
Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.
  Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.Foto: Hersteller
Beliebter Inhalt: die gekühlten Getränke. Einbauort: häufig sitzen die Kühlschränke direkt im Pantryblock. Aber auch die Lösung in der gegenüberliegenden Sitzbank oder im Schrank finden wir häufig auf unseren Testbooten.

Diese Geräte haben drei Sterne und kommen mit der Temperatur in den Bereich von Haushaltsgeräten, die Lebensmittel über mehrere Monate frischhalten. Bei Zwei-Sterne-Geräten (-12 °C), wie Engel CK-100 und Isotherm Cruise Classic 40, ist eine Lagerung von etwa drei Wochen möglich und bei einem Stern noch ungefähr eine Woche. Dieser Stern steht für mindestens -6 °C. Die erste Aufgabe eines Kühlschranks ist jedoch, die Lebensmittel im normalen Kühlraum normgerecht zwischen 3 und 7 °C zu halten, was alle Geräte laut Datenblatt ermöglichen.

Ein sehr wichtiger Punkt dabei ist der Stromverbrauch. Dass man bei einem Kühlschrank an Bord mit einer Zweitbatterie arbeiten muss, versteht sich fast von selbst, denn die Starterbatterie sollte niemals fürs Bordnetz missbraucht werden. Ansonsten sind Startprobleme programmiert. Die Stromaufnahmen (bei 12 V) der Kühlschränke variieren zwischen 2,7 A und 7 A, was die Elektroinstallation vor keine wirklichen Probleme stellt.
Wesentlich wichtiger ist die Aussage über den Energieverbrauch.

Hierfür gibt es eine Betrachtungregel: Es wird der Verbrauch bei einer Außenluft von 25 °C und Kühlschrankinnentemperatur von 5 °C (lässt sich bei allen Geräten mit einem Rädchen einstellen) zugrunde gelegt und dann geschaut, wie viele Kilowattstunden oder Wattsekunden pro Tag (Tabellenwert) benötigt werden, um die 5 °C zu halten. Dieser Wert hängt von dem Wirkungsgrad des Kühlkreislaufes und von der Isolierung ab. Bei letzterem verlassen sich alle auf das Material Polyurethan (PU). Der eine Hersteller nennt es PU-Hartschaum, der nächste PU-Vollschaum, letztlich kommt aber überall die gleiche chemische Verbindung heraus.

Bei den Verbräuchen fällt auf, dass die Waeco-Geräte ab CR 50 einen höheren Wert aufweisen. Dieser Mehrverbrauch liegt jedoch klar auf der Hand, wer ein Gefrierfach von -18 °C betreibt, benötigt einfach mehr Energie. Wie lange hält eine Batterie ohne Nachladen etwa durch? Dazu ein Beispiel: Batterie mit einer Nennladung von 70 Ah und ein Kühlschrank mit einem Energieverbrauch von 0,340 kWh pro Tag. Damit herkömmliche Blei-Akkus eine hohe Lebensdauer erreichen, sollte man sie nicht zu tief entladen. Daher die Annahme, dass wir 42 Ah (60 %) entnehmen, was mit 12 V × 42 Ah ein Energiespeichervolumen von 0,504 kWh ergibt. Daraus errechnet sich mit 0,504 kWh dividiert durch 0,340 kWh pro Tag eine Betriebszeit von 1,5 Tagen, = 36 Stunden.

Wer mal vergisst, den Kühlschrank rechtzeitig auszuschalten, hat bis auf die Geräte von Engel kein Problem, denn alle anderen Produkte haben einen Unterspannungsschutz, der die Kühlschränke selbstständig abschaltet und damit die Batterien schützt.