Motor- und Segelyacht im Vergleich - Unter Segeln: Umsteiger für einen TagFoto: Christian Tiedt

Leben an BordMotor- und Segelyacht im Vergleich - Unter Segeln: Umsteiger für einen Tag

 

18.1.2016, Lesezeit: 4 Minuten

BOOTE und YACHT wollten auf der Nordsee die jeweils „andere Seite“ kennenlernen – mit Sturm hatte dabei aber niemand gerechnet

Draußen am Rumpf rauscht das Wasser vorbei. Gischt schlägt über das längliche Salonfenster in Lee, so sehr neigt sich die Yacht vor dem steifen Wind nach Steuerbord. Im Rigg heult und orgelt es. Schwerwetter unter Segeln – so, wie man es sich vorstellt. Doch die Sache hat einen Haken: Wir sind noch gar nicht auf See. Wir liegen fest vertäut im Hafen, ohne Tuch, mit blankem Mast.

Ein schwerer Weststurm hat die Nordsee so fest im Griff, dass er sogar in der relativen Geborgenheit der Seaport Marina von IJmuiden für gehörige Unruhe sorgt. Seine orkanartigen Böen mit mehr als 50 Knoten in der Spitze sind dafür verantwortlich, dass unser knapp 13 Meter langer Fahrtensegler selbst am Schwimmsteg "Fahrt" durchs Wasser macht.

Geschützt vor dem peitschenden Regen und dem feinen Sand, der vom Strand über die Dünen herübergeblasen wird, können wir es uns wenigstens unter Deck bequem machen und bei einem Bier die Lage beraten. Dafür gibt es guten Grund, denn eigentlich war diese Geschichte ganz anders geplant. Zusammen mit der YACHT wollten wir von BOOTE auf einem gemeinsamen Törn mit zwei Schiffen selbst erleben, was die jeweils "andere Seite" ausmacht. Wir als Motorbootfahrer würden dafür auf den Segler umsteigen, meine segelnden Kollegen ihrerseits auf die Motoryacht. Natürlich hatten wir dabei in erster Linie die positiven Aspekte im Kopf, bei gutem Wetter, versteht sich. Eine ganz normale Ausfahrt, nur auf jeweils anderem Kiel. Wir wollten Kurse vergleichen, Fahrzeiten, Verbrauch. Vor allem aber wollten wir verstehen, worin der Reiz des "Fremden" liegt.

"Der direkte Kontakt mit Wind und Wetter war für mich das aufregendste Erlebnis – und wie schnell die Dinge an Bord einer Segelyacht deshalb häufig ablaufen müssen. Das schweißt die Crew zusammen. Andererseits muss es ja nicht immer gleich Sturm sein." – Christian Tiedt, BOOTE-Redakteur


Bei den Booten fiel die Wahl auf zwei bereits von den Redaktionen getestete Modelle: eine C-Yacht 12.50i für uns, ein hochwertiges Tourenschiff mit Mittelcockpit, Rollgenua und Rollgroßsegel; und eine Elling E4 für die Segler, bei 15 Meter Länge eine äußerst stattliche Erscheinung, mit markanten Linien, starkem Turbodiesel und – zum Glück – CE-Kategorie A. Da beide Yachten in den Niederlanden gebaut werden, bot sich IJmuiden als Starthafen an – für einen Kurztrip nach England, inklusive English breakfast in einem Pub in Great Yarmouth oder Lowe­stoft, bevor wir wieder Kurs auf die holländische Küste nehmen würden. Soweit der Plan.


Allerdings hatten wir die Rechnung ohne das Sturmtief gemacht. An diesem Ziel festzuhalten, hätte bedeutet, den ganzen Weg zur Insel voll gegenan zu knüppeln, was für die Segelyacht selbst bei 6 Beaufort schon zeitraubendes Kreuzen erfordert hätte. Bei 10 Windstärken wäre es die reinste Qual – und unseemännischer Irrsinn.

Mit den beiden Skippern fassen wir deshalb den Beschluss, die Nacht noch im Hafen abzuwettern und erst am nächsten Tag auszulaufen, wenn der Sturm etwas nachgelassen hat. Dann soll es los­gehen, so oder so. Nur nicht wie ursprünglich beabsichtigt nach England, sondern auf günstigerem Kurs mit rauem Wind an der Küste entlang nach Norden. Das Ziel: Oudeschild auf der Insel Texel.

Am Ende eines langen Tages: In der Marina von Oudeschild auf Texel liegen C-Yacht und Elling Seite an Seite am Schwimmsteg. Endlich ist Zeit, Erfahrungen auszutauschen.
Am Ende eines langen Tages: In der Marina von Oudeschild auf Texel liegen C-Yacht und Elling Seite an Seite am Schwimmsteg. Endlich ist Zeit, Erfahrungen auszutauschen.
Test für Boote und Besatzungen: Segel- und Motoryacht bei acht Beaufort in schwerer See
Test für Boote und Besatzungen: Segel- und Motoryacht bei acht Beaufort in schwerer See
Christian Tiedt, BOOTE-Redakteur: „Das Konzept der Fahrtenyacht gefällt mir gut, ein interessanter Kompromiss aus sportlichen Aspekten und einer guten Portion Erholung.“
Christian Tiedt, BOOTE-Redakteur: „Das Konzept der Fahrtenyacht gefällt mir gut, ein interessanter Kompromiss aus sportlichen Aspekten und einer guten Portion Erholung.“
Ein Aufenthalt unter Deck kommt nicht infrage, man würde die Wellen nicht kommen sehen. Bleibt also nur das Cockpit – trotz kalter Duschen
Ein Aufenthalt unter Deck kommt nicht infrage, man würde die Wellen nicht kommen sehen. Bleibt also nur das Cockpit – trotz kalter Duschen
Zum Glück seetüchtig: Die Elling kommt gut mit den widrigen Verhältnissen klar
Zum Glück seetüchtig: Die Elling kommt gut mit den widrigen Verhältnissen klar
Werft: .................................C-Yachts/NL
	Typ: ....................................C 1250i
	Länge ü. a.: .......................12,88 m
	Breite: .................................3,90 m
	Gewicht: .............................11 t
	Tiefgang: ............................1,80 m
	Mast-/Durchfahrtshöhe: .....19,20 m
	Segelfläche: .......................81 m
	Motorleistung: ....................42 kW (57 PS)
	Preis: ..................................388 480 €
Werft: .................................C-Yachts/NL Typ: ....................................C 1250i Länge ü. a.: .......................12,88 m Breite: .................................3,90 m Gewicht: .............................11 t Tiefgang: ............................1,80 m Mast-/Durchfahrtshöhe: .....19,20 m Segelfläche: .......................81 m Motorleistung: ....................42 kW (57 PS) Preis: ..................................388 480 €
Werft: ....................................Neptune Marine/NL
	Typ: .......................................Elling E4
	Länge ü. a.: ..........................14,95 m
	Breite: ....................................4,25 m
	Gewicht: ................................13 t
	Tiefgang: ...............................1,30 m
	Mast-/Durchfahrtshöhe: .........3,45 m
	Segelfläche: .......................... k.A.
	Motorleistung: ........................313 kW (435 PS)
	Preis: .....................................698 180 €
Werft: ....................................Neptune Marine/NL Typ: .......................................Elling E4 Länge ü. a.: ..........................14,95 m Breite: ....................................4,25 m Gewicht: ................................13 t Tiefgang: ...............................1,30 m Mast-/Durchfahrtshöhe: .........3,45 m Segelfläche: .......................... k.A. Motorleistung: ........................313 kW (435 PS) Preis: .....................................698 180 €
Die Wellen sind so hoch, dass die Boote immer wieder in den Tälern verschwinden
Die Wellen sind so hoch, dass die Boote immer wieder in den Tälern verschwinden
Am besten im Stehen: Nur so lässt sich die Krängung der Segelyacht am Steuer ausgleichen
Am besten im Stehen: Nur so lässt sich die Krängung der Segelyacht am Steuer ausgleichen
Im Trockenen: YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker am Steuerstand der Elling. Der gefederte Sitz dämpft den einen oder anderen Schlag ab – ein Luxus, den die Segler-Crew im Cockpit der C-Yacht nicht hat.
Im Trockenen: YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker am Steuerstand der Elling. Der gefederte Sitz dämpft den einen oder anderen Schlag ab – ein Luxus, den die Segler-Crew im Cockpit der C-Yacht nicht hat.
Jochen Rieker, YACHT-Chefredakteur: "Die sanften Bewegungen eines Seglers im Seegang, das hat man auf dem Motorboot so nicht. Dafür ist Segeln aber auch deutlich anstrengender, denn es erfordert Kraft und Beweglichkeit. Wenn die irgendwann fehlen, würde ich trotzdem lieber umsatteln, als ganz auf ein Boot zu verzichten – noch nicht, aber in zehn bis 15 Jahren vielleicht."
Jochen Rieker, YACHT-Chefredakteur: "Die sanften Bewegungen eines Seglers im Seegang, das hat man auf dem Motorboot so nicht. Dafür ist Segeln aber auch deutlich anstrengender, denn es erfordert Kraft und Beweglichkeit. Wenn die irgendwann fehlen, würde ich trotzdem lieber umsatteln, als ganz auf ein Boot zu verzichten – noch nicht, aber in zehn bis 15 Jahren vielleicht."
Draußen tosende See, brüllender Wind, und wir drinnen geborgen wie in einer Raumkapsel
Draußen tosende See, brüllender Wind, und wir drinnen geborgen wie in einer Raumkapsel
Umsteigen vom Motorboot auf ein Segelboot und umgekehrt
Umsteigen vom Motorboot auf ein Segelboot und umgekehrt
Umsteigen vom Motorboot auf ein Segelboot und umgekehrt
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An Bord der Segelyacht ist man auf Augenhöhe mit der See – und oft genug darunter
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Raumschotskurs im Sturm: Großsegel und Genua sind aufgefiert, aber doppelt gerefft, um ihre Gesamtfläche zu verringern
Raumschotskurs im Sturm: Großsegel und Genua sind aufgefiert, aber doppelt gerefft, um ihre Gesamtfläche zu verringern
Auf den mitlaufenden Wellenkämmen beginnt die tonnenschwere Yacht zu surfen. Die Stimmung steigt.
Auf den mitlaufenden Wellenkämmen beginnt die tonnenschwere Yacht zu surfen. Die Stimmung steigt.
Einlauf in den Hafen von Oudeschild
Einlauf in den Hafen von Oudeschild
Am Ende eines langen Tages: In der Marina von Oudeschild auf Texel liegen C-Yacht und Elling Seite an Seite am Schwimmsteg. Endlich ist Zeit, Erfahrungen auszutauschen.
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Test für Boote und Besatzungen: Segel- und Motoryacht bei acht Beaufort in schwerer See
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Christian Tiedt, BOOTE-Redakteur: „Das Konzept der Fahrtenyacht gefällt mir gut, ein interessanter Kompromiss aus sportlichen Aspekten und einer guten Portion Erholung.“
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Zum Glück seetüchtig: Die Elling kommt gut mit den widrigen Verhältnissen klar
Werft: .................................C-Yachts/NL
	Typ: ....................................C 1250i
	Länge ü. a.: .......................12,88 m
	Breite: .................................3,90 m
	Gewicht: .............................11 t
	Tiefgang: ............................1,80 m
	Mast-/Durchfahrtshöhe: .....19,20 m
	Segelfläche: .......................81 m
	Motorleistung: ....................42 kW (57 PS)
	Preis: ..................................388 480 €
Werft: ....................................Neptune Marine/NL
	Typ: .......................................Elling E4
	Länge ü. a.: ..........................14,95 m
	Breite: ....................................4,25 m
	Gewicht: ................................13 t
	Tiefgang: ...............................1,30 m
	Mast-/Durchfahrtshöhe: .........3,45 m
	Segelfläche: .......................... k.A.
	Motorleistung: ........................313 kW (435 PS)
	Preis: .....................................698 180 €
Die Wellen sind so hoch, dass die Boote immer wieder in den Tälern verschwinden
Am besten im Stehen: Nur so lässt sich die Krängung der Segelyacht am Steuer ausgleichen
Im Trockenen: YACHT-Chefredakteur Jochen Rieker am Steuerstand der Elling. Der gefederte Sitz dämpft den einen oder anderen Schlag ab – ein Luxus, den die Segler-Crew im Cockpit der C-Yacht nicht hat.
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Draußen tosende See, brüllender Wind, und wir drinnen geborgen wie in einer Raumkapsel
Umsteigen vom Motorboot auf ein Segelboot und umgekehrt
Umsteigen vom Motorboot auf ein Segelboot und umgekehrt
An Bord der Segelyacht ist man auf Augenhöhe mit der See – und oft genug darunter
Raumschotskurs im Sturm: Großsegel und Genua sind aufgefiert, aber doppelt gerefft, um ihre Gesamtfläche zu verringern
Auf den mitlaufenden Wellenkämmen beginnt die tonnenschwere Yacht zu surfen. Die Stimmung steigt.
Einlauf in den Hafen von Oudeschild
Am Ende eines langen Tages: In der Marina von Oudeschild auf Texel liegen C-Yacht und Elling Seite an Seite am Schwimmsteg. Endlich ist Zeit, Erfahrungen auszutauschen.
"Die größte Überraschung war für mich, dass wir bei diesen Bedingungen mit der Motoryacht überhaupt auslaufen konnten – und dass ich trotzdem schon nach kurzer Zeit so viel Vertrauen
in die Seetüchtigkeit des Bootes fassen würde." – Jochen Rieker, YACHT-Chefredakteur


Auf der Motoryacht: Anton van den Bos hat es sich nicht nehmen lassen, selbst dabei zu sein. Er liebt Abenteuer und strahlt ein Urvertrauen in seine Boote aus, das weit über das erwartbare Marketinggedöns hinausgeht. Fast könnte man meinen, er habe sich schweres Wetter gewünscht für diesen Törn. Vor ein paar Jahren ist er mit drei E4 und reichlich Zusatztanks schon über den Atlantik geschippert. Voriges Jahr ließ er sich in seinem Flaggschiff festgurten und per Kran einmal auf den Kopf drehen, dokumentiert von einem Dutzend Kameras. Er habe zeigen wollen, dass seine Boote selbstaufrichtend konstruiert sind, sagt er vergnügt, "genau wie Segelyachten". Das beruhigt – jedenfalls ein bisschen. Genau wie die Tür zum Ruderhaus, die schwer wie ein Tresor ins Schloss fällt. Genau wie der Bootsname: "Fortuna". Wird schon schiefgehen.

DIE KOMPLETTE REPORTAGE FINDEN SIE IN DER AKTUELLEN FEBRUAR-AUSGABE VON BOOTE, DIE ES AB DEM 13. JANUAR IM HANDEL GIBT.