Nur die Ruhe: Wasserwandern mit 15 PSFoto: Christian Tiedt

Leben an BordNur die Ruhe: Wasserwandern mit 15 PS

 

1.3.2014, Lesezeit: 6 Minuten

Beim Wasserwandern ist der Weg das Ziel. Mit kleinem Kajütboot und 15 PS am Heck wird die sommerliche Seenlandschaft Mecklenburgs selbst zum Erlebnis

  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
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Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
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Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

Etwas hat Jan aufgeweckt – vielleicht ein springender Fisch neben dem Boot, vielleicht ein Vogel an Land. Doch jetzt ist es wieder still, kein Laut dringt herein. Ein schläfriger Blick auf die Uhr verrät ihm, dass es erst kurz nach fünf Uhr morgens ist. Unsere kleine Kabine liegt noch in tiefem Schatten, aber durch den offenen Niedergang blinzelt er nach draußen in die Plicht: Greller Schein blendet ihn – die Sonne geht auf!

  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

Also steigt er aus dem Schlafsack und rollt sich von der Koje. Kalter Tau tropft ihm in den Nacken, als er die Persenning öffnet und zur Seite schlägt. Die Sonne steigt gerade über die Bäume am Ostufer des Woblitzsees und überzieht die Landschaft mit gleißendem Gold. Schilf und Stellnetze ragen aus den durchscheinenden Rauchschleiern empor, die über dem Wasser schweben.

  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

Der Wasserwanderrastplatz von Wesenberg liegt in tiefer Ruhe. Auf den beiden großen Charter-Hausbooten zeigt sich niemand, und selbst im Zelt der sportlichen Kajak-Familie neben dem Steg regt sich noch nichts. Eigentlich kein Wunder zu so früher Stunde! Doch Jan ist inzwischen hellwach, diese einmalige Stimmung muss man nutzen, denkt er. Schlafen können wir auch, wenn es wieder regnet, frühstücken auch vor Anker auf dem See. Unseren Toast müssen wir dann zwar in der Pfanne auf dem Gaskocher rösten, schmecken wird es dafür umso besser!

  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
  Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.
Wasserwandern mit 15-PS-Boot auf der Mecklenburgischen Seenplatte.

Also werde ich sofort geweckt. Zwar wollen mich die Verlockungen der Natur zu so unchristlicher Zeit nicht sofort überzeugen; aber als wir eine Viertelstunde später mit wenigen Umdrehungen fast lautlos auf den offenen See hinaustuckern, und sich das sommerliche Morgenpanorama Mecklenburgs in voller Pracht vor uns entfaltet, kann ich, mit dem Gesicht im lauen Fahrtwind, nur freudig nicken. Wieder unterwegs, alles richtig gemacht!

Wasserwandern ist kein Hobby, bei dem man sich zwingend auf gestählte Oberarme oder die Kraft des Windes beschränken muss. Wer sagt, dass ein Motor tabu ist? Je kleiner das Boot, desto dichter ist man am Wasser und an der Natur. Das allein ist das Entscheidende. Egal, ob man mit dem Kanu unterwegs ist, mit dem Jollenkreuzer – oder mit dem Kajütboot. Hier unser kleiner Test: Wer gemütlich auf der Rückbank in der Plicht sitzt und mit dem ausgestreckten Arm außenbords die Fingerspitzen eintauchen kann, ist definitiv dicht genug dran.

Beim Wandern steht der Weg im Mittelpunkt, auch wenn natürlich nichts dagegenspricht, sich auf das Tagesziel zu freuen. Viel Leistung am (oder im) Heck ist da kaum gefordert. Eine überschaubare Schar von Pferdestärken (mit entsprechend entspannter Reisegeschwindigkeit) hat sogar mehrere Vorteile: Der Geräuschpegel bleibt niedrig, der nächste Tankstellenbesuch rückt in weite Ferne, und die Nerven werden geschont – nicht zuletzt, weil die Möglichkeit zur schmerzhaft kostspieligen Geschwindigkeitsübertretung erheblich abnimmt und der "Tunnelblick" höchstens in komplett von Bäumen überwölbten Kanal- und Flussabschnitten auftritt.

In dieser Beziehung sind wir sogar "scheinfrei" unterwegs: Am Heckspiegel unserer immerhin knapp 7,50 Meter langen SBM 680 hängt nämlich ein Langschaft-Außenborder von Suzuki mit gerade einmal 15 PS. Und für Motoren bis zu dieser Leistungsgrenze braucht man inzwischen keinen Sportbootführerschein mehr. Die perfekte Kombination also für Einsteiger, um ganz in Ruhe auf den Geschmack zu kommen.

Ganz so neu dabei sind wir zwar nicht mehr, trotzdem müssen auch wir uns erst daran gewöhnen, dass wir unseren Motor beim Blick achteraus nicht nur kaum hören, sondern auch fast nicht sehen können. Das ging einem gestandenen Ferienkapitän (mit weißer, goldbetresster Mütze) gleich zu Beginn in Waren jedoch nicht anders: Von der hohen Brücke seines schiffigen Stahlverdrängers brauchte er nur ein "Adlerauge" auf uns zu richten, um seiner Crew im nächsten Moment mitteilen zu können, dass es ja "immer mehr Elektroboote" gäbe.

Zehn Tage werden wir insgesamt unterwegs sein und dabei 236 Kilometer auf Müritz und Mecklenburgischer Kleinseenplatte zurücklegen. Das Wetter? Sehr gemischt. Schon gleich zu Beginn gab es ordentlich "was auf die Mütze". Nach einem blutroten Sonnenuntergang in Röbel schubste uns ein ruppiger Nordwest über die grau wogende Müritz – taumelnd zog das Boot seine Bahn. Oben prasselte der Regen, unten klapperten und klirrten Töpfe und Flaschen.

Letztere blieben zum Glück heil, und so konnten wir uns am Abend, nachdem der Wind fast eingeschlafen war, auf dem Zotzensee einen schönen Schluck gönnen. Unser Ankerlicht, mangels Mast am Bootshaken aufgeriggt, strahlte währenddessen ebenso friedlich und zufrieden in die Nacht hinein. Hitze folgte, mit "erzwungenen" Badestopps bei jeder zweiten Gelegenheit, frischer Zander und Räucheraal dann direkt am Steg im Flecken Zechlin.

Nördlich von Priepert erwischte uns eine tiefschwarze Wolkenwand mit Schauerböen, die eher an Amazonas und Orinoco als an die Obere Havel erinnerten. Doch der Spuk verzog sich so schnell, wie er gekommen war und verabschiedete sich mit einem Regenbogen in brillanten Farben. So kamen wir mit unserem kleinen Boot nach Wesenberg mit seiner Burg, deren Bergfried sich tatsächlich seit dem Mittelalter über das umliegende Land erhebt. Zwar kommt der steinerne Trutzbau eher schlicht daher. Umso einladender leuchten dafür die Lichter der urigen Hafenbar im Schatten seiner Mauern: Tageseintopf am Tresen, Bier vom Fass und danach pappsatt in die Schlafsäcke!

Inzwischen haben wir den Woblitzsee auf Nordost-Kurs überquert, aufgeklart, unter Deck gelüftet und Wasser für den Kaffee aufgesetzt – auch wenn man den Stieltopf auf der Flamme während der Fahrt festhalten muss. Sicher ist sicher! Da wir so früh aufgebrochen sind, haben wir jetzt viel Zeit für einen schönen "Frühstücksabstecher": Statt gleich weiter auf dem Kammerkanal Richtung Neustrelitz zu fahren, biegen wir nach Osten auf die Quassower Havel ab. Grün wuchert es am Ufer, und vor unserem Bug bedecken die weiß leuchtenden Sterne der Seerosenblüten das Wasser zu beiden Seiten.

Am Heck schnurrt der 15er sein Lied mit mittlerer Drehzahl, völlig ausreichend für die erlaubten neun Stundenkilometer. Auch 12 km/h sind noch locker drin, wenn man einmal mehr Gas braucht – zum Beispiel beim Überholen von Paddlern und Mietflößen. Selbst das Manövrieren in Hafen und Schleuse funktioniert damit bei einem Boot unserer Größe noch gut, zumindest viel besser, als wir vor Törnbeginn gehofft hatten. Zwar ist die Leistungsreserve nach oben deutlich begrenzt, aber auf den vergleichsweise geschützten Mecklenburgischen Gewässern haben wir selbst bei Wind mit der nötigen Umsicht und Vorsicht keine echten Probleme.

Das wird sich auch auf dem zweiten Teil der Reise nicht ändern. Unser Besuch in der Residenzstadt Neustrelitz, der im Krieg zwar das Schloss, nicht aber dessen prachtvolle Gärten abhanden gekommen sind, markiert den Wendepunkt unseres Törns. Danach werden wir zurück nach Waren "wandern", ohne jede Eile.

Doch jetzt lockt erstmal das Frühstück: Wir haben den Großen Labussee erreicht, und in seinem südlichen Bereich geht der "Haken" bei zwei Metern Wassertiefe über Bord. Motor aus, Stille. Ein Fischadler hoch oben hat wohl ähnlichen Hunger wie wir und blickt neidisch herab: Toast Hawaii aus der Pfanne, lecker bis zum letzten Krümel. Flachbildfernseher und Federbetten? Wir strecken uns an Deck unter dem Sommerhimmel aus, schließen die Augen – und sind dann mal weg ...