Schiffshebewerk NiederfinowFoto: Morten Strauch

Leben an BordSchiffshebewerk Niederfinow

Christian Tiedt 

20.2.2012, Lesezeit: 4 Minuten

Seit fast acht Jahrzehnten im Einsatz: Im märkischen Niederfinow steht das älteste Schiffshebewerk Deutschlands. Ein lebendiges Stück Industriekultur.

Schiffshebewerk Niederfinow
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Foto: Morten Strauch
Schiffshebewerk Niederfinow
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Schiffshebewerk Niederfinow
Schiffshebewerk Niederfinow
Schiffshebewerk Niederfinow
Schiffshebewerk Niederfinow

Wo Brandenburgs sandiger Boden von den dichten Wäldern der Schorfheide zum feuchten Oderbruch abfällt, erhebt sich ein wahrer Koloss der Technik über die Landschaft: das Schiffshebewerk Niederfinow. Rund 60 Meter ragt die graue Konstruktion aus Trägern und Streben empor, 14 000 Tonnen Stahl, zusammengehalten von Millionen Nieten. 20 Meter reichen ihre Pfeiler in den weichen Untergrund. Ein wahrhaft ehernes Bauwerk.

Als das Hebewerk 1934 in Betrieb ging, wurde es als Sensation gefeiert: Ein Fahrstuhl, der Frachtkähne in einem Trog voller Wasser senkrecht 36 Meter in die Höhe tragen (oder absenken) konnte, suchte damals weltweit seinesgleichen. Bis dahin hatte man solche großen Höhenunterschiede in der Regel mit Schleusentreppen überwunden. In Niederfinow waren es beispielsweise vier Stufen, deren Kammern jeweils neun Meter überwanden – und deren Durchfahrt entsprechend zeitaufwendig war.

Zeit aber war entscheidend, wenn sich der Verkehr auf dem Hohenzollernkanal nicht stauen sollte. Der nach dem preußischen Herrscherhaus benannte Großschifffahrtsweg verband seit 1914 Havel und Oder, um die Stadt Berlin besser versorgen zu können. Doch so wie sein Vorgänger, der noch erhaltene Finowkanal, an die Grenzen seiner Kapazität stieß und den Bau des Hohenzollernkanals nötig machte, wurde auch das Nadelöhr der modernen Verbindung bald deutlich – die Schleusentreppe bei Niederfinow.

Noch zu Kaisers Zeiten wurden deshalb erste Überlegungen für ein leistungsfähigeres Hebewerk angestellt. Man plante die Fertigstellung für das Jahr 1918, doch der Erste Weltkrieg verhinderte die Umsetzung zunächst. Zu Beginn der Zwanzigerjahre waren die Ingenieure aber an die Zeichenbretter zurückgekehrt, um die Entwürfe zu überarbeiten. Bereits 1926 wurde mit den ersten Vorbereitungsarbeiten und dem Aushub der Baugrube begonnen, der eigentliche Baubeginn erfolgte dann im Sommer 1928 mit der Gründung. In den Folgejahren entstand zunächst die Trogkammer, bevor langsam die Stahlgerüste der drei Hebewerkstürme in die Höhe wuchsen. Mit einem speziell konstruierten 60 Meter hohen Kran wurden die einzelnen Bauteile des stählernen Puzzles an ihre Plätze gehoben und mit dem Niethammer verbunden.

Im Inneren wurde zur gleichen Zeit der 85 Meter lange und im gefüllten Betriebszustand knapp 4300 Tonnen schwere Trog für die Schiffe montiert und an 256 Stahltrossen mit entsprechend mächtigen Ausgleichsgewichten aufgehängt. Triebstöcke, Wellen und Gewinde griffen ineinander, Elektromotoren setzten die Mechanik in Gang. Inzwischen führte auch eine Trogbrücke vom Oberhaupt des freistehenden Hebewerkes zur westlichen Haltung des Kanals, und der Testbetrieb lief reibungslos. Am 21. März 1934 wurde das technische Meisterwerk schließlich feierlich eröffnet.

Schiffe bis zu einer Länge von 84 Metern konnten den Höhenunterschied von 36 Metern nun in einem einzigen Schritt überwinden, gerade einmal fünf Minuten dauerte die Fahrt zwischen Ober- und Unterwasser noch. Lokomotiven halfen außerdem beim sicheren Rangieren von antriebslosen Frachtkähnen. Die Bewältigung der Schleusentreppe mit ihren nur 67 Meter langen Kammern war dagegen eine stundenlange Angelegenheit gewesen.

Wie durch ein Wunder überstand das Hebewerk die schweren Kämpfe in den letzten Monaten des Zweiten Weltkrieges weitgehend unbeschadet; noch im Herbst 1945 konnte der Betrieb – zunächst eingeschränkt – wieder aufgenommen werden, nachdem gesunkene Schiffe und zerstörte Brücken aus dem Kanal geborgen worden waren. Der verlor nun übrigens seinen monarchischen Namen und erhielt jene Bezeichnung, die er noch heute trägt: Havel-Oder-Wasserstraße.

Die Technik erfüllte auch weiterhin treu ihren Dienst. An zwei Händen lassen sich die Tage abzählen, an denen das Schiffshebewerk zu DDR-Zeiten gesperrt werden musste, weil mechanische Bauteile verschlissen waren und ausgetauscht werden mussten. Doch die Verkehrsentwicklung schritt weiter voran, und nach der
Wiedervereinigung kam man schon bald zu der Überzeugung, dass das Hebewerk modernen Frachtschiffen nicht mehr gewachsen war. Zu kurz und zu flach war und ist sein Trog.

Wer das Schiffshebewerk Niederfinow heute besucht, kann deshalb vom oberen Umgang in die nahe Zukunft sehen, wenn er in nördliche Richtung blickt: In unmittelbarer Nachbarschaft wächst dort sein Nachfolger unübersehbar in die Höhe. Der vermutlich knapp 300 Millionen teure Neubau wird Großmotorschiffen der Klasse V mit 110 Metern Länge Platz bieten, die Ablösung ist für 2014 geplant.

Als historisches Wahrzeichen und geschütztes Industriedenkmal wird der stählerne Veteran im märkischen Sand aber erhalten bleiben – betriebsbereit, versteht sich.