Liegeplatz-Knappheit: Geplatzte TräumeFoto: Michael Amme

Marina Liegeplatz-Knappheit: Geplatzte Träume

Jürgen Strassburger  

19.11.2021, Lesezeit: 12 Minuten

"Wir sind rappelvoll", war in diesem Jahr oft zu hören. Vielleicht ist es derzeit sogar leichter, einen Klumpen Gold zu finden, als einen Liegeplatz! BOOTE hat sich in deutschen Marinas umgehört.

Um es gleich vorweg zu sagen: Wer sich ein Boot kauft, ohne einen vertraglich gesicherten Liegeplatz zu haben, ist ein Träumer – oder ein Zocker. BOOTE-Leser Hans-Peter Speh hat eine solche Situation in Ausgabe 8/21 in einem Leserbrief trefflich beschrieben: Endlich hat er sich seinen Lebenstraum erfüllt und ein Boot bestellt, das im Mai 2022 geliefert wird. Erst die Frage des Verkäufers, ob er denn schon einen Liegeplatz habe, macht ihm klar, dass ein Boot ohne Liegeplatz nichts wert ist. Seine darauffolgende Telefonaktion mit den Häfen an der deutschen Ostseeküste führt nicht zu einem Liegeplatz, sondern zu der Erkenntnis, dass es keine freien Plätze gibt. Nun steht er vor der Frage: Wohin mit dem Boot?

Ein geplatzter Traum? Oder gibt es sie doch, die kleinen Lücken in der großen Lotterie des Nachfragebooms? Wir
wollten es wissen und haben quer durch Deutschland kommerzielle Marinabetreiber und Hafenmeister befragt, wie die Chancen auf einen Liegeplatz für das Jahr 2022 stehen. Kurzum: so wahrscheinlich wie sechs Richtige im Lotto! Gewisse Chancen gibt’s, wenn man flexibel ist und in ein Revier ausweicht, das nicht so ausgebucht ist wie das "Traumrevier", man also auch mit geplatzten Träumen leben kann.

Ultramarin – Meichle + Mohr MarinaFoto: Michael Amme
Ultramarin – Meichle + Mohr Marina
Ultramarin – Meichle + Mohr MarinaFoto: Michael Amme
Ultramarin – Meichle + Mohr Marina

Ultramarin – Meichle + Mohr Marina

Beginnen wir in Deutschlands Süden. "Am Bodensee ist die Liegeplatzsituation traditionell schon seit vielen Jahren schwierig", berichtet Patricia Reuthe, für Marketing zuständige Assistentin der Geschäftsleitung von Ultramarin und somit zuständig für den Megahafen Meichle + Mohr Marina in Kressbronn-Gohren mit 1450 Liegeplätzen. "Heißt, für uns ist diese Situation nicht neu, sie hat sich aber durch den von Corona ausgelösten Bootsboom noch zusätzlich verschärft." Da Ultra­marin auch mit Booten handelt, bestehen bei Kauf eines Neubootes gute Chancen, auch einen Liegeplatz zu bekommen. Eine andere Variante ist der Kauf eines Gebrauchtbootes mit Übernahme des bis­herigen Liegeplatzes. Eine Warteliste wird bei Meichle + Mohr nicht geführt, weil nur zwölf bis 18 Liegeplätze im Jahr durch die normale Fluktuation frei werden. Und die können – sozusagen aus dem Stand – sofort wieder vermietet werden.

Marina Winningen Mosel

An die Mosel. "Unser Hafen ist rappelvoll", sagt Bürofrau Andrea Kühn von der Marina Winningen, einem mittelgroßen Hafen mit 220 Liegeplätzen. "Schon seit zwei Jahren gibt es bei uns eine Warteliste. Sie bestand also schon vor Corona. Die größte Nachfrage gibt es für Boote in der Kategorie 6 bis 9 m. Die Fluktuation ist gering und die Nachfrage gewaltig. Dementsprechend wird die Warteliste immer länger."

Marina DuisburgFoto: Jürgen Strassburger
Marina Duisburg
Marina DuisburgFoto: Jürgen Strassburger
Marina Duisburg

Marina Duisburg

Rein ins Revier: Yence Bayram, Hafenmeister in der Marina Duisburg (133 Liegeplätze) kann aktuell (Ende August) einen Liegeplatz bis 8 m, zwei bis 12 m und fünf für 5- bis 6-Meter-Boote anbieten. "Das war’s. Für 2022 gibt es bereits eine längere Warteliste."

Yachthafen Marina Rünthe | Jürgen Strassburger
Yachthafen Marina Rünthe | Jürgen Strassburger
Yachthafen Marina Rünthe | Jürgen Strassburger
Yachthafen Marina Rünthe | Jürgen Strassburger

Yachthafen Marina Rünthe

Platzhirsch im Revier ist die Marina Rünthe am Datteln-Hamm-Kanal in Bergkamen: 300 Liegeplätze im Wasser und 100 an Land. Betreiber Thorsten Nustede berichtet von vielen pandemiebedingten Rückkehrern aus den Niederlanden. Also ist sein Hafen weitgehend ausgebucht. Für 2022 gibt es erstmals eine Warteliste. Trotzdem sieht Nustede Chancen für einen Platz. "Rund 30 Bootseigner steigen jährlich aus bestehenden Verträgen aus. Diese Plätze werden natürlich sofort wieder vermietet. Es gibt also Chancen in allen Bootskategorien. Allerdings werden die Kunden mit Preiserhöhungen von rund vier Prozent rechnen müssen."

Yachthafen Marina Alte Fahrt Fuestrup

Ähnlich ist die Situation in der Marina Alte Fahrt Fuestrup am Dortmund-Ems-Kanal. Die 110 Liegeplätze sind ausgebucht, und rund 50 bis 60 Bootseigner stehen auf der Warteliste. Auch hier viele Eigner, die wegen Corona aus den Niederlanden abgerückt und nach NRW zurückgekommen sind, berichtet Hafenmeister Thomas Pass-
mann. Größte Nachfrage bestehe nach Liegeplätzen bis 8 m Länge. Entsprechend gering sind in dieser Kategorie die Aussichten. Etwas besser sei die Situation für Boote oberhalb 8 m. Gute Chancen auf einen Jahresplatz 2022 hätten Eigner, die jetzt einen Platz im Winterlager buchen.

Sportboothafen Weener (Ems)

Rund 160 Kilometer weiter nördlich, im Hafen Weener (Ems), ist die Situation komplett anders. Der Hafen mit 280 Liegeplätzen "hat rund 50 freie Plätze in allen Größenkategorien", sagt Hafenmeister Heiner Düring. Eine echte Chance also für Bootseigner, die nah an der Nordsee liegen wollen und sich von einem Dockhafen nicht abschrecken lassen, dessen Zufahrtszeiten von der Tide abhängig sind.

Marina Recke

"Alle 60 Liegeplätzen sind belegt", meldet die kleine Marina Recke am westlichen Ende des Mittellandkanals. Es gebe eine Warteliste, die im Februar/März 2022 abgearbeitet werde, berichtet die Betreiberin des marinaeigenen Panorama-Cafés.

Yachthafen Idensen

Trotz Erweiterung des Hafens im Jahr 2021 auf nunmehr 130 Liegeplätze ist der Yachthafen Idensen am Mittellandkanal (km 135,5) komplett ausgebucht. "Das ist seit Öffnung der Anlage im Jahr 1982 noch nie der Fall gewesen", sagt der Besitzer des Hafens, Lutz Schatz. Jetzt seien alle Platzressourcen erschöpft, und ein weiterer Ausbau sei nicht mehr möglich. Eine Warteliste wird in Idensen nicht geführt. "Dabei sind zu viele taube Nüsse, weil die Leute sich in mehreren Häfen anmelden, aber nicht Bescheid geben, wenn sie anderswo fündig geworden sind", sagt Schatz. "Es reichen die täglichen Anrufe von Platzsuchenden, um die zwei bis drei pro Jahr frei werdenden Plätze wieder zu vermieten. Keine eigene Website.

Telefon: 05723/981488

Yachthafen Hannover

"Volles Haus", meldet auch Hafenmeister Lothar Brüssing aus dem Yachthafen Hannover (MLK-km 163,8). "Unsere 45 Plätze sind vergeben, und es wird in absehbarer Zeit auch nichts frei. Eine Warteliste haben wir nicht.

Marina Bortfeld

Auch Andreas Reinhold, Chef der Marina Bortfeld (MLK-km 213,5), kann Bootseignern nur wenig Hoffnung machen. "Bei nur 24 Liegeplätzen und lediglich ein bis zwei frei werdenden Boxen pro Jahr sind die Chan-
cen gering."

Yachthafen Heidanger | Jürgen Strassburger
Yachthafen Heidanger | Jürgen Strassburger
Yachthafen Heidanger | Jürgen Strassburger
Yachthafen Heidanger | Jürgen Strassburger

Yachthafen Heidanger

Etwas günstiger ist die Situation in der Marina Heidanger am Stichkanal Salzgitter (km 3,5). Chef über die 80 Liegeplätze ist Hafenbetreiber Rüdiger Milius. "Die Zahl der Anfragen hat sich zwar deutlich erhöht, es gibt aber vereinzelt Plätze in der 10- bis 12-m-Kategorie", beschreibt Milius die Situation in seinem Hafen. "Es sind Plätze vorhanden, und eine Anfrage lohnt sich auf jeden Fall." Aber auch Milius warnt: "Bevor die Leute sich ein Boot kaufen, sollten sie sich erst einen Liegeplatz sichern!"

Havel Marin

120 Liegeplätze bietet der Yachthafen Havel Marin an der Unteren Havel-Wasserstraße (km 55) in Brandenburg/Havel. "Wir sind voll ausgebucht", berichtet Geschäftsführerin Cornelia Seifert, "und wir kriegen täglich neue Anfragen. Vergeben können nur wenige Plätze im Rahmen der normalen Fluktuation. Dabei arbeiten wir unsere Warteliste ab. Wir hatten gehofft, neue Stege zur Havel hin bauen zu können, haben dafür aber leider keine Genehmigung bekommen."

Yachthafen Ringel | Jürgen Strassburger
Yachthafen Ringel | Jürgen Strassburger
Yachthafen Ringel | Jürgen Strassburger
Yachthafen Ringel | Jürgen Strassburger

Yachthafen Ringel

Rund 30 Flusskilometer weiter östlich, an der Potsdamer Havel, liegen die Marina Ringel mit 210 Liegeplätzen (PHv-km 7,9) und die Marina Zernsee mit 160 Liegeplätzen (PHv-km 7,8) dicht beieinander. Der Online-Antrag auf der Website der Marina Ringel wird mit dem wenig verheißungsvollen Satz anmoderiert: "Bitte beachten Sie, dass zurzeit alle Wasserliegeplätze ausgebucht sind." Hafenmeister Bernd Becker ergänzt im Gespräch: "Wir wurden von der Zahl der Neukunden regelrecht überrannt, sowohl bei den Booten als auch bei den Wohnwagen." Auf Basis der schriftlichen Bewerbungen wird eine Warteliste geführt, die im Umfang der normalen Fluktuation abgearbeitet wird.

Marina Zernsee | Jürgen Strassburger
Marina Zernsee | Jürgen Strassburger
Marina Zernsee | Jürgen Strassburger
Marina Zernsee | Jürgen Strassburger

Marina Zernsee

Die Marina Zernsee weist schon auf ihrer Homepage in roten Großbuchstaben darauf hin: "Wir haben zurzeit keine freien Liegeplätze sowie keine freien Plätze im Winterlager 2021/22". Das lässt auch für 2022 nichts Gutes erahnen. Hafenmeister Kay Bernitzke weiß: "Wir führen keine Warteliste, weil wir dann schon ganze DIN-A4-Bögen voll hätten. Bei nur vier bis fünf durch Abwanderung frei werdenden Liegeplätzen muss man eben immer mal wieder nachhaken. Bester Zeitpunkt sind die Monate Oktober bis Dezember. Und stellen Sie sich vor: Selbst Skippern, die bei uns ein Boot kaufen, können wir nicht zwingend einen Liegeplatz anbieten."

Marina Lanke | Jürgen Strassburger
Marina Lanke | Jürgen Strassburger
Marina Lanke | Jürgen Strassburger
Marina Lanke | Jürgen Strassburger

Marina Lanke Berlin

Nun ist es nur noch einen Katzensprung bis Berlin. Westlich vom "Gemünd" liegt am Pichelsdorfer Havelufer die Marina Lanke Berlin, mit 373 Liegeplätzen die größte Marina an der Unteren Havel-Wasserstraße. "Wir sind voll", sagt Geschäftsführer Peter Twelkmeyer kurz und bündig. "Das ist wie Anfang der 70er- und Mitte der 80er-Jahre." Warteliste? "Nein, das ist viel zu aufwendig bei fünf bis zehn Anfragen pro Woche. Kündigungen müssen bis Jahresende vorliegen. Also kann ich im Januar sagen, was geht und was nicht geht." Twelkmeyer glaubt, dass der vor allen durch Corona ausgelöste Hype nicht von Dauer ist. "In drei bis vier Jahren werden wir uns warm anziehen müssen", sagt er. "Die derzeitigen Neukunden probieren in der Krise eben mal was aus – dauerhafte Wassersportler sind sie nicht!", ist sich Twelkmeyer sicher.

Müritz Marina in Claassee | Jürgen Strassburger
Müritz Marina in Claassee | Jürgen Strassburger
Müritz Marina in Claassee | Jürgen Strassburger
Müritz Marina in Claassee | Jürgen Strassburger

Marina Müritz im Claassee

Auf nach Mecklenburg! Mit 320 Liegeplätzen ist Marina Müritz im Claassee am Ostufer der Müritz einer der größten Häfen im Revier. Auf unsere Frage nach der Liegeplatzsituation schmunzelt Geschäftsführer Harald Kuhnle und sagt: "Schickt die Bootseigner in meine Marina in Niderviller im Elsass. Da habe ich noch jede Menge Dauerliegeplätze frei." Ist gebongt, Harald Kuhnle! Und die Lage im Claassee? "Für Boote bis 15 m Länge lohnt sich eine schriftliche Anfrage per E-Mail auf jeden Fall. Das ist kein Versprechen, aber eine Option mit Chancen." Keine Probleme gibt es derzeit mit einem Außenplatz im Winterlager.

Hamburger Yachthafen | Jürgen Strassburger
Hamburger Yachthafen | Jürgen Strassburger
Hamburger Yachthafen | Jürgen Strassburger
Hamburger Yachthafen | Jürgen Strassburger

Hamburger Yachthafen

Norddeutschlands größter Hafen (2000 Liegeplätze) liegt an der Elbe, heißt Hamburger Yachthafen und gehört zur schleswig-holsteinischen Gemeinde Wedel. Geschäftsführer Ulf Hansen kommt direkt zur Sache: "Wir haben noch Kapa­zitäten von 50 bis 100 Plätzen vor allem für die Bootsgrößen von 6 bis 10 m. Oberhalb von 10 m wird es schwierig, aber nicht unmöglich." Und wie bekommt man so einen Platz? "Da wir keine Warteliste führen, bei Interesse einfach noch mal anfragen."

Sportboothafen Tatenberger Schleuse

Ganz anders ist die Situation im Sportboothafen Möller an der Dove-Elbe in Hamburg-Tatenberg oberhalb der gleichnamigen Schleuse (220 Liegeplätze). Inhaber Torsten Möller: "Ich bin seit 50 Jahren in der Branche, aber so etwas wie in den letzten eineinhalb Jahren habe ich noch nicht erlebt. Es ist total verrückt. Täglich kriege ich fünf bis sieben Anrufe. Wenn ich das alles aufgeschrieben hätte, wären das sicher weit über 200 Voranmeldungen. Aber nur rund 25 bis 30 Eigner geben pro Jahr ihren Liegeplatz auf. Und dann muss es ja auch von der Größe her passen. Die Chancen auf einen Liegeplatz für 2022 sind eher gering."

Marina Baltica

Zur schleswig-holsteinischen Ostseeküste. "Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort sein" ist das orakelhafte Mantra von Dennis Braun, wenn es um den Zuschlag für einen Liegeplatz geht. Braun ist Bereichsleiter Hafen der Marina Baltica in Travemünde. Seine 190 Liegeplätze sind derzeit alle belegt. "Es ist sogar schon schwierig, einen Winterplatz zu bekommen! Und das ist ganz neu", sagt Braun. Die Höhe der Fluktuation sei nicht vorhersehbar und auch nicht, welche Boots­größen frei werden. "Zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort", da haben wir es wieder. Und die Warteliste? "Ja, kann hilfreich sein."

Yachthafen Grömitz | Michael Amme
Yachthafen Grömitz | Michael Amme
Yachthafen Grömitz | Michael Amme
Yachthafen Grömitz | Michael Amme

Yachthafen Grömitz

"Ich habe seit letztem Jahr zunehmend das Gefühl, dass ich der Einzige bin, der kein Boot hat", beschreibt Heinrich Lunau, Hafenmeister im Yachthafen Grömitz, die aktuelle Situation. "Wir sind in allen Bootskategorien seit 2021 voll ausgebucht. Die Zahl der Bewerbungen übersteigt die Zahl der Abgänge um ein Vielfaches." In Grömitz werden nur noch Online-Anmeldungen akzeptiert, weil, so Lunau, "Bewerber zigfach unter wechselnden Namen angerufen haben." Und wie bekommt man einen Platz? "Mit Glück und Geduld", sagt Lunau. "Und nicht vergessen, ,Ja‘ zu sagen, wenn man eine Zusage bekommt."

Marina Heiligenhafen | Jürgen Strassburger
Marina Heiligenhafen | Jürgen Strassburger
Marina Heiligenhafen | Jürgen Strassburger
Marina Heiligenhafen | Jürgen Strassburger

Marina Heiligenhafen

Ähnlich aussichtslos ist die Lage in der Marina Heiligenhafen (1000 Liegeplätze) "Schon seit vergangenem Jahr sind unsere Liegeplätze in allen Bootskategorien ausgebucht", sagt Hafenmeister Arne Bennewitz. Für die Warteliste werden nur schriftliche Anmeldungen berücksichtigt. Ak­tuell stehen mehr als 500 Bewerber darauf. Deshalb wurde die Warteliste jetzt geschlossen.

Sporthafen Kiel in Düsternbrook | Michael Amme
Sporthafen Kiel in Düsternbrook | Michael Amme
Sporthafen Kiel in Düsternbrook | Michael Amme
Sporthafen Kiel in Düsternbrook | Michael Amme

Sporthafen Kiel GmbH

Philipp Mühlenhart, Geschäftsführer der Sporthafen Kiel GmbH, ist Chef von neun Häfen in der Kieler Förde mit 2300 Liegeplätzen: Schilksee, Stickenhörn, Wik, Düsternbrook, Blücherbrücke, Reventlou, Seeburg, Wellingdorf und Dietrichsdorf. "Alle Häfen sind komplett voll", sagt Mühlenhart. Eine Warteliste wird nicht geführt, weil die durch normale Fluktuation frei werdenden Plätze durch zeitnahe Bewerbungen sofort wieder belegt werden können. Und auch hier gibt es die uns schon bekannten, kaum Hoffnung verheißenden Perspektiven auf einen Liegeplatz: "Bewerber brauchen Geduld und Glück."

Yachthafen im-Jaich Flensburg | Michael Amme
Yachthafen im-Jaich Flensburg | Michael Amme
Yachthafen im-Jaich Flensburg | Michael Amme
Yachthafen im-Jaich Flensburg | Michael Amme

im-Jaich oHG

Anders als die Sporthafen Kiel GmbH, die nur in Kiel Bootshäfen betreibt, sind die neun Häfen der im-Jaich oHG über ganz Deutschland verteilt. Der Schwerpunkt liegt an der Ostsee: Die "Heimathäfen" in Flensburg, Langballigau, Kopperby, Arnis, Eckernförde, Gustow und Lauterbach (Rügen) gehören ebenso zu im-Jaich wie die Heimathäfen in Bremerhaven an der Unterweser und Waren an der Müritz. Über insgesamt 1500 Liegeplätze regiert Geschäftsführer Hans Jaich. Er bestätigt die bekannte Situation: "Unser Häfen waren schon vor der Pandemie so gut wie ausgebucht. Leerstände hatten wir nie." Und er glaubt, dass der aktuelle Hype nicht nur durch Corona ausgelöst wurde: "Da spielen auch ökologische Gründe eine Rolle. Lange Flugreisen zu exotischen Zielen erscheinen vielen Menschen nicht mehr zeitgemäß. Da ist der Weg zum eigenen Boot vorgezeichnet." Zig Gespräche habe er mit verzweifelten Bootseignern geführt, die zwar jetzt ein Boot, aber keinen Liegeplatz hätten. Und Jaich ist sich sicher, dass noch mehr Leute Boote kaufen würden, wenn entsprechende Liegeplätze vorhanden wären. Und sein Rat? "Immer wieder die Hafenmeister anrufen – aber mehr als die Fluktuation geht nicht."

Marina Weisse Wiek Boltenhagen | Euroluftbild.de / Bernt Hoffmann
Marina Weisse Wiek Boltenhagen | Euroluftbild.de / Bernt Hoffmann
Marina Weisse Wiek Boltenhagen | Euroluftbild.de / Bernt Hoffmann
Marina Weisse Wiek Boltenhagen | Euroluftbild.de / Bernt Hoffmann

Weiße Wiek Boltenhagen

In der Hoffnung, es könnte an der Ost­seeküste in Mecklenburg-Vorpommern etwas entspannter zugehen als in Schleswig-Holstein, wenden wir unseren Blick auf die Yachtwelt Weiße Wiek in Bolten­hagen (350 Liegeplätze). Hafenmeisterin Christin Stein muss lächeln, als ich ihr meine Hoffnung offenbare: "Wir sind komplett ausgebucht. Nach weit über 100 Bewerbungen für 2022 haben wir jetzt unsere Warteliste geschlossen. Bei fünf bis sechs Liegeplätzen, die im Jahr durch Kündigung frei werden, geht die Chance auf einen Platz gegen null."

Marina Kühlungsborn | Yachthafenbetreiber
Marina Kühlungsborn | Yachthafenbetreiber
Marina Kühlungsborn | Yachthafenbetreiber
Marina Kühlungsborn | Yachthafenbetreiber

Marina Kühlungsborn

Knapp 25 Seemeilen nordöstlich von Boltenhagen liegt der Bootshafen Kühlungsborn (gut 400 Liegeplätze). Hafenmeister Alexander Berger bestätigt das bekannte Muster: "Wir sind komplett ausgebucht." Auch die Bewerbung um einen Dauerliegeplatz für 2022 hält er "für komplett aussichtslos. Da findet man eher einen Klumpen Gold." Für einen Saisonliegeplatz 2022 sieht Berger "etwas bessere Chancen" bei Bewerbungen über die Online-Plattform.

Trübe Aussichten also für Neueinsteiger? Keine Frage, zumindest auf den ersten Blick. Denn ein Boot ohne Liegeplatz ist wie ein Hafen ohne Wasser. Bleibt die Hoffnung auf einen Glückstreffer bei der Suche beziehungsweise darauf – wie oben zitiert –, "zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort" zu sein. Damit der Traum nicht platzt, wie der von BOOTE-Leser Hans-Peter Speh, noch einmal der dringende Rat: Erst Liegeplatz sichern, dann Boot kaufen! Für trailerbare Bootsgrößen gibt es freilich noch eine Alternative: das Boot nach der Ausfahrt wieder zu slippen und mit nach Hause zu nehmen – vorausgesetzt, man verfügt über ein geeignetes Zugfahrzeug sowie einen Stellplatz für das Gespann.

Diesen Artikel finden Sie in BOOTE-Ausgabe 12/2021. Seit dem 17.11.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.