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Der Biber und sein rotes Tuch

Gernot Apfelstedt am 14.12.2013

Der Hamburger Bootsclub Biber am Tatenberger Deich zeigt anlässlich seines 35-jährigen Bestehens Flagge – für die Sicherheit auf dem Wasser.

Bootsclub Biber

In Karin Wäge fand der Club eine versierte Schneiderin für seine roten Flaggen.

Er ist der Mann für Feste beim Bootsclub Biber Hamburg e. V. am Tatenberger Deich: Andreas Fuckert, stolzer Eigner eines Elbtrawlers mit dem Namen "Balu Star" aus der früheren Allermöher Werft, ist erst seit acht Jahren Mitglied beim "Biber" und genauso lange Bootsbesitzer. Doch wer schon von berufs wegen gut organisieren kann – Fuckert ist Gesamt- und Konzern-Betriebsratsvorsitzender eines großen Medizintechnikunternehmens in Hamburg – gewinnt bei einem ehrenamtlich geführten Verein gern einen Posten.

Für Andreas Fuckert war es vor vier Jahren der "Festausschuss". Und wenn er was macht, der "Balu", wie ihn viele im Club liebevoll nennen, dann richtig, sei es ein "normales" Kran- oder Hafenfest oder, wie im September, das Vereinsjubiläum anlässlich des 35-jährigen Bestehens. Klar, dass er sich um die Musik kümmerte – nach Countrysänger Tom aus Vierlanden "verpflichtete" er den 1. Vorsitzenden Carsten Schumacher als DJ, er besorgte Preise für die Tombola, organisierte eine Senioren-Opti-Regatta (die Gerd Gerken gewann), von Speis‘ und Trank ganz zu schweigen. Doch er suchte noch eine Überraschung für die Jubi-läumsfeier, von der außer den direkt Beteiligten niemand erfahren sollte. Es blieb tatsächlich ein Geheimnis – bis zum Abend des 7. September.

Den Implus für Andreas Fuckerts Aktion lieferte BOOTE in der Ausgabe 6/2013 auf Seite 62 mit einem Beitrag über Ausrüstungsvorschriften und -empfehlungen ("Auf der sicheren Seite"). Wir hatten die Bremer Wasserschutzpolizei auf ihrer Club-Tour begleitet, auf der sie das Fehlen der Roten Flagge an Bord der meisten Boote beanstandete. Die Rote Flagge als Notsignal für Binnen und zur "zusätzlichen Bezeichnung manövrierunfähiger Fahrzeuge in Fahrt" – von einer solchen Ausrüstungsvorschrift wusste auch Fuckert nichts – und wie er herausfand, war dies bei den anderen Clubmitgliedern nicht anders.

Da hatte der Navigator des Festausschusses plötzlich die zündende Idee: Jedes größere "Biber"-Boot sollte zum Clubgeburtstag eine Rote Flagge in den genannten Maßen 60 x 60 cm bekommen. Und weil Fuckert bei Yachtausrüstern nicht fündig wurde, entschloss er sich, die Flaggen in Eigenregie herzustellen. Er kaufte im Stoff-Fachhandel 14 m rotes Tuch in Doppellage und hörte sich vorsichtig im Club um, wer in der Lage sei, diesen in Rote Flaggen zu verwandeln: Bei Karin Wäge stieß er damit auf Begeisterung und Bereitschaft.

So entstanden in Teamarbeit 25 Flaggen: Sie schneiderte, ihr Lebensgefährte Harald Bestmann bügelte. In die Flaggen nähte sie noch eine Leine ein, damit sie auf einen Flaggstock aufgezogen werden können. Und da am Ende Reste übrig waren, gab’s noch ein Sahnehäubchen obendrauf: Karin Wäge nähte 25 Stoffsäckchen für die praktische Aufbewahrung der Roten Flagge bis zu ihrem möglichen Einsatz in einem Notfall.

Die Überraschung war gelungen. Es hätte keine bessere geben können für einen Club, der alles, was er ist und hat, durch Pionierleistung, Herzblut und Gemeinschaftssinn geschaffen hat. Der Bootsclub Biber e.V. war im Jahr 1978 aus den ebenfalls am Tatenberger Deich beheimateten Gartenfreunden Bieberhof e.V. hervorgegangen, weil einige der Mitglieder auch Freude am Bootfahren hatten. In den Anfangsjahren waren es nur Kanus, Ruder- und Segelboote.

Doch bald wurden auch Motorboote zugelassen, die in dem aus dem Nichts in Eigenleistung gebauten Hafenbecken, Steganlagen und im Laufe der Jahre stetig wachsenden Infrastruktur (Parkplatz, Garagen, Carport, Strom, Wasser, der Bau des Vereinshauses und einer Slip-Anlage, Stellplatz für Trailer und Boote) eine ideale Heimat fanden. Zu den "Biber"-Pionieren und Mitgliedern der ersten Stunde gehört an erster Stelle Egon Vorbeck, der als Zimmermann sein ganzes handwerkliches Know-how in den Dienst des Bibers stellte. Nicht nur der Dachstuhl des Vereinshauses ist sein Werk. www.bootsclub-biber.de    

Gernot Apfelstedt am 14.12.2013