Biile brennt Biile brennt
Clubs

Schluss-Lichter im Norden

Gernot Apfelstedt am 29.11.2014

Wenn Elbe und Bille „brennen“, warum nicht auch die Dove-Elbe? Der Bootsclub Biber macht das Abtuckern zum Saisonende erstmals zur Lampionfahrt.

Biile brennt

Bootsclub Biber: Lichterfahrt zum Saisonabschluss 2014

Sein Organisationstalent hat Andreas Fuckert schon bewiesen als er noch den Posten "Festausschuss" beim Bootsclub Biber am Tatenberger Deich 120 in Hamburg innehatte. Bei Kran- und Hafenfesten oder durch besondere Ideen wie beim 35-Jahr-Jubiläum des an der Dove-Elbe beheimateten Clubs, zu dem jeder Bootsbesitzer eine eigens geschneiderte Rote Flagge, das Notsignal für Binnen, überreicht bekam (BOOTE 12/2013). Den Anstoß dazu hatte er aus einem Beitrag über Ausrüstungsvorschriften und -empfehlungen in BOOTE 6/2013 bekommen.

Das Amt im Club hat der stolze Eigner eines Elbtrawlers aus der unweit gelegenen Allermöher Werft im Frühjahr abgegeben. Das schaffte Raum für neue Aktivitäten und Initiativen. Eigentlich wollte der Käpt’n der "Balu Star" nur an einem anderen Event teilnehmen: "Bille brennt". Von der Lichterfahrt mit rund 100 Booten auf dem Nebenfluss der Elbe hatte "Balu" – so nennen ihn viele im Club – bereits gehört und wollte – als er die Ankündigung in einer Yacht-Club-Zeitung las, mit seinem Elbtrawler am 20. September dabei sein.

Er nahm Kontakt mit dem dort ansässigen Elbe Motorboot Club e.V. Hamburg (EMC) auf, Veranstalter dieser Lichterfahrt. Doch dessen Hafenmeister winkte bei der Frage nach freien Liegeplätzen ab. Und da eine Rückfahrt zur Dove-Elbe wegen der Betriebszeiten der Schleusen Tiefstack und Tatenberg unmöglich ist, war "Bille brennt" für Fuckert erloschen.

Stattdessen brach Eigeninitiative aus. "Dann machen wir das selber", beschloss "Balu" und fand in seinem Clubkollegen Ingo Bieberitz sofort den idealen Mitstreiter. Das Projekt hieß "Lampion-Fahrt" und sollte eine Woche später, am 27. September, die Dove-Elbe zwischen Tatenberger und Krapphof-Schleuse in "Flammen" setzen. Natürlich wollten die beiden dafür möglichst viele Boote gewinnen. In allen Häfen und Steganlagen entlang des Elbe-Nebenarms hängten sie Plakate aus!

Auch für den eigenen Club eröffnete die geplante Lampion-Fahrt neue Perspektiven. Am gemeinsamen "Abtuckern" zum Saisonende hatten regelmäßig nur um die fünf größere Biber-Boote teilgenommen, weil sich dieser Törn über zwei bis drei Tage erstreckte. Für die kleinen war das mangels Übernachtungsmöglichkeit nichts. Ein Korso mit beleuchteten Booten – einmal Dove-Elbe rund, ca. zwei Stunden, so wie es es auf den Plakat stand – hingegen schon. So verwandelte sich das traditionelle Abtuckern des Bootsclubs Biber diesmal in eine Lampion-Fahrt.

Um unangenehmen Überraschungen vorzubeugen, meldete Fuckert die Veranstaltung beim Bezirksamt Bergedorf an und informierte auch den Sportbootbeauftragten der Hamburger Wasserschutzpolizei Heiko Friedenstab. Auch wenn die Resonanz auf das Vorhaben durchweg positiv war, gab es an diesem Abend doch eine kleine Unwägbarkeit. Auf der Ruderregattastrecke Allermöhe, die der Korso in jedem Fall passieren musste, wurden an besagtem Wochenende die Norddeutschen Meisterschaften ausgetragen. Und solange die Wettkämpfe laufen, sperrt die Wasserschutzpolizei die Durchfahrt.

Schon vor der angesagten Zeit hatte "Balu" seine "Balu Star" zum Treffunkt an der Tatenberger Schleuse gelegt und war wie angekündigt auf Kanal 69 gegangen, um für andere Teilnehmer erreichbar zu sein. Kurz nach 19 Uhr wurden 42 Boote unterschiedlicher "Formate" gezählt, festlich geschmückt und mit Lichterketten bestückt! Bei der kurzen Vorlaufzeit eine wahrlich stattliche Anzahl.

Dann setzte sich der Korso Richtung Bergedorf in Bewegung. Die "Balu Star" übernahm die Führung, die "Dümpeltonne" von Ingo Bieberitz, eine Sneekermeer-Segelyacht, bildete das Schlusslicht. Unterwegs schlossen sich auch Boote ohne Lampions spontan an. Andreas Fuckert: "Als ich mich umgedrehte und sah, was da alles mitkommt, habe ich Gänsehaut bekommen!"

Das dürfte auch anderen passiert sein, denn der Törn durch Hamburgs Gemüsegarten – die Vier- und Marschlande – geriet zu einer Art Ehrenrunde. Die Brücken und Pontons voll mit winkenden Menschen. Ufergrundstücke, Anleger und Hafeneinfahrten waren mit Fackeln gesäumt. Die Lampion-Idee der Bootsleute hatte offensichtlich auch die Landbevölkerung erfasst. Nach 16 Flusskilometern erreichte der Korso gegen 20.30 Uhr die Wendemarke an der Krapphof-Schleuse, um etwa 22 Uhr waren die letzten zurück an ihrem angestammten Liegeplatz.

Sie alle erlebten die Geburtsstunde eines neuen Events, in dem noch viel Potenzial steckt. Auf die Wiederholung am Samstag, 26. September 2015, dürfen wir schon jetzt gespannt sein.  

Gernot Apfelstedt am 29.11.2014