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Interviews

„Bootsfinanzierung ist kein Hexenwerk“

Torsten Moench am 07.04.2015

Die Vertriebsdirektorin der akf marinefinanz, Sandra Hein, gibt im Interview Auskunft darüber, was man bei der Finanzierung eines Bootes beachten muss

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BOOTE: Von der Finanzierungsanfrage bis zur Kredit-Genehmigung durch Ihr Unternehmen gibt es für den zukünftigen Bootseigner einige Punkte zu beachten. Wie lauten die ersten Schritte?

Sandra Hein: Zunächst einigt sich der Kunde mit dem Händler, Hersteller  oder Voreigener über die Kaufsumme des Bootes und stellt dann bei der Bank eine Finanzierungsanfrage. Dabei kann die Fi-nanzierungssumme bei bis zu 60 Prozent des Kaufpreises liegen. Es folgt die erforderliche Bonitätsprüfung des Kunden durch unser Unternehmen.

BOOTE: Welche Formalitäten hat der Kunde dabei zu erledigen?

Sandra Hein:  Zunächst benötigt die Bank vom künftigen Bootseigener eine detaillierte Objektbeschreibung des Bootes oder der Yacht zur Wertermittlung. Wichtig ist auch die Nennung des Liegeplatzes und aktuelle Fotos vom Schiff, inklusive der Angabe der Rumpfnummer.

Außerdem muss der Kunde die Original-Rechnung mit entsprechendem Mehrwertsteuernachweis und die Daten des ausliefernden Händlers oder Verkäufers vorlegen.Daraus lassen sich Name, Anschrift und Herkunftsland des Bootsherstellers, diverse Angaben zum Boot, wie Typenbezeichnung, Baujahr, Seriennummer sowie Richtlinien und Normen ermitteln.

Die objektspezifische CE-Erklärung des Herstellers stellt die Übereinstimmung des Bootes mit den jeweils maßgeblichen EU-Richtlinien sicher. Bei grenzüberschreitenden Käufen im Ausland benötigt die Bank zusätzlich die sogenannte "Bill of Sale" im Original sowie den entsprechenden Mehrwertsteuernachweis.

Zusätzlich muss eine Haftpflicht- und Vollkaskoversicherung (bei Vercharterern: Kasko- und Unterschlagungsversicherung) mit einer Deckungssumme von mindestens sechs Millionen Euro nachgewiesen werden. Bei Booten ab einer Finanzierungssumme von 100 000 Euro ist außerdem ein Eintrag in ein Schiffsregister notwendig.

Bei Finanzierung eines Gebrauchtbootes muss vom Käufer zudem ein Registerauszug oder eine Kopie des bisherigen Bootsscheins oder eine Löschung/Abmeldung vorgelegt werden.

BOOTE: Wie lange dauert es, bis die erforderlichen Formalitäten erledigt sind und das Finanzierungsangebot Ihrerseits steht?

Sandra Hein: In der Regel dauert es von der Finanzierungsanfrage bis zur Angebotserstellung rund zwei Wochen. Das Finanzierungsangebot wird in Absprache mit dem Kunden erstellt, sobald alle Formalitäten erledigt sind. Dazu werden nach Nennung des Kaufpreises und der Finanzierungsdauer die Anzahlung, Ratenhöhe und gegebenenfalls eine Schlussrate festgelegt.

Auch  wenn die Liste der Formalitäten im Vorfeld des Finanzierungsangebotes zunächst umfangreich erscheint, so ist diese notwendig, damit für Bank und Kunde ein gutes sowie sicheres Geschäft zustande kommt. Und das liegt im Interesse aller Beteiligten.

BOOTE: Worin unterscheidet sich die akf-Bank von ihren Mitbewerbern?

Sandra Hein: Wir sind eine mittelständische deutsche Unternehmerbank. Im Klartext: Wir gehören zu rund 90 % dem Familienkonzern Vorwerk und zu knapp 10 % einer Bank des Oetker-Konzerns. Diese Struktur ermöglicht uns maßgeschneiderte Finanzierungsprodukte für den Mittelstand. Dadurch agieren wir sozusagen auf Augenhöhe mit unseren Kunden.


Mit Sandra Hein sprachen Isabella Finsterwalder und Torsten Moench

Torsten Moench am 07.04.2015