Jürgen Tracht Jürgen Tracht
Interviews

„Ein ausgewogener Kompromiss“

Torsten Moench am 15.08.2012

Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft, über Chancen und Gefahren der neuen 15-PS-Führerschein-Grenze.

Jürgen Tracht

Jürgen Tracht, Geschäftsführer des Bundesverbandes Wassersportwirtschaft e.V.

BOOTE: Inwieweit ist der Bundesverband Wassersportwirtschaft (BVWW) an der Neuregelung beteiligt, wurden Sie dazu gehört?

Tracht: Der BVWW fordert bereits seit 2006 eine Ausweitung des führerscheinfreien Bereichs. Diese Forderung hat die FDP erfreulicherweise gemeinsam mit ihren Koalitionspartnern aufgegriffen. Wir waren von Beginn an an den Beratungen beteiligt.

BOOTE: Wie steht der BVWW zur 15-PS-Freigrenze?

Tracht: Sie entspricht unserem Vorschlag und wurde dann ja auch vom Bundestag beschlossen.

BOOTE: Was halten Sie von der 20-km/h-Regelung nach holländischem Vorbild?

Tracht:: Die holländische Regelung sieht eine Reihe von Ausnahmen vor und gilt nicht auf allen niederländischen Gewässern. Außerdem wollten wir speziell den Einsteigerbereich stärken, also den Bereich kleiner Boote. Dies wäre durch die holländische Regelung nicht möglich gewesen, da bereits mit 5 bis 6 PS maximale Höchstgeschwindigkeiten, beispielsweise mit einem Schlauchboot, von 20 km/h möglich sind. Neueinsteiger können wir nur gewinnen, wenn der Fahrspaß erlebbar wird. Bei 15 PS ist das der Fall.

BOOTE: Hat eine Kombination beider Grenzen aus Ihrer Sicht einen Sinn?

Tracht: Nein. Auf 70 Prozent der Wasserstraßen bestehen ohnehin Geschwindigkeitsbegrenzungen.

BOOTE: Gäbe es eine Alternative zu den bisher diskutierten Vorschlägen?

Tracht: Wir sehen keine sinnvollen Alternativen. Die 15-PSRegelung stellt – auch unter Sicherheitsaspekten – einen ausgewogenen Kompromiss dar. Sie ist außerdem sehr einfach zu kommunizieren, da es keine weiteren Randbedingungen geben soll.

BOOTE: Sehen Sie Gefahren durch die Neuregelungen?

Tracht: Wer sich im Verkehr bewegt, ist immer Gefahren ausgesetzt. Wir sind aber davon überzeugt, dass die Menschen sich verantwortungsvoll verhalten werden. Ein mit 15 PS motorisiertes kleines Sportboot erreicht, mit zwei Personen besetzt, kaum mehr als 30 km/h Geschwindigkeit. Fahrräder können schneller unterwegs sein. Wir sehen eher einen Sicherheitsgewinn, da die Manövrierfähigkeit deutlich besser ist als mit untermotorisierten 5-PS-Booten. Als Verband werden wir dafür sorgen, dass jedem Neueinsteiger Basisinformationen zum sicheren Betrieb eines Bootes zur Verfügung gestellt werden. Wir werden alle unsere Händler mit kostenlosen Informationsbroschüren für ihre Kunden ausstatten und die Broschüre auch über unsere Einsteigerwebsite www.entdecke-wassersport.de anbieten.

BOOTE: Erwarten Sie Auswirkungen für Ihre Mitgliedsbetriebe?

Tracht: Wir erwarten – und dies zeigen auch die vielen E-Mails, die uns erreichen – ein deutlich gesteigertes Interesse am Bootssport. Dies gilt auch für den Charterbereich. Zukünftig können auch Personen auf kleineren Hausbooten bundesweit ohne Führerschein den Bootssport ausprobieren. Die Erfahrungen mit der Charterscheinregelung haben uns gezeigt, dass dies ein beliebter und sicherer Einstieg in den Bootssport ist.

BOOTE: Wann wird die Führerschein-Neuregelung aus Ihrer Sicht in Kraft treten?

Tracht: Wir rechnen damit, dass die Neuregelung zum 1. September 2012 in Kraft treten kann. Dieser Zeitpunkt ist, zügiges Handeln des BMVBS vorausgesetzt, erreichbar.

Das Gespräch mit Jürgen Tracht führte Torsten Moench
 

Torsten Moench am 15.08.2012