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Interviews

Festmacher aus Getreide

Thomas Bock am 26.02.2011

Wohin geht die Reise bei den Grundstoffen in der Tauwerkindustrie? Ein Interview mit den Geschäftführern des deutschen Tauwerkherstellers Liros.

Geschäftführer der Liros GmbH

Karl-Friedrich Rosenberger (links) und Sven Rosenberger, Geschäftsführer der Liros Tauwerk GmbH.

BOOTE: Während der Ausrüstungsmesse METS in Amsterdam konnte man geflochtenes Festmachertauwerk aus Milchsäure sehen, die aus Getreide gewonnen wird. Ist das die Zukunft?

Sven Rosenberger: Die Industrie ist in fast allen Bereichen auf die Verwendung von Kunstfasern ausgelegt, und das nicht ohne Grund. Bisher funktionieren im Yachtbereich nur Kunstfaserseile zuverlässig und dauerhaft. Das gilt besonders im Hinblick auf Scheuerfestigkeit, Dehnung und Bruchlast. Allerdings macht der allgemeine Ökotrend und das gesteigerte Verlangen der Gesellschaft nach biologisch vertretbaren Produkten nicht vor der Tauwerksbranche halt. Es ist nur eine Frage der Zeit, bis weitere Seile und Taue aus nachwachsenden Rohstoffen auf den Markt kommen.

BOOTE: Welche Vorteile außer dem ökologischen Aspekt bieten denn diese Taue?

Karl-Friedrich Rosenberger: Der Umweltgedanke steht natürlich im Vordergrund, und wie Forschungsprojekte in unserem Hause zeigen, können Naturfasern durchaus brauchbare Materialeigenschaften mit sich bringen. Die müssen sich allerdings auch über einen längeren Zeitraum halten, was wir derzeit noch nicht gewährleisten können.

BOOTE: Das heißt auch aus dem Hause Liros kommt bald ein „Ökoseil“?

Karl-Friedrich Rosenberger: Das wird irgendwann bestimmt kommen. Wir arbeiten schon seit Langem an solchen Projekten. Neben den traditionellen Faserstoffen Hanf und Sisal war es die sogenannte Ramiefaser, eine Art Hanf, mit der wir viel experimentiert haben. Die Verarbeitung dieser hochwertigen Faser war allerdings sehr aufwendig, sodass wir seinerzeit schon aus reinen Kostengründen wieder auf Kunststoffe zurückgegriffen haben.

BOOTE: Hat sich an der Kostensituation heutzutage etwas geändert?

Sven Rosenberger: Nein, die Kosten für alle Rohstoffe sind über die Jahre kontinuierlich gestiegen. Aber wir konnten durch den Neubau unserer Fertigungsstätte auch die Forschungsmöglichkeiten weiter ausbauen. Hier am neuen Standort Berg haben wir wesentlich mehr Platz für Labore und Prüfmaschinen aller Art und können damit auch die nahe gelegene Hochschule für Textilwissenschaften in Münchberg noch besser einbinden.

BOOTE: Die Zukunft gehört also den Naturfasern?

Sven Rosenberger: Solange wir bei den Naturstoffen nicht die gleich guten Materialeigenschaften wie bei den Kunst­fasern erreichen, werden wir schon allein aus Sicherheitsgründen bei Liros weiterhin Kunstfasern verarbeiten. Was aber kommen wird, ist eine Art Tauwerk-Recycling-Verfahren. Der Skipper kann seine alten Festmacher beim Händler abgeben, kauft dafür neue, und die alten Tampen werden als Grundstoff für neue Taue verwendet. Das schont die Umwelt und nebenbei auch das Portemonnaie des Kunden, der vermutlich eine Art Pfandgeld für seine alten Taue oder einen Rabatt auf die neuen bekommen wird.

Das Gespräch mit Sven und Karl-Friedrich Rosenberger, den Geschäftsführern der Liros Tauwerk GmbH, führte BOOTE-Redakteur Thomas Bock.

Thomas Bock am 26.02.2011