Interview Claus-Ehlert Meyer Interview Claus-Ehlert Meyer

Interview: DBSV-Geschäftsführer Claus-Ehlert Meyer

Hamburg Boat Show?

Gernot Apfelstedt am 09.12.2017

Nach dem hanseboot-Aus sucht die Bootsbranche einen neuen Marktplatz in Norddeutschland. Wird es bald eine neue Boat Show in Hamburg geben?

Dem Donnerschlag vom 27. September – der überraschenden Bekanntgabe des hanseboot-Aus durch Veranstalter Hamburg Messe und Congress (HMC) – folgte exakt einen Monat später ein weiterer: In den Morgenstunden des 27. Oktober, dem Vortag der Eröffnung der 58. und letzten hanseboot, wurde per E-Mail eine Pressemitteilung des Deutschen Boots- und Schiffbauerverbandes (DBSV) verschickt, deren Inhalt an Brisanz kaum zu überbieten ist. 

Betreff: "DBSV plant 2018 Bootsmesse in Hamburg". Wie konkret dieses Vorhaben ist, machen schon die ersten Zeilen deutlich: "Hamburg Boat Show" lautet der Arbeitstitel der Ausstellung, die vier statt bisher neun Tage dauern, starken Eventcharakter haben und als Gastveranstaltung in der großen Messehalle B6 am Eingang Süd stattfinden soll.

Als Termin wird der 18. bis 21. Oktober 2018 ins Spiel gebracht. Parallel – vom 19. bis 21. Oktober – findet in den A-Hallen westlich der Karolinenstraße die Hamburg Motor Classics statt, die Mitte Oktober 2017 eine gelungene Premiere feierte. Synergie willkommen.

Die Pressemitteilung des Branchenverbandes – der DBSV ist nicht nur ideeller Träger, Partner und Inspirator der hanseboot gewesen, sondern 1961 auch ihr Gründer – lässt erahnen, wie seine Mitglieder auf das jähe Ende der traditionsreichen Hamburger Bootsmesse reagierten.

"Das Aus für die hanseboot hat viele Mitglieder und Unternehmen getroffen, denn für sie ist ein Marktplatz im Herbst im Norden sehr wichtig", bestätigt DBSV-Präsident Torsten Conradi.

Dort würden seit 57 Jahren jene Aufträge geschrieben, die einerseits übers Winterhalbjahr für Beschäftigung in den Betrieben sorgen, und andererseits auch zum Saisonbeginn abgearbeitet sein müssen.

"Zahlreiche Firmen sind auf uns zugekommen, die mit uns die Lücke 2018 in Hamburg schließen wollen", erklärt Henning Mittelmann, Vorstandsmitglied des DBSV.

Vor diesem klaren Bekenntnis zum Standort könne und wolle die Verbandsführung nicht die Augen verschließen. "Auch aus der Hamburger Wirtschaftsbehörde, wurde bereits Unterstützung der Initiative des DBSV für eine neue Bootsausstellung in Hamburg signalisiert", heißt es in der Pressemitteilung.

Der Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung hätte idealer nicht sein können. Zum einen machte sie rechtzeitig den Revieranspruch klar, denn aus der Gerüchteküche dufteten bereits die unterschiedlichsten Noten separater Süppchen. Auf die Atmosphäre während der letzten hanseboot (kurzer Rückblick auf Seite 12) wirkte sich die DBSV-Initiative ebenfalls positiv aus. Statt Tristesse und Schuldzuweisungen gab es plötzlich eine neue Perspektive.

Auch DBSV-Geschäftsführer Claus-Ehlert Meyer merkte man die Betroffenheit über das plötzliche Ende der hanseboot an. Es war seine 34., mit Auf- und Abbauzeiten hat er zusammengerechnet ein Jahr seines Lebens in den Hamburger Messehallen verbracht.

Doch während seiner letzten neun hanseboot-Tage registrierte er am DBSV-Gemeinschaftsstand im Erdgeschoss der Halle B2 Dankbarkeit und regelrechte Aufbruchstimmung. Sie wurde angefacht durch eines der meistgehandelten Papiere der hanseboot 2017: "Letter of Intent", zu Deutsch Absichtserklärung. Der DBSV hatte die Formulare in Umlauf gebracht, um Rückmeldungen für eine seriöse Planung zu bekommen.

Die Unterzeichner bekunden "starkes Interesse, auf der vom DBSV durchgeführten Wassersportmesse in Hamburg 2018 auszustellen" und nennen die etwa benötigten Quadratmeter Standfläche. Die Resonanz ist derart überwältigend, dass nach gegenwärtigem Stand die Halle B6 nicht ausreichen würde und die B7, vielleicht sogar die B5 noch hinzugebucht werden müssten.

Ob das Projekt "Hamburg Boat Show" als Gastveranstaltung in den ehemaligen Hallen der hanseboot realisiert werden kann, hängt entscheidend vom noch ausstehenden Angebot der Hamburg Messe und Congress ab. Denn sie betreibt die Messehallen, deren Eigentümerin die Freie und Hansestadt Hamburg ist.

Man darf gespannt sein, ob die HMC ihrem langjährigen Partner entgegenkommt oder ob sie in ihm einen Konkurrenten eigener Boat-Show-Aktivitäten in Hamburg und Neustadt in Holstein sieht.      

Gernot Apfelstedt am 09.12.2017