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Interview: Dominique Heber-Suffrin

Die Rettung von Zodiac Nautic

Ralf Marquard am 05.04.2016

Anfang 2015 kam der Schlauchboothersteller Zodiac in Not, doch seit dem Sommer ist er wieder aktiv. Wir sprachen mit dem neuen CEO Dominique Heber-Suffrin.

BOOTE: In welchem Bereich arbeiteten Sie, ehe Sie zu Zodiac kamen?

Heber-Suffrin: Über 25 Jahre habe ich industrielle Firmen in der Automobil-, Energie- und Textilbranche geleitet. Genau wie Zodiac Nautic waren diese Firmen alteingesessene Weltmarktführer mit hochentwickelter Technologie und anerkannten Markenprodukten.

BOOTE: Wie haben Sie von den Problemen bei Zodiac erfahren, und warum haben Sie sich entschlossen zu helfen?

Heber-Suffrin: Das war reiner Zufall. Im letzten April las ich in einem Flugzeug auf dem Weg nach Hamburg in einer Zeitung eine amtliche Bekanntmachung, in der die Insolvenz von Zodiac Nautic verkündet wurde. Eine kurze Notiz, aber eine große Überraschung für mich, da ich Zodiac für eine Kultmarke halte! Sofort zog ich es in Betracht, die Firma zu übernehmen und die Marke Zodiac wieder als industrielle Führungsmarke zu etablieren. Weil ich gerade meine Anteile aus der Firma verkauft hatte, die ich 10 Jahre leitete, hatte ich ausreichende finanzielle Mittel, um zu investieren. Es war der perfekte Zeitpunkt. In den folgenden drei Monaten arbeitete ich sehr intensiv an einem seriösen und realistischen Wirtschaftskonzept. Mein Konzept fand Zustimmung bei allen, von der Belegschaft bis zum Insolvenzverwalter.

BOOTE: Was fällt bei Zodiac in Ihren Verantwortungsbereich, und wann haben Sie begonnen?

Heber-Suffrin: Seit dem 2. Juli, gleich einen Tag nach der Zusage des Gerichts, habe ich bei Zodiac Nautic als Geschäftsführer und Generaldirektor angefangen.

BOOTE: Wer steckt hinter der neuen Investorengruppe?

Heber-Suffrin: Ich habe die Firma zusammen mit zwei weiteren privaten Investoren erworben. Sie sind langjährige Freunde von mir, und genau wie ich haben sie einen industriellen Hintergrund. Sie haben Interesse an anderen Bereichen, zum Beispiel an Aeronautik, Konstruktionen, industrieller Ausstattung und Bootssport (im Großyachtbereich). Sie glauben an mein Projekt und freuen sich, mich langfristig zu begleiten.

BOOTE: Was möchten Sie besser als Ihre Vorgänger machen?

Heber-Suffrin: Ich betrachte Zodiac als "Dornröschen" mit großem "Wiederauf-weck-Potenzial". Mit einem frischen Blick auf Zodiac habe ich sehr viel Zeit damit verbracht, unsere Teams und wichtige Händler der ganzen Welt zu treffen, um ihre Meinung zu hören. Ganz klar, die Leidenschaft und auch Kompetenz ist vorhanden, aber auch die Frustration bei unseren treuen Händlern ist zu spüren. Unsere oberste Priorität ist die Schaffung von Grundlagen, um künftiges Wachstum zu ermöglichen. Um das Vertrauen unserer Kunden zurückzuerlangen, kommen wir zurück auf das Wesentliche: Alle Prozesse unter Kontrolle zu bekommen, qualitativ hochwertige Produkte pünktlich zu liefern, unsere Kostenbasis zu reduzieren und Innovationen anzukurbeln. Heute, nur sieben Monate nachdem ich Zodiac übernommen habe, läuft die Firma unter voller Auslastung, produziert Schlauchboote und RIBs von 6 bis 28 Fuß an drei Produktionsstätten in Frankreich, Tunesien und in den USA. Das Forschungs- und Entwicklungsteam macht Überstunden, um unsere neuen Produkte und Entwürfe rechtzeitig auf den Markt zu bringen und aufregende neue Produkte zu entwickeln. Um es kurz zu machen: Zodiac Nautic ist wieder da!

BOOTE: Wie sieht Ihr strategischer Plan für die nächsten Jahre aus?

Heber-Suffrin: Auf den Punkt gebracht, ist unsere Zielsetzung, die einzigartige weltweite Reichweite von Zodiac zu steigern und den Markennamen zu etablieren, indem wir die größte und innovativste Auswahl an Produkten und Dienstleistungen anbieten. Die hauptstrategischen Initiativen beinhalten selektive Distributionspolitik mit der besten Unterstützung für die größten und loyalsten Händler, Festigung in Europa und Beschleunigung des Wachstums in den USA, das Internet effektiver zu nutzen, um weitere potenzielle Kunden zu erreichen, auf den Kunden zugeschnittene Boote zu bauen, um den Marktanforderungen gerecht zu werden, neue Modelle/Generationen von Zodiac Bombard and Avon auf den Markt zu bringen, Kernprodukte zu überarbeiten, sie zu vergrößern und mit innovativer Ausstattung versehen.

BOOTE: Besitzen Sie ein eigenes Boot? Wenn ja, welche Art von Bootstyp ist es?

Heber-Suffrin: Bis jetzt nicht, aber ich denke darüber nach! Meine Überlegungen gehen zu unserem Bestseller, dem RIB Pro Open 650.

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Ralf Marquard am 05.04.2016