Yacht-Pool International Yacht-Pool International

Interview: Friedrich Schöchl

Gefährliche Klauseln

Felix Wemheuer am 28.07.2016

Viele Charterverträge bergen Konfliktpotenzial, dessen sich die wenigsten Skipper bewusst sind. Yacht-Pool kontert mit dem „Charter-Fairtrag“.

Das Thema Charter steht bei Yacht-Pool - Geschäftsführer Dr. Friedrich Schöchl seit jeher hoch im Kurs, gilt er doch als Erfinder der Skipperhaftpflichtversicherung. Mit dieser Innovation als Ergänzung zur Haftpflichtversicherung des gecharterten Bootes wollte er das unkalkulierbare Risiko von Skippern minimieren, die im Urlaub eine fremde Yacht mieten und nicht wissen können, ob und wie diese Charter-Yacht tatsächlich versichert ist.

Handlungsbedarf sah Schöchl auch bei den Charterverträgen selbst, nachdem er – freilich erst im Schadenfall – von Kunden stets aufs Neue von problematischen Klauseln und Bedingungen erfuhr, die nicht nur unfair gegenüber dem Charterer, sondern mit dem AGB-Gesetz unvereinbar und daher rechtswidrig sind. Dass sich ein Kunde den Chartervertrag beziehungsweise dessen Allgemeine Geschäftsbedingungen (AGB) vorher durchliest und obendrein auch noch versteht, ist unrealistisch. 

Friedrich Schöchl

Getreu dem Refrain eines neuen Udo- Lindenberg-Songs – „Einer muss den Job ja machen, bitte keine halben Sachen" – entwickelte Schöchl bereits im Jahr 2009 einen internationalen Mustervertrag mit dem Titel „Charter-Fairtrag", der sowohl Vercharterern und Agenturen als auch Charterern in sechs Sprachen zum kostenlosen Download zur Verfügung steht: auf der Website, Rubrik Charter-Versicherungen, Bereich Service.

Dem Namen entsprechend sind im „Charter-Fairtrag" Rechte und Pflichten des Vercharterers und des Charterers unzweideutig und fair geregelt. Gerichtlicher Klärungsbedarf – besonders im Ausland in der Regel langwierig und kostspielig – soll so möglichst vermieden werden.

Auch wenn zwischenzeitlich über 30 namhafte Firmen (ebenfalls auf der Yacht-Pool-Website) den „Charter-Fairtrag" übernommen haben oder als Grundlage für ihren eigenen Vertrag nutzen, liegt angesichts der Vielzahl auch unprofessioneller Anbieter nach wie vor vieles im Argen. Wir sprachen mit Dr. Friedrich Schöchl über „toxische" Inhalte und Alternativen. 

BOOTE: Gibt es tatsächlich so viele unterschiedliche Charterverträge? 

Schöchl: In der Tat! Wir haben festgestellt, dass fast jede Agentur und jede Charterfirma ihren eigenen Vertrag hat, wobei untereinander kräftig abgeschrieben wird – also auch die problematischen Klauseln, die mitunter rechtlich überhaupt nicht haltbar sind und damit ein erhebliches Konfliktpotenzial darstellen. 

BOOTE: Wo liegen denn die Probleme bei den herkömmlichen Verträgen? 

Schöchl: Sie alle aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Deshalb nur zwei Beispiele gravierender Probleme. Das erste: „Der Charterer haftet für Schäden am Schiff über die Kaution hinaus." Unfair, weil der Charterer annimmt, dass mit der Kaution sein Sachschadenrisiko abgedeckt ist. Noch schlimmer, wenn dieser Hinweis fehlt und nicht klar dargestellt ist, dass die Haftung des Skippers mit der Kaution beschränkt ist.

Weil dann der Skipper für jeden schuldhaft verursachten Schaden, der über die Kaution hinausgeht, grundsätzlich voll haftet. Bereits leichte Fahrlässigkeit ist schuldhaft. Zweites Bei­ spiel: „Der Charterer haftet für alle Schä­den, die durch die Versicherung des Schif­fes nicht abgedeckt sind" – unfair und auch rechtlich unwirksam, weil der Charterer gar nicht wissen kann, was wie versichert ist.

Dies sind nur zwei Beispiele, die offen­ sichtlich sind. Leider gibt es in der Praxis aber auch eine Reihe von Klauseln, deren Auswirkungen ein juristisch nicht beschla­gener Skipper nicht so leicht erkennen kann, wodurch er unbewusst erhebliche Risiken eingeht, die vermeidbar sind. 

BOOTE: Der „Charter­-Fairtrag" von Yacht­ Pool enthält solche Passagen nicht. Was steht stattdessen im Wesentlichen drin? 

Schöchl: Beispielsweise garantieren Ver­charterer oder Flottenbetreiber im „Char­ter-­Fairtrag" dem Charterer, dass das Schiff mindestens mit einer Million Euro haftpflichtversichert ist – ohne Selbstbe­teiligung, pauschal gegen Personen­ und Sachschäden. Ein ganz wichtiger Punkt! Denn der Skipper haftet immer persönlich mit seinem gesamten gegenwärtigen und zukünftigen Vermögen. Auch die Kau­tionseinbehalte sind klar geregelt: dass nämlich die hinterlegte Kaution nicht für Haftpflichtschäden gilt und sie nur für Sachschäden einbehalten werden darf, die der Skipper oder die Crew schuldhaft ver­ursacht haben. An einem Blitzschlag und dem damit verbundenen Schaden an der Elektronik trifft den Skipper keine Schuld, und er haftet nach gängiger Rechtsprechung dafür auch nicht. 

BOOTE: Was empfehlen Sie Charterern? 

Schöchl: Sich den „Charter­Fairtrag" von unserer Homepage herunterzuladen und dem Vercharterer vorzuschlagen, auf dieser ausgewogenen Vertragsbasis zu buchen. 

 

Felix Wemheuer am 28.07.2016