Prof. Burkert Prof. Burkert

Interview: Manuel Georg Bunkert

Hilfe per Funk

Rainer Herzberg am 26.10.2019

Notarzt Manuel Georg Burkert vom Funkärztlichen Beratungsdienst in Cuxhaven berät bei medizinischen Notfällen an Bord

BOOTE: Herr Burkert, Sie sind der Leiter Notfallaufnahme im Stadtkrankenhaus Cuxhaven und gleichzeitig auch der Leiter des maritimen Funkärztlichen Beratungsdienstes, kurz TMAS (Telemedical Maritime Assistance Service). Sitzen Sie nun den ganzen Tag am Funkgerät?


BURKERT: Nein, so viel ist da nicht los, und das ist ja auch nicht unsere Hauptaufgabe. Wir machen das neben unserer normalen medizinischen Tätigkeit mit, denn gerade ich arbeite hauptberuflich auf der Intensivstation und in der Notfallmedizin. Im Übrigen wickeln wir den Beratungsdienst schon lange nicht mehr über Funk ab, sondern werden über das MRCC (Maritime Rescue Coordination Centre) in Bremen telefonisch oder per PC angesprochen.

BOOTE: Wie viele Beratungen etwa wickeln Sie pro Jahr ab?

BURKERT: Mehr als 1200 ganz sicher.

BOOTE: Sie sind rund um die Uhr erreichbar?

BURKERT: Ja, wir sind 24 Stunden und 356 Tage im Jahr erreichbar und wechseln uns in den Diensten ab. Die diensthabenden Ärzte sind alle im Hauptberuf Fachärzte, aber eben auch spezialisiert auf die maritime Beratung und dafür extra ausgebildet. Wir sind vom Steuerzahler finanziert und beraten in erster Linie seegehende Schiffe, die keinen Arzt an Bord haben, aber natürlich auch Sportbootfahrer und Segler, die in medizinischen Schwierigkeiten sind und dringend einer professionellen Unterstützung bedürfen. Dabei spielt die Entfernung keine Rolle, wir beraten weltweit auch am anderen Ende der Welt.

BOOTE: Wie kann ich denn nun mit Ihnen Kontakt aufnehmen, wenn ich z. B. in der Nordsee oder im Atlantik vor der brasilianischen Küste kreuze?

BURKERT: Es gibt grundsätzlich zwei Möglichkeiten. Sie schreiben uns eine E-Mail (medico@tmas-germany.de) oder rufen uns an unter der Telefonnummer +49 4721 78 15 30. Das geht dann allerdings nur über Satellit oder ein Satellitentelefon. Sollte der Notfall tatsächlich vor der brasilianischen Küste auftreten, organisieren wir die Hilfe dann vor Ort über die regional zuständigen Behörden.

BOOTE: Funktioniert das auch über Funk?

BURKERT: Ja, solange man in deutschen Küstengewässern ist, ruft man über Kanal 16 oder Kanal 70 das MRCC, und das vermittelt dann anhand der RADIO MEDICAL ADVICE FORM, einer Checkliste, die im Internet runtergeladen werden kann, den telefonischen Kontakt nach Cuxhaven. Uns direkt über einen Funkkanal anzurufen ist nicht möglich. Gibt es noch einen Handyempfang, funktioniert das auch auf diesem Weg, direkt an uns oder wahlweise über die 124 124 ans MRCC.

BOOTE: Ist die funkärztliche Beratung mit Kosten oder Gebühren verbunden?

BURKERT: Nein, die funkärztliche Beratung obliegt dem Bund und ist kostenfrei.

BOOTE: Wie helfen Sie, wenn an Bord kaum mehr als der obligatorische Verbandskasten vorhanden ist?

BURKERT: Na ja, der medizinische Rat wird schon unter Berücksichtigung der vorhandenen medizinischen Ausstattung erteilt, und da ist dann manchmal auch die Kreativität der Crew gefragt. Allerdings ist es immer ratsam, sich vor einem längeren Törn über die sinnvolle Ausstattung der Bordapotheke Informationen einzuholen, ganz besonders im Hinblick auf etwaige Vorerkrankungen, wie z. B. Diabetes oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Da sollten unbedingt die erforderlichen Medikamente mit entsprechenden Reserven an Bord sein.

BOOTE: Herr Burkert, auf welchem Weg sind Sie denn an diesen hoch spezialisierten Job geraten?

BURKERT: Ich bin 1994 zur Marine gegangen und in Rahmen meiner Offiziersausbildung auch auf der "Gorch Fock" und später auf verschiedenen Marineschiffen als Arzt gefahren, habe also schon eine sehr lange und intensive Verbindung zur See. Mein Medizinstudium habe ich in Ulm, Freiburg und Johannesburg absolviert. Als ich im August 2012 hier in Cuxhaven angefangen habe, war das bereits Teil meiner Tätigkeit, denn hier spielt nicht nur der Fachbereich Notfallmedizin, sondern auch die umfassenden Kenntnisse der Seefahrt eine nicht unbedeutende Rolle.

BOOTE: Was sollten wir Ihnen am Ende des Gesprächs noch wünschen?

BURKERT: Möglichst wenig funkärztliche Beratungen und damit weniger Notfälle …

Rainer Herzberg am 26.10.2019