Hamburg Boat Show Hamburg Boat Show

Interview

„Wir hatten keine Option“

Gernot Apfelstedt am 23.01.2020

Wir sprachen mit DBSV-Präsident Torsten Conradi über das tragische Aus der noch jungen Hamburg Boat Show

Sie war von Beginn an ein Unikat unter den deutschen Wassersportausstellungen. Die Hamburg Boat Show wurde nicht von einer Messegesellschaft veranstaltet, sondern "von der Branche für die Branche". Sie war der Versuch des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbands, nach dem jähen Aus der tradi­tionsreichen hanseboot im Jahr 2017 auf dem Gelände der Hamburg Messe und Congress (HMC) einen neuen Marktplatz im Norden zu etablieren – mithilfe des Interboot-Teams der Messe Friedrichs­hafen, die der DBSV für die Organisation und Ausrichtung engagierte.

Doch schon nach der zweiten Ausgabe ist für die Hamburg Boat Show "aus wirtschaftlichen Gründen" Schluss, bevor sie richtig aufblühen konnte. Dabei hatte sie mit 27 500 Besuchern an fünf Tagen (Vorjahr 26 800) sogar ein kleines Plus verzeichnet und war sowohl von Aussteller- wie von Besucherseite fast durchweg positiv bewertet worden.

Anlass für uns, im Interview mit DBSV- Präsident Torsten Conradi die Hintergründe der Entscheidung zu beleuchten.

BOOTE: Eine neue Bootsmesse zu etablieren ist zweifellos kein einfaches Unterfangen, erst recht wenn das Ende der Vorgängerin immer noch in zahlreichen Köpfen verankert scheint. Am Schlusstag der 2. Hamburg Boat Show hatten Sie dennoch ein "sehr positives Fazit" gezogen und für den 21. bis 25. Oktober 2020 zunächst eine dritte Ausgabe angekündigt. Am 30. November zog der DBSV auf seiner Mitgliederversammlung dann doch die Reißleine. Ist es nicht zu früh, aufzugeben?

Conradi: Es war die schwierigste Entscheidung, die wir jemals getroffen haben, und gleichzeitig die einfachste. Auf der Hamburg Boat Show herrschte eine supergute Stimmung, auf der zweiten war sie noch besser als auf der ersten. Wir hatten großen Zuspruch von den Ausstellern, die sich sehr positiv über die Qualität des Publikums äußerten und vor allem größtenteils gut verkauft haben – auch hier etliche besser als im Vorjahr.

BOOTE: Dies hört sich eher nach einer Messe mit Zukunft an als nach einem Abgesang. Was machte die Entscheidung für Sie am Ende dennoch einfach?

Conradi: Wir hatten beim Start des Messeprojektes durchaus mit Defiziten gerechnet und dafür auch einen sechsstelligen Etat zur Verfügung gestellt, der als Puffer für die ersten drei Ausgaben der Hamburg Boat Show reichen sollte. Doch der war nach der zweiten bereits weg. Wir wollten wachsen, sind aber geschrumpft. Diesmal konnten 3000 m2 Ausstellungsfläche nicht verkauft werden. Auch wenn es sehr wehtut, wir hatten schlicht keine Option, das machte es einfach.

BOOTE: Messegesellschaften können bei der Entwicklung und Etablierung neuer Events längere Durststrecken überstehen, weil sie mit anderen Veranstaltungen wie beispielsweise Fachmessen gut verdienen.

Conradi: Der DBSV hat keine weiteren Einnahmequellen. Wenn wir so weiter­gemacht hätten, wären wir insolvent ge­wesen. Abgesehen davon machte uns eine starke Wettbewerbsverzerrung durch subventionierte Wassersportmessen zu schaffen. Viele Aussteller haben sich mittlerweile an diese Preise gewöhnt. Das erschwert es, Standflächen und Service so abzurechnen, dass am Ende wenigstens eine schwarze Null bleibt.

BOOTE: Welche Rolle spielen die Kosten, die der DBSV als Veranstalter an den Vermieter der Hallen sowie an die Macher der Hamburg Boat Show zu zahlen hatte?

Conradi: Sowohl die Hamburg Messe und Congress als auch die Messe Friedrichs­hafen sind uns sehr entgegengekommen, sonst wäre das Minus noch deutlich höher ausgefallen. Wir wollten alle drei, dass der Aufbau der Hamburg Boat Show gelingt.

BOOTE: Es hat offenbar nicht gereicht. Ist das Thema Bootsmesse im Hamburg damit endgültig passé?

Conradi: Auch wenn der DBSV die Hamburg Boat Show aus den genannten Gründen so nicht fortführen kann, wollen wir nicht kampflos aufgeben. Auf unserer Mitgliederversammlung hat sich bereits ein Ausschuss gebildet, der Alternativen prüfen soll. Es gibt eine Reihe von Ideen. Was möglich ist, wird sich zeigen.
 

Gernot Apfelstedt am 23.01.2020
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