Bodo Günther Bodo Günther

Interview

Eine Legende

Rainer Herzberg am 28.02.2020

Die erste Adresse für Yachtausrüstung und professionelle Beratung im Rhein-Main Gebiet. Bodo Günther betreibt sein Geschäft seit 45 Jahren.

BOOTE: Herr Günther, Sie sind eine Institution! Wer im Rhein-Main Gebiet einen schwimmfähigen Untersatz besitzt, kennt Ihren Laden und fast immer auch Sie persönlich. Nichts hat sich bis heute verändert seit Sie Ihr Geschäft in Wiesbaden vor 45 Jahren mit dem Bootszubehör gegründet haben. Ihr Sortiment ist enorm! Haben Sie denn im Kopf, wo alles zu finden ist?

GÜNTHER: Ja schon, wir haben über 250.000 Artikel am Lager und in den meisten Fällen finde ich die Teile auf Anhieb. Allerdings - neulich habe ich mal einen ganz speziellen Wantenspanner gesucht, und es hat mich doch einigermaßen betrübt, dass ich den extra bestellen musste (lacht).

BOOTE: Die großen Ausrüster sind ja in der Grundausstattung auch nicht schlecht sortiert, und eine Anzahl geschulter Mitarbeiter beraten auf ihren Fachgebieten die Kunden auch ganz ordentlich. Bei Ihnen handelt sich ja aber eher um eine One-Man-Show, und es ist immer wieder beeindruckend, dass es eigentlich keinen Fachbereich gibt, auf dem Sie nicht zu Hause sind. Technik, Materialien, Zubehör, zu jedem Thema gibt´s eine umfassende Beratung. Woher stammen Ihre Kenntnisse? Haben Sie Bootsbau gelernt?

GÜNTHER: Überhaupt nicht. Ich habe in Frankfurt in einem völlig anderen Gewerbe gearbeitet, hatte aber hier am Rhein ein Segelboot, eine Shark, für die ich ein paar Teile brauchte. In der Folge kamen andere Skipper zu mir und fragten, wo es denn dieses Equipment gäbe. Ich habe die Teile besorgt, und dann ist das Ganze förmlich explodiert. Innerhalb eines Jahres habe ich 300 Prozent Umsatz gemacht, und nach dem dritten Jahr waren es bereits 500 Prozent. Der Bedarf war enorm. Das gefiel mir. Ich bin durchgestartet und habe das Geschäft immer weiter aufgestockt. Heute noch habe ich Teile aus der Gründungszeit. Wenn einer eine dreißig Jahre alte Klodichtung braucht, habe ich die noch am Lager. Und das Schöne ist, ich weiß genau, in welchem Regal die vor sich hinträumt.

BOOTE: Sie haben sich stets davor gescheut, sich trotz immer größerer Umsätze hier einen Glaspalast hinzustellen und sind in den Räumen geblieben, in denen Sie vor 45 Jahren gestartet sind. Gab´s niemals die Überlegung das Geschäft zu modernisieren und zu erweitern?

GÜNTHER: Ja doch, wir hatten vor 12 Jahren mal ein großes Gebäude unten am Schiersteiner Hafen geplant, aber es wurde geplant und geplant und die Stadt hat auch noch Schwierigkeiten gemacht. Am Ende habe ich alles mit der Begründung abgesagt: "Bis ihr fertig seid, bin ich 102 und da bleibe ich jetzt lieber wo ich bin."

BOOTE: Es ist schön, dass alles so geblieben ist, denn als alter Kunde mag man eigentlich auch keine Veränderungen.

GÜNTHER: Ja, das ist richtig. Man sollte bescheiden bleiben und mit dem zufrieden sein, was man hat. Den Kunden interessiert ja im Grunde auch nur eins - werde ich korrekt bedient.

BOOTE: Sie haben mal mit Booten gehandelt, ist das heute auch noch ein Teilbereich ihres Geschäfts?

GÜNTHER: Ja, aber wir verkaufen nur noch die Shark 24, die wir ja schon immer angeboten haben. Allerdings wird das Schiff heute nahezu komplett in Polen gefertigt. Mit hohem Qualitätsstandard im Übrigen. Sie verkauft sich immer noch blendend und es gibt viele Anfragen und Interessenten.

BOOTE: Herr Günther, Sie sind in einem Alter, wo andere längst ihren wohlverdienten Ruhestand genießen, aber wenn man Ihr Geschäft betritt, wuseln Sie hier immer noch rum und sind rund um die Uhr präsent. Relaxen ist nicht ihr Ding, oder?

GÜNTHER: Nö, ich habe mein Geschäft zwar vor 16 Jahren an meinen Sohn vermacht und darf seitdem als Leihsklave hier arbeiten, und zwar mindestens 10 Stunden am Tag oder 60 Stunden in der Woche. Es ist aber keine Last für mich, es macht mir immer noch gewaltigen Spaß.

BOOTE: …und das mit 82 Jahren!

GÜNTHER: Da reden wir nicht von… (lacht).

Diesen Artikel finden Sie in der März-Ausgabe von BOOTE. Hier erhältlich!

Rainer Herzberg am 28.02.2020
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