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Interviews

System mit geringer Fehlerrate

Christian Tiedt am 13.03.2011

INTERVIEW: Ralf-Dieter Preuß vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie über Vor- und Nachteile des automatischen Identifikationssystems AIS.

AIS-Interview

Ralf Dieter Preuß vom Bundesamt für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg.

BOOTE: Bei seiner Einführung war AIS nicht unumstritten. Hat sich das System bewährt?

Preuß: Eindeutig ja. AIS ist überraschend schnell angenommen worden, das gilt meiner Meinung nach sowohl für die Berufs- als auch für die Sportschifffahrt. Das System zählt heute zur meistgenutzten Navigationshilfe an Bord. In einigen Fällen müssen wir sogar feststellen, dass die klassischen Hilfsmittel, wie zum Beispiel Radar, in den Hintergrund rücken. Eine Tendenz, die wir allerdings mit Sorge beobachten.

BOOTE: Woran liegt das?

Preuß: Wir führen das auf die hohe Verfügbarkeit und den einfachen Umgang mit dem digitalen System zurück. Im Gegensatz zum Radar, wo viel Übung und Routine nötig ist, um die Bilder auf dem Bildschirm richtig zu deuten, wird bei AIS Klartext gesprochen. Ohne viele Voreinstellungen und Warmlaufphasen kommen die Positionsdaten anderer Schiffe auf den Bildschirm des Plotters. Damit ist man immerhin schon über die reine Anwesenheit anderer Fahrzeuge informiert. Weitere schiffsspezifische Details, zum Beispiel über das Woher und Wohin, liegen nur einen einfachen Tastendruck entfernt. Damit hat man zumindest die großen
Pötte über 300 Tonnen erfasst.

AIS-Interview

AIS im Einsatz: Am Empfang des BSH in der Bernhard-Nocht-Straße steht ein Rechner, der die aktuellen AIS-Signale im Hamburger Hafen anzeigt.

BOOTE: Gelten denn die Vorteile auch für das Sportschifffahrts-AIS Class B?

Preuß: Natürlich werden auch diese Signale auf dem Monitor des Kartenplotters angezeigt. Ob nun jedes Sportboot einen solchen Sender benötigt, ist allerdings fraglich. Für seegehende Yachten kann ein Class-B- Sender sehr hilfreich sein. Besonders wenn unhandiges Wetter auftritt, ist man für die Berufsschifffahrt viel besser sichtbar. Wo allerdings Sportboote in Massen auftreten, wie es zum Beispiel auf der Elbe oder der Kieler Förde vorkommen kann, ist der Nutzwert eines Class-B-Senders stark eingeschränkt, weil einfach zu viele Daten, für jedes Boot quasi, übertragen werden. Dann ist der Bildschirm schnell zu, und niemandem ist damit geholfen.

BOOTE: Wie hoch ist denn die Verfügbarkeit von AIS?

Preuß: Wir beobachten ständig die AIS-Aussendungen der Schiffe im Hamburger Hafen und müssen im Jahresmittel eine Fehlerrate von 2 bis 3 % feststellen. Wobei es sich nicht um Komplettausfälle handelt, sondern um bordseitige Bedienfehler und Installationsmängel. Das heißt, Reisedaten sind fehlerhaft eingegeben, die Korrektur der Antennenposition ist nur ungenügend oder gar nicht erfolgt oder das interne GPS-Gerät des AIS-Senders arbeitet nicht fehlerfrei. Wie dem auch sei, das Signal an sich wird trotzdem ausgesendet, auch wenn solche Probleme auftreten. Damit ist das Schiff zumindest für andere elektronisch sichtbar. Anzumerken ist, dass die von AIS übertragenen Positionen so gut wie nie fehlerhaft sind.

BOOTE: Was kann man als Sportbootfahrer tun, um den Empfang von AIS-Signalen noch zu verbessern?

Preuß: Ich rate allen Nutzern, eine separate Antenne zu montieren. Es gibt zwar Splitter, womit sich die bordeigene UKW-Antenne sowohl für den Sprechfunk als auch für das AIS nutzen lässt, doch diese Geräte dämpfen funktionsbedingt die AIS-Signale und vermindern damit die Empfangsreichweite und die Signalqualität. Das gilt natürlich auch für die an den Splitter gekoppelte Funkanlage.

Das Gespräch führte BOOTE-Redakteur Thomas Bock. 

Christian Tiedt am 13.03.2011