Axel Schmidt Axel Schmidt

Interview: Axel Schmidt

Der CE-Botschafter

Gernot Apfelstedt am 05.01.2018

Fast 20 Jahre hat Axel Schmidt die Umsetzung der europäischen Sportbootrichtlinie aktiv begleitet. Nun übergibt er das Ruder

Ein Mann mit Multitasking-Fähigkeiten. Als "Beauftragter des Bundesrates in Beratungsgremien der Europäischen Union" schrieb er an der neuen Sportbootrichtlinie mit, deren Anforderungen bekanntlich alle Boote zu erfüllen haben, die in der EU in Verkehr gebracht werden – was durch das CE-Zeichen auf der Herstellerplakette erkennbar und in einer Konformitätserklärung dokumentiert sein muss.

Über deren Umsetzung tauschte er sich bei Treffen der obersten Vollzugsorgane der Mitgliedsländer aus. Selbiges pflegte er mit seinen Gewerbeaufsichtskollegen der deutschen Bundesländer zu tun. Er ist Referent für den technischen Arbeitsschutz in der Abteilung für Ministerial- und Rechtsangelegenheiten im Amt für Arbeitsschutz der Freien und Hansestadt Hamburg und auch zuständig für die Einhaltung der durch das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz in nationales Recht umgesetzten Sportbootrichtlinie.

Die Rede ist von Axel Schmidt, diplomierter Elektro- und Wirtschaftsingenieur, der im Jahr 1989 als Sachverständiger für Explosionsschutz in der Technischen Aufsicht ("staatlicher TÜV") im Amt für Arbeitsschutz begann. 1994 wechselte er in die Rechts- und Ministerialabteilung. Nun befindet sich seine berufliche Laufbahn auf der Zielgeraden. Anfang 2019 ist Schicht für Schmidt. Seine Koordinationsaufgaben auf EU- und Bundesebene gab er bereits zum 31. Dezember 2017 ab. Anlass für uns, mit dem passionierten Segler über seine Erfahrungen als CE-Botschafter und Marktaufseher zu sprechen.

BOOTE: Auf den ersten Blick hat Arbeitsschutz – Ihr eigentliches Ressort – nichts mit dem Inverkehrbringen von Sportbooten zu tun. Wie kamen Boote dennoch zu Ihrem Aufgabengebiet?

Schmidt: Wie die Jungfrau zum Kind. Soweit ich mich erinnere informierte im Januar 1998, ein halbes Jahr vor Ablauf der Übergangsfrist der damaligen Richtlinie 94/25/EG, das für die Schifffahrt zuständige Bundesverkehrsministerium während der boot Düsseldorf die Arbeitsschutzkollegen der Bundesländer darüber, dass es eine sogenannte Sportbootrichtlinie gibt, für deren Umsetzung und Vollzug wiederum die Länder zuständig seien. Denn sie richtet sich an Verbraucherprodukte. Insgesamt standen seinerzeit gut zehn EU-Richtlinien zur Umsetzung durch das Geräte- und Produktsicherheitsgesetz an. Hamburg hat einen Hafen und Schiffe – wer, wenn nicht Hamburg, übernimmt die Sportbootrichtlinie, hieß es damals. So wurde es beschlossen und ich schließlich im Februar 2000 offiziell zum Beauftragten des Bundesrates für die Beratungsgremien der EU benannt.

BOOTE: Ein neues Revier für Sie, auch wenn Sie damit Ihr Hobby ein Stück weit in den Beruf integrieren konnten?

Schmidt: Keine Frage. Doch am Messestand des Deutschen Boots- und Schiffbauer-Verbandes traf ich kompetente und erfahrene Starthelfer. Wolfgang Scheel, damals Leiter der "benannten Stelle für die Sportbootdirektive" Lloyd’s Register Quality Assurance GmbH, der Sachverständige Dr. Helmut Risch und Claus-Ehlert Meyer, Geschäftsführer des DBSV, haben mich anfangs bei der Hand genommen und in der Bootsbranche bekannt gemacht.

BOOTE: Wie reagierten die Hersteller und Händler auf den neuen Kontrolleur am Markt?

Schmidt: Zunächst weniger kooperativ. Heute freuen sich viele, wenn sie mich auf der Messe sehen – "Auch wieder da!" – und wollen mir zeigen, was sich seit dem letzten Gespräch alles verbessert hat. Beispielsweise geänderte Tanks bei amerikanischen Herstellern, die nun in der Regel den europäischen Normen entsprechen und dies auch mit dem geforderten Explosionsschutzzertifikat belegen können. Bei dem einen oder anderen Importeur hatte ich das Gefühl, dass er gar nicht unglücklich über meine Mängelliste und das ausgesprochene Verkaufsverbot war, weil er dadurch von der Werft die Erlaubnis für Veränderungen erhielt.

BOOTE: Wenden Sie stets Zwangsmittel an, wenn ein Boot nicht den Anforderungen der Sportbootrichtlinie entspricht?

Schmidt: Nein, freiwillige Maßnahmen gehen vor. "Überzeugen statt Anordnen" lautet meine Philosophie. Es geht um sichere Produkte, nicht um Bestrafung. Und eine freiwillige Nachrüstung in einem verhandelbaren Zeitrahmen begreift das Gros der Hersteller und Importeure als Chance.

BOOTE: Wo lagen und liegen die wunden Punkte?

Schmidt: Bei Gasinstallationen beispielsweise fehlte das Manometer am Druckminderer, bei kardanisch aufgehängten Herden diente in Ermangelung eines Stoppers der flexible Gasschlauch als Puffer zur Bordwand. Aufgefallen sind mir außerdem fehlende Absperrhähne bei Dieselrücklaufleitungen, zu geringer Abstand des Kraftstofftanks zu heißen Oberflächen, Dämmstoffe im Motorraum ohne den Nachweis "nicht brennbar" sowie fehlende Batteriekapselung. Früher massenhaft beanstandet, heute punktuell.

BOOTE: Sind die Boote in den zurückliegenden zwei Jahrzehnten also besser geworden?

Schmidt: Letzteres auf jeden Fall, auch wenn es sich beim CE-Zeichen um kein Qualitätssiegel, sondern um einheitliche Sicherheitsstandards und Mindestanforderungen handelt. Nach meiner Beobachtung waren Serienboote früher komfortabler ausgestattet. Heute liegen günstige Einstiegsmodelle in Modulbauweise augenscheinlich im Trend. Der Preisdruck scheint enorm zu sein. 

Gernot Apfelstedt am 05.01.2018