Gert Steinheimer Gert Steinheimer

Porträt: Gert Steinheimer

Drehbuchautor, Regisseur, Skipper

Ingrid Bardenheuer am 19.06.2016

Beruflich „schlägt sein Herz für die schwarze Komödie“, privat für den Wassersport und für „seinen“ Verein, den 1. Motor Boot Club Speyer.

Und es verdunkelten sich Himmel und Erde zugleich. Eilig flogen die Fahnen in Rekordzeit den Mast empor, die Glocke erklang, und alle Skipper stürmten in Schwerwetterkleidung auf ihre Boote. Die Rundfahrt durch das
bleigraue Reffenthal nahm ihren Verlauf. So hört es sich an, wenn ein waschechter Drehbuchautor das Antuckern seines Clubs bei Schietwetter beschreibt.

Die Geschichte endet bei gutem Essen und kühlen Getränken, von Mord oder ähnlichen Abgründen keine Spur.

Ganz anders die Plots, die Gert Steinheimer sonst entwirft, neben seiner Presse-Tätigkeit für den 1. MBC Speyer. Romanzen sind es keine, dafür fehle ihm jedes Talent, meint er. Sein Ding sind Komödien, die richtig schwarzen. Storys, die einem das Lachen gefrieren lassen. Zahllose Filmfiguren hat der Mann mit dem schelmischen Blick schon erfolgreich unter die Erde gebracht. Und das vor einem Millionenpublikum.

Gert Steinheimer, Jahrgang 1944, wird in einem Dorf im Schwarzwald geboren, verbringt Kindheit und Jugend in Mannheim.

Nach dem Gymnasium beginnt er eine Ausbildung als Starkstromelektriker. Später geht er als Beleuchtungstechniker zum Nationaltheater Mannheim, legt die staatliche Prüfung als Beleuchtungsmeister ab. Irgendwann passiert es dann: Der Funke springt über, Gert Steinheimer will selber schreiben und inszenieren. Seine ersten Stücke werden in Regensburg, Göttingen und Braunschweig uraufgeführt.

Ende der siebziger Jahre wechselt er endgültig die Seiten und wird Regieassistent. Bald holt ihn ein guter Freund zum ZDF. Als Freier Autor und Regisseur liefert er bis 1985 über 150 Kurzfilme, Satiren, Glossen und Dokumentationen fürs "Zweite" ab. Und es erwischt ihn ein weiteres Mal: Gert Steinheimer entdeckt seine Leidenschaft zum abendfüllenden Film.

Gleich sein Debüt bringt den Durchbruch. "Zweikampf" (Buch/Regie, 1986, SWF) ist eine Schwarze Komödie um einen Rentner, der alles eliminiert, was seine Ruhe stört.

Gert Steinheimer gewinnt mit dem Streifen die "Silberne Nymphe" für das beste Europäische Drehbuch 1988 beim 28. Internationalen Festival von Monte Carlo. Er dreht den Sechsteiler "Atlantis darf nicht untergehn" (Buch/Regie, 1989, SWF) und holt im gleichen Jahr den Grimme-Preis. Fast zehn Millionen Zuschauer sahen "Liebe, Tod und Eisenbahn" (Buch/Regie, 1990, ZDF), die bitterböse Geschichte um einen modellbahnbesessenen Ehemann, dessen verdrossene Gattin finale Genugtuung sucht.

Und so folgt Film auf Film, bis heute. Die Liste der Darsteller liest sich wie das Who’s Who der deutschen Schauspielbranche: Heiner Lauterbach, Jutta Speidel, Ulrike Kriener, Hans-Peter Korff, Christian Quadflieg und viele andere, auch der unvergessene Ulrich Mühe. Bekannte TV-Serien tragen die Handschrift von Gert Steinheimer, der Klassiker "Großstadtrevier" etwa, für den er bislang rund 20 Drehbücher verfasste.

Woher kommt sein Erfolg? Gert Steinheimer beherrscht die seltene Kunst, sehr genau zuschauen und gut hinhören zu können.

Und so gelingt es ihm, aus diesen und jenen Vorfällen des Lebens zündende Filmstoffe zu machen. Eigentlich wären doch jetzt endlich mal wir Bootsleute dran, schließlich haben wir auch so unsere Dramen. Gert Steinheimer, Eigner einer 62 PS starken Aquanaut 950 von 1972, schüttelt bedauernd den Kopf. "So sehr ich von Kindheit an das Wasser liebe, so wenig ist es mir gelungen, ein Drehbuch mit diesem Thema zu ‚verkaufen’", erzählt er, "Filme auf kleinen Yachten sind extrem aufwendig und damit sehr teuer." Schade, sehr schade sogar.

Ingrid Bardenheuer am 19.06.2016