Henk de Boer Henk de Boer

Porträt: Henk de Boer

Der 10000-Teile-Mann

Rainer Herzberg am 29.03.2016

Gut sortiert! De Boers Nauticshop lässt die Wünsche und Träume von Bootsleuten wahr werden – zumindest, wenn es um Zubehör geht.

Henk de Boer vom Nauticshop.nl. in Bakhuizen in Friesland weiß ganz genau, wie viel Quadratmeter seine Halle hat, aber er weiß nicht so ganz genau, wie viele Artikel dort gelagert sind. "So um die 10 000 bestimmt, eher aber wohl mehr." Was er nicht in seinem 700 qm großen Lager hat, braucht man nicht, und falls doch, beschafft er es. Ein wahres Skipperwunderland! Nahezu 20 % seiner Waren bezieht Henk de Boer aus deutscher Produktion, und gut 60 % seiner Kunden stammen ebenfalls aus Deutschland.

Gerade in Friesland gibt es überdurchschnittlich viele deutsche Schiffseigner, und wohl kaum einer von ihnen hat nicht schon vom Nauticshop.nl gehört oder ist dort selbst Kunde. Jeder Bootseigner kennt das Problem. Man sucht ein bestimmtes oder ausgefallenes Ersatzteil und bekommt es weder über das Internet noch direkt im Zubehörhandel. So werden beispielsweise aus einem Katalog umschaltbare Deckenleuchten mit roten und weißen Birnen verkauft.

Geht die rote kaputt, kann diese nicht nachbestellt werden. Man möge rote Farbe kaufen, so die Empfehlung des Versandhandels.

Bei Henk de Boer gibt es die selbstverständlich, ebenso wie das Ersatzventil für einen Fender. Funktioniert das nicht mehr, landet der Fender üblicherweise auf dem Müll. Die kleinen Dinge sind es, nach denen sich der Skipper oft genug auf die lange Suche macht, ohne fündig zu werden, und manchmal eben auch die ganz banalen. Verschleißteile meistens, Materialien für Refits oder Reparaturen.

Da sind Fensterdichtungen in allen Profilen am Lager, ausgefallene Rohrleitungen, Luken in jedem Format, Schrauben und Muttern in nahezu allen Größen und Längen oder elektrisches Zubehör für jeden Bedarf. Wer immer ein spezielles technisches Problem an Bord lösen muss, wird hier fündig. Wunderbar stöbern lässt es sich auch in den Kisten mit Gebrauchtteilen.

Unsortiert wird hier abgelegt, was andere nicht mehr verwenden oder übrig haben, und so manch einer stößt auf genau das Teil, das ihm schon so lange fehlt.

Die Damen der Skipper geraten ins Schwärmen, wenn sie oben im ersten Stock die Geschenkabteilung betreten. Hier gibt es jeden erdenklichen maritimen Schnickschnack zu besichtigen, und so mancher Eigner schickt seine bessere Hälfte listigerweise gleich nach oben, damit sie beschäftigt ist und er sich in Ruhe durch die Regale arbeiten kann. Und die muss man gesehen haben! Sie sind nicht nur grundsätzlich überfüllt, nein, noch in den Gängen dazwischen ist abgelegt, was nicht mehr einzusortieren ist.

Ein bisschen Chaos herrscht auf den ersten Blick, wenn man die große Halle betritt, aber das Chaos hat dennoch System, denn es ist schon alles nach Sektionen aufgeteilt.

Man kann sich ganz wunderbar in dem entsprechenden Fachbereich durcharbeiten und nach den Dingen auf die Suche machen, die man so dringend braucht und sonst bisher nirgendwo gefunden hat. Ein wenig Flohmarktatmosphäre halt, aber extrem gut sortiert und reichhaltig.

Als Henk de Boer 2000 seinen ersten Shop eröffnete, standen ihm gerade mal sechs Quadratmeter zur Verfügung.

Da er in dieser Zeit nicht nur verkauft, sondern die Skipper auch fachlich umfassend beraten hat, sprach sich das schnell herum, und er wurde bekannt in Friesland als ein Mann für alle Fälle. Dabei ist ihm seine Erfahrung als jahrelanger Mitarbeiter auf einer holländischen Werft natürlich zugute gekommen. Die gibt er auch gern weiter, und so manch ratloser Eigner hat bei ihm eine praktikable Lösung für seine Probleme gefunden.

Heute macht immer noch die Beratung einen großen Teil seines Erfolges aus, und der Besuch auf Messen und der zusätzliche Verkauf über das Internet haben diesen noch beschleunigt. Es lohnt sich auf jeden Fall, bei ihm vorbeizuschauen, und sei es nur auf einen kleinen Schnack unter Fachleuten. Den Kaffee gibt es gratis dazu. Das gehört zur holländischen Gastfreundschaft!

Rainer Herzberg am 29.03.2016