Jonas Kelle Jonas Kelle

Porträt: Jonas Kelle

Weltmeister, Coach, Jugendleiter

Ingrid Bardenheuer am 19.08.2016

Die Lokalpresse wählte eine große Vokabel für ihn: Dominator. Das war 2014, als Jonas Kelle bei den Formula Future Welt- und Europameisterschaften in Duisburg gleich mehrere erste Plätze holte.

Für den damals 18-Jährigen war es der letzte Start auf internationalem Parkett, denn beide Schlauchbootserien enden mit Klasse 5 (16 bis 18 Jahre). Mittlerweile begleitet Jonas Kelle den deutschen Nationalkader als Co-Trainer, wie gerade erst zur Formula Future WM im Juli in Aluksne/Lettland.

Beim Landesverband Nordrhein-Westfalen des Deutschen Motoryachtverbandes engagiert er sich als Jugendleiter, der DMYV berief ihn 2015 in sein Referat Leistungssport.

Daneben mischt Jonas Kelle nach wie vor bei nationalen Schlauchbootwettbewerben mit, die hierzulande bis Klasse 7 (22 bis 27 Jahre) ausgeschrieben sind. Und er paukt Paragrafen – viertes Semester Jura an der Ruhr-Universität Bochum. 

„Vielleicht fangen wir damit an, wie ich da reingerutscht bin", schlägt der inzwischen 20-Jährige vor und lächelt.

Mit „da" meint er das Schlauchbootfahren, und während er von früher erzählt, fallen immer wieder zwei Worte: „Mein Opa …" Ihm hat er seine Bootsbegeisterung zu verdanken. Walter Sprenger, der Großvater, war Binnenschiffer. Nach seiner Pensionierung legt er ein Sportboot zum Automobil- und Motorbootclub Castrop- Rauxel und verbringt fortan jede freie Minute darauf.

Klein Jonas, geboren in Recklinghausen, ist wenige Monate alt, als ihn die Eltern zum ersten Mal mit auf Opas Boot nehmen. Ein Familienvideo hat die Spritztour über den Kanal festgehalten. „War ganz süß", grinst Jonas Kelle. Als er acht Jahre ist, 2004, geht es dann los mit dem Schlauchbootsport. 2009 schafft es Jonas Kelle ins Nationalteam. Mehr noch: Beim anschließenden Championat in St. Petersburg/Russland siegt er sowohl im Manövering als auch beim Slalom und wird Gesamtweltmeister in der Klasse 3 (12 bis 13 Jahre).

Im "Pott" sind sie natürlich aus dem Häuschen. „Vor allem der Opa", erinnert sich Jonas Kelle, „der war total stolz!" Weitere Meisterschaften und Titel folgen. 

Nun konzentriert sich Jonas also aufs Trainerdasein. Auch weil man ihn gefragt hat, nach dem Motto:

„Du bist doch Weltmeister – zeig mal, wie das geht …"

Seine Turniererfahrungen helfen ihm dabei – und das, was ihm der langjährige Coach der Deutschen Motorbootjugend, Andreas Severin, vermittelt hat. Dessen Konzept beeindruckte Jonas schon bei seinem ersten Kadertraining 2009. „Seitdem bin ich, meine ich, ein ganz anderer Fahrer geworden. Das war schon echt ein einschneidendes Erlebnis."

Jetzt setzt Kelle bei „seinen" Kids um, was ihn selbst weit voran brachte: intensives Bootstraining, Ausgleichssport, Konzentrationsaufgaben, Teambildung. Einen Draht zu Jüngeren hat er ohnehin. Ältester von drei Jungs daheim zu sein, das übt natürlich. 

Jonas Kelle interessiert sich für alles, was einen Motor und ein Lenkrad hat, klar. Seit er nebenher im Ruhrfestspielhaus Recklinghausen arbeitet, als Aushilfe für dies und das, fasziniert ihn noch etwas anderes: der ganze Kosmos einer Bühne. Kann er sich vorstellen, zum Theater zu gehen? „Vielleicht, ja", antwortet er, „schau’n wir mal."

Dieses „Schau’n wir mal" sagt er häufiger. Es signalisiert keine Unschlüssigkeit, sondern die Bereitschaft, dem Neuen eine Chance zu geben. Davon lässt sich Jonas Kelle ebenso leiten wie von der Maxime, die er von zu Hause mitgenommen hat:

„Nichts ist ein Hexenwerk. Wenn man sich ein bisschen einarbeitet, konzentriert und Mühe gibt, dann kann man eigentlich alles machen. Alles, was man so möchte." 

 

 

Ingrid Bardenheuer am 19.08.2016