Thomas Stasch Thomas Stasch

Porträt: Thomas Stasch

Seenotretter für einen Tag

Ingrid Bardenheuer am 21.03.2016

Beim ersten Anlauf klappte es nicht, beim zweiten – viele Jahre später – dann doch: Wie ein Kindheitstraum in Erfüllung ging.

Ist er es oder nicht? Thomas Stasch, der Gewinner des DGzRS-Wettbewerbs "Werde Seenotretter für einen Tag", ist von seinen "echten" Kollegen am Stand der Deutschen Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger auf der boot Düsseldorf kaum zu unterscheiden: frischer Teint, Sportler-Statur, die gleiche Kluft – signalrote Hose, weißes Shirt mit Seenotretter-Aufdruck. "Schauen Sie mal", sagt Thomas Stasch und dreht sich um.

Auf seinem Hemd prangen lauter Autogramme. Die Namenszüge von DGzRS-Mitarbeitern, die ihn begleiteten, als er im August letzten Jahres in Laboe auf dem Seenotrettungskreuzer "Berlin" anheuern durfte.

IT-Spezialist Stasch, Jahrgang 1971, ist Segler. Extremsituationen auf dem Wasser hat der Siegburger schon einige erlebt. Aber das ist es nicht, was ihn zur DGzRS zieht. Angefangen hat es, als Stasch noch ein Knirps war. Um 1980 macht er mit seinen Eltern Ferien an der Nordsee und bekommt das Buch "Retter ohne Ruhm" in die Hände. Gleich vor Ort liest er es, nein: Er verschlingt es.

Stasch pflastert alsbald die Wände seines Kinderzimmers mit Bildern der DGzRS. Kein Starschnitt? "Nein. Immer nur Seenotrettungskreuzer."

In den 1990ern schreibt seine Mutter an die Macher der Rudi-Carell-Show "Lass Dich überraschen". Ob man ihrem Sohn vielleicht einen Tag auf einem Seenotrettungskreuzer ermöglichen könne. Es war wohl auch ein Akt elterlicher Verzweiflung. "Ich bin ihnen halt jahrelang damit auf den Zeiger gegangen", gesteht Thomas Stasch. Leider klappt es nicht mit Rudi Carell. Aber jetzt bei der DGzRS. Fürs Online-Voting zum Wettbewerb "Werde Seenotretter für einen Tag" beginnt er "Gott und die Welt zu nerven" und schafft es tatsächlich in die Liga der Erstplatzierten. 

Als unter diesen der Gewinner ausgelost wird, sitzt Thomas Stasch vor der DGzRS-Website und klickt immer wieder auf "Reload". Irgendwann heißt es, der Sieger sei gezogen. Doch Staschs Telefon schweigt.

Nachmittags hat er ein Meeting, sein Handy steht auf "Vibrieren". "Auf einmal fing es an, vor mir zu rappeln. Und ich sah nur eine Bremer Nummer." Volltreffer. Stasch ist "Seenotretter für einen Tag". Das Wochenende startet mit einer theoretischen Einweisung am Freitag. Anderntags geht es zum Überleben-auf-See-Training ins OffTEC-Ausbildungszentrum nach Enge-Sande.

Der Vormittag gestaltet sich noch einigermaßen entspannt. Stasch trägt Überlebensanzug und Automatikweste, übt das richtige Verhalten in der Gruppe, erklimmt eine Rettungsinsel und überwindet sich – trotz Höhenangst springt er in voller Montur vom 5-m-Brett. Und er lernt: Das, was sie hier tun, funktioniert nur im Team. Er spürt den Zusammenhalt bei den Seenotrettern und ist beeindruckt.

Nachmittags drehen sie in der Halle das Licht aus. Sturmgeräusche werden eingespielt und schlucken fortan jedes Wort. Die Wellenhöhe wird auf über 2 m gestellt, Windgeneratoren und Nebelmaschinen springen an.

Stasch muss die Übungen vom Vormittag noch einmal bewältigen. Er ist keiner, der groß Sport macht. Doch er hält mit. "Aber danach wusste ich auch, wo der Hammer hängt. So einen Muskelkater wie da hatte ich noch nie in meinem Leben." Später, auf der DGzRS-Station Laboe, erlebt er gleich einen Einsatz mit. Sonntags darf er ans Ruder von Tochterboot "Steppke", das er eigenhändig zurück in die Heckwanne der "Berlin" steuert.

2016 plant die DGzRS wieder einen Wettbewerb "Werde Seenotretter für einen Tag". Und Thomas Stasch? Er unterstützt die DGzRS  nun als ehrenamtlicher Mitarbeiter, wie hier auf der Messe.

"Mal schauen, was sich da noch so entwickelt", meint er. Klingt nicht so, als habe er genug von den Seenotrettern. 

Ingrid Bardenheuer am 21.03.2016