1987: „Asmus Bremer“ tritt den Dienst anFoto: DGzRS

Motorboote1987: „Asmus Bremer“ tritt den Dienst an

DGZRS 

2.5.2012, Lesezeit: 4 Minuten

Vor 25 Jahren ging bei der DGzRS das erste Rettungsboot der damals völlig neu entwickelten 8,5-m-Klasse in Dienst. Jetzt zog der Veteran ins Museum.

Nach 25 Einsatzjahren im harten Seenotrettungsdienst hat die Deutsche Gesellschaft zur Rettung Schiffbrüchiger (DGzRS) das Typschiff ihrer seinerzeit völlig neu entwickelten 8,5-Meter-Klasse außer Dienst gestellt. Die 1987 in Dienst gestellte „Asmus Bremer“ wird künftig als technisches Denkmal im Deutschen Museum in München zu sehen sein.

  Verladung am 20. April 2012 auf dem Hof der DGzRS-Zentrale in Bremen.Foto: DGzRS
Verladung am 20. April 2012 auf dem Hof der DGzRS-Zentrale in Bremen.
  Verladung am 20. April 2012 auf dem Hof der DGzRS-Zentrale in Bremen.Foto: DGzRS
Verladung am 20. April 2012 auf dem Hof der DGzRS-Zentrale in Bremen.

Neben der vor 25 Jahren ebenfalls dorthin überführten „Theodor Heuss“, eines Seenotkreuzers aus der ersten Serie neuzeitlicher Rettungseinheiten der DGzRS, wird das Museum dann den Prototypen eines modernen, allwettertauglichen Seenotrettungsbootes (SRB) in seiner Ausstellung zeigen. Die „Asmus Bremer“ steht zugleich für den selbstlosen Einsatz ihrer stets ausschließlich freiwilligen Seenotretter.

Zwischen Ende 1987 und Anfang 2012 haben die Besatzungen mit dem SRB 644 Menschen aus Seenot gerettet oder aus drohenden Gefahren befreit haben. Das Seenotrettungsboot hat in 25 Dienstjahren unter der Flagge mit dem roten Hansekreuz bei über 3900 Einsatz-, Kontroll- und Sicherungsfahrten rund 88.000 Seemeilen (etwa 163.000 Kilometer) zurückgelegt. Das entspricht mehr als vier Erdumrundungen.

Am Freitag, 20. April 2012, haben Experten der Firma Faltus & Bantje Yachttransporte aus Weyhe und der Firma Autokrane Mennen & Wittrock das Seenotrettungsboot auf dem Hof der DGzRS-Zentrale in Bremen verladen (Bildergalerie ). Nun erfolgt die Überführung des Schiffes ins Deutsche Museum mittels Tieflader – ungleich weniger spektakulär als die letzte Reise der „Theodor Heuss“: Der 23-Meter-Seenotkreuzer war vor 25 Jahren auf eigenem Kiel über Rhein, Main und Main-Donau-Kanal bis Nürnberg gefahren. Ein aufsehenerregender Straßentransport bis München hatte sich angeschlossen. Ab Herbst soll nun auch „Asmus Bremer“ den Besuchern des Deutschen Museums präsentiert werden. Das Seenotrettungsboot wird voraussichtlich vor dem Haupteingang aufgestellt.

„Asmus Bremer“ wurde 1987 unter der Baunummer 1062 als erste Rettungseinheit in der Geschichte der DGzRS bei der Werft Fr. Fassmer in Berne-Motzen an der Unterweser gebaut. Im Jahr 2012, genau 25 Jahre später, liefert diese Werft, die inzwischen viele Seenotrettungsboote und auch größere Seenotkreuzer für das Rettungswerk entwickelt und gebaut hat, den jüngsten Seenotkreuzer an die DGzRS ab: einen 36,5-Meter-Neubau für die Station Sassnitz.

Wie alle Rettungseinheiten der DGzRS wurde auch die ASMUS BREMER in der bewährten Netzspantenbauweise gebaut und als Selbstaufrichter konstruiert. Die Eckdaten des Seenotrettungsbootes:

  • Länge über Alles: 8,28 Meter
  • Breite über Alles: 3,10 Meter
  • Tiefgang: 0,85 Meter
  • Motorleistung: 220 PS
  • Geschwindigkeit: 18 Knoten (ca. 33 km/h)
  • Besatzung: Freiwillige

Das Seenotrettungsboot wurde am 21. Dezember 1987 in Kiel-Schilksee von Marina, einem Waisenkind aus Kiel, auf den Namen des von 1702 bis 1720 amtierenden Kieler Bürgermeisters getauft. Es war während seiner gesamten Dienstzeit im Olympiahafen Schilksee stationiert.

„Asmus Bremer“ ist das erste von drei Typschiffen einer neu entwickelten 8,5-Meter-Klasse der DGzRS, die nach zweijähriger Vorplanung und umfangreicher Auswertung der Erfahrungen mit den Vorgängertypen entstand. Bis Mitte der 1990er Jahre stellte die DGzRS neben zwei weiteren Prototypen insgesamt 15 Schwesterschiffe in Dienst, die nach und nach die Anfang der 1970er Jahre gebauten 7-Meter-Seenotrettungsboote ersetzten.

Entwickelt wurde die neue Klasse aus den Tochterbooten der ersten beiden 27,5-Meter-Seenotkreuzer, die Mitte der 1980er Jahre in Fahrt gekommen waren. Erklärtes Ziel der DGzRS war neben technischen Verbesserungen die Erhöhung der Geschwindigkeit bei mindestens gleich bleibender Seetüchtigkeit. Die wesentlichen Merkmale der Boote:

  • eine komplette Navigations-/Kommunikationsanlage (UKW-Seefunk doppelt, Radar, Echolot etc.),
  • ein im Vergleich zu Vorgängerbauten wesentlich vergrößerter Einsatzbereich,
  • verbesserte See- und Schlechtwettereigenschaften (allwettertüchtig),
  • größere Aufnahmekapazität für Schiffbrüchige,
  • eine Bergungspforte an Steuerbord zur Aufnahme Schiffbrüchiger auf Höhe der Wasserlinie,
  • ein verbessertes Schleppsystem mit einem Schlepphaken auf beweglicher Laufschiene,
  • ein rundumlaufendes Fendersystem zum Längsseitsgehen auch unter erschwerten Bedingungen,
  • umfangreiche Rettungs- und Versorgungseinrichtungen,
  • eine leistungsfähige Lenzpumpe zum Lenzen (Leerpumpen) havarierter Schiffe,
  • ein modernes Suchscheinwerfer-System,
  • spezielle Sicherheitssitze für die Besatzungen,
  • und – neben dem inneren – ein kompletter äußerer Fahrstand.

Aufgrund der hervorragenden Manövriereigenschaften und der Seetüchtigkeit sind die 8,5-Meter-Seenotrettungsboote wie die großen Seenotkreuzer auch für Einsätze auf hoher See, fernab von der Küste und ihren Stationen, geeignet. Inzwischen ist bereits eine nochmals verbesserte dritte Generation kleiner, leistungsstarker Seenotrettungsboote um zehn Meter Länge im Dienst.

„Asmus Bremer“ wurde wie alle Schiffe der DGzRS und ihre gesamte Arbeit ausschließlich durch freiwillige Zuwendungen, ohne Steuergelder, finanziert. Auf der Station Schilksee hat unterdessen neben dem zweiten dort stationierten Seenotrettungsboot, der „Marie Luise Rendte“, die ebenfalls 8,5 Meter lange „Franz Stapelfeldt“ die „Asmus Bremer“ abgelöst.

Die DGzRS setzt heute von 54 Stationen in Nord- und Ostsee 61 Seenotkreuzer und Seenotrettungsboote ein, gefahren von 180 fest angestellten und rund 800 freiwilligen Seenotrettern. Die Seenotleitung Bremen (MRCC = Maritime Rescue Co-ordination Centre) der DGzRS koordiniert zentral alle Einsätze. Trotz aller Technik: Im Mittelpunkt des Rettungswerkes steht nach wie die Bereitschaft der Seenotretter zu ihren nicht selten gefahrvollen Einsätzen. Allein im Jahr 2011 waren die Einheiten der Rettungsflotte 2106 Mal im Einsatz. Dabei haben ihre Besatzungen 1323 Menschen aus Seenot gerettet oder aus drohenden Gefahrensituationen befreit.