Christo Mare 31Foto: Morten Strauch

MotorbooteChristo Mare 31

Ralf Marquard  

27.7.2014, Lesezeit: 7 Minuten

Christo Mare 31: Lobster-Stil und weiche Linien machen sie zum Hingucker. Wir fuhren das Boot auf der Elbe kurz vor den Toren Hamburgs.

Die Christo ist zwar nicht wie die Werke des gleichnamigen Künstlers "verpackt", der im Jahr 1995 den Deutschen Reichstag einhüllte. Aber dennoch handelt es sich um kein gewöhnliches Boot: Mit für harte Naturverhältnissen geschulten amerikanischen "Lobsterboats" haben Fischer Hummer auf dem Nordatlantik gefangen. Das brachte den Schiffen einen guten Ruf im Bereich der Freizeityachten, der bis heute spürbar ist.

  Test Christo Mare 31Foto: Morten Strauch
Test Christo Mare 31
  Test Christo Mare 31Foto: Morten Strauch
Test Christo Mare 31

Unser Testboot ist eher für Reisen und Entdeckungstouren gedacht, die auch außerhalb von Küstengewässern stattfinden dürfen, was die Werft mit der CE-Kategorie B dokumentiert. Ihren Sitz hat sie in Berlin und lässt sich beim Bau der Christo von der in Polen ansässigen Firma "Yacht Service" unterstützen.

Test Christo Mare 31
Test Christo Mare 31
Foto: Morten Strauch
Christo Mare 31
Christo Mare 31
Foto: Morten Strauch
Christo Mare 31
Christo Mare 31
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Christo Mare 31
Christo Mare 31
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Christo Mare 31
Christo Mare 31
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Christo Mare 31
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Test Christo Mare 31
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Test Christo Mare 31
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Test Christo Mare 31
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Christo Mare 31
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Christo Mare 31
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Christo Mare 31
Test Christo Mare 31
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Test Christo Mare 31

Den Antrieb gestaltet Christo Mare mit Einbaudiesel, Wendegetriebe und Wellenanlage klassisch. Bei den Dieselmotoren hat der Kunde die Wahl zwischen 110 und 200 PS. Wir fuhren mit "der goldenen Mitte", einem Volvo Penta D3-150. Er beschleunigte unser Testboot auf der Elbe (Höhe Einfahrt Dove-Elbe) auf knapp

14 kn (im Mittel) bei 3150/min, was laut Hersteller 150/min über der empfohlenen Volllastdrehzahl liegt. Unser Boot war nur teilbeladen, die Drehzahl wird durch komplett volle Tanks und eine maximale Zuladung zwischen 600 kg (CE-Kategorie B) und 1000 kg (CE-Kategorie D) noch etwas reduziert.

Einen sehr ordentlichen Eindruck machte die Kunststoffverarbeitung auf unserem Testboot. Dies gilt besonders für die Innenseiten mit lückenlosem Schutzanstrich und glatten Oberflächen. Bei den Einbauten gefallen uns dagegen einige Punkte nicht: Das beginnt bei unter-schiedlichen Spaltmaßen am Pantryblock, geht über unsaubere Silikonnähte und abgeblätterten Lack bis zur fehlenden Dichtung in der Heckwand, die zur Badeplattform absenkbar ist. Diese Punkte hat auch die Werft erkannt und will sie verbessern.

Fahren und Manövrieren

Den Antrieb gestaltet Christo Mare mit Einbaudiesel, Wendegetriebe und Wellenanlage klassisch. Bei den Dieselmotoren hat der Kunde die Wahl zwischen 110 und 200 PS. Wir fuhren mit "der goldenen Mitte", einem Volvo Penta D3-150. Er beschleunigte unser Testboot auf der Elbe (Höhe Einfahrt Dove-Elbe) auf knapp
14 kn (im Mittel) bei 3150/min, was laut Hersteller 150/min über der empfohlenen Volllastdrehzahl liegt. Unser Boot war nur teilbeladen, die Drehzahl wird durch komplett volle Tanks und eine maximale Zuladung zwischen 600 kg (CE-Kategorie B) und 1000 kg (CE-Kategorie D) noch etwas reduziert.

Mit den maximalen 14 kn fährt die Christo Mare im Halbgleiterbereich und schluckt dementsprechend ordentlich Diesel. In Zahlen: Ein Verbrauch von 2,16 l/sm ergibt bei einem Tankinhalt von 170 l abzüglich 15 % Reserve eine Reichweite von 67 sm. In einen halbwegs akzeptablen Bereich kommt man in Verdrängerfahrt bei 1750/min mit 134 sm. Dann ist man allerdings auch nur halb so schnell unterwegs wie mit Vollgas.

Egal ob schnell oder langsam, kursstabil fährt die Christo in jeder Situation. Das gilt selbst im Seegang bei Windstärke 4 auf der Ostsee, wo Kollege Manfred Welkamer das Boot vorab schon gefahren hat. Außerdem ist auf seinem "Spickzettel" für die Rauwasserfahrt "weich und trocken bei etwa 10 kn" vermerkt. – In schnellen Kurven legt sich der Rumpf gering auf die Seite und zieht ohne "Mucken" mit etwa drei Bootslängen seine Kreise.

Die Lenkung zeigt sich dabei von sehr leichtgängiger Seite; Slalomkurse waren aufgrund der kurzen Übersetzung kaum möglich. Langsame Manöver fährt man zusammen mit dem Bugstrahlruder (Extra) ebenfalls sicher und exakt. Beim Rückwärtsfahren reagiert die Christo Mare typisch für ein Boot mit Wellenanlage: Die Wendekreise fallen recht groß aus, und beim Umsteuern in eine Richtung (bei uns von Backbord nach Steuerbord) sollte man die Drehung mit kurzem Einkuppeln "voraus" abfangen.

Dies erledigt der Fahrer an einer Bügelschaltung, die sich exakt und leicht bedienen lässt. Das Tasterpaneel für die Bugstrahlruderansteuerung sitzt unterhalb der Schaltung und ist ebenfalls gut zugänglich. Letzteres gilt auch für die Anbringung des Sportlenkrades. Stehende Fahrer können den Kopf durch die Dachluke stecken und über das Kabinendach schauen. Der 1,80 m große Fahrer hat jedoch den Kinn-Mund-Bereich genau in Höhe des Ausschnittes und muss bei Seegang aufpassen, dass er sich nicht am Rahmen stößt. Sitzende Fahrer genießen einen stramm gepolsterten Sportsitz, der sich in alle Richtungen verstellen lässt und reichlich Kniefreiheit sowie Seitenhalt bietet.

Eine gute Idee ist die Tür neben dem Fahrer, die direkt aufs Seitendeck führt und besonders das Anlegen für Alleinfahrer erleichtert. Große Scheiben ermöglichen guten Rundumblick. Die Sicht nach vorn garantieren bei Regenwetter zwei Scheibenwischer mit ausreichend großem Wischfeld. In den Scheiben spiegelt sich allerdings die helle Oberfläche des Fahrstandes, auf den Instrumenten gibt es nur geringe Reflexionen. Plus/Minus: Die Motorinstrumente gehören zum Standard, der Kompass fehlt beim Serienboot.

Motor, Tank, Elektrik

Der Diesel, dessen Zugang über eine mit einem Gasdämpfer gehaltene Klappe führt, steht unter dem Salonboden. Mäßig fällt der Platz um den Motor aus und lässt dem Servicemann nur ausreichend Spielraum. Die Leitungen sind ordentlich verlegt, der in die Bilge eingepasste Dieseltank mit Spannbändern gesichert und die Schlauchanschlüsse mit zwei Schellen versehen. Der Zusatzfilter von Volvo Penta mit Schauglas und Ablasshahn ist ebenfalls eine Mobilitätsgarantie. Die sichere Stromversorgung verantworten zwei 110-Ah-Batterien, Batterieladegerät und Landanschluss (beides Aufpreis). Geschaltet werden die Batterien über Relais und Philippi-Touchscreen-Bedienteil (Saloneingang), neben dem auch die Sicherungsautomaten sitzen. Nothauptschalter für den Handbetrieb findet man im Staukasten unter dem Cockpitboden.

Sicherheit

Bei den Lenzpumpen verlässt sich die Werft auf Elektro- und Handpumpe. Genauso vorbildlich ist die Ausrüstung mit Feuerlöschanlage im Motorraum und einem 2-kg-Handlöscher. Weiteres Lob be-kommen doppelt verschellte, gut erreichbare Schnellschlussventile, Rutschfestigkeit auf Cockpitboden, Seiten- und Vordeck sowie gute Haltemöglichkeiten an Handläufen und Reling. Bei Len-kungsausfall sorgen Bypassventil und Notpinne dafür, dass das Boot manövrierfähig bleibt. Wer baden geht, ohne vorher die lose Leiter einzuhängen, hat ein Problem, wieder ins Boot zu klettern. Diesen Mangel hat auch die Werft erkannt und will zukünftige Modelle mit einer Notleiter am Heck ausrüsten.

Wohnen und Ausrüstung

Zum Sitzen findet man im Cockpit einfache Backskisten. Im Salon geht es serienmäßig mit einem U-Sofa und Klapptisch schon nobler zu – wobei die Sofaenden wegen ihrer tieferen Polster bequemer sind als die in Längsrichtung. Gegenüber steht die "mit allem" ausgestattete Pantry. Die Nasszelle ist mit grünen Mosaikfliesen ausgeschlagen und hinterlässt einen außergewöhnlichen Eindruck. Die Räumlichkeit ist für eine 1,80 m große Person gut bemessen und passend ausgerüstet. Besonderes Lob verdient das WC-Becken wegen der großzügigen Maße.

Die Bugkabine besitzt eine angenehme Größe und passende Staumöglichkeiten; unter der besonders festen Matratze fehlt aber die Unterlüftung. Den gesamten Raum versorgen Bullaugen und Fluchtluk (alles mit Fliegengitter) mit Frischluft. Gäste schlafen in der Unterflurkabine mit gleicher Polsterausstattung wie vorn; im Kojenbereich beträgt der Abstand Decke/Boden gut 1,00 m und im Eingangsbereich, wo ein Schrank steht, 1,81 m. – Der Tresor ist ein Sonderwunsch. Als weiteres Zubehör bekommt man elektrische Ankerwinsch, Fäkalientank, Boiler, Cerankochfeld, Wallas-Diesel, Heckdusche und 12/230-V-Inverter.

Die Werft sagt...

Aufgrund ihres Rumpfes erlaubt die Christo Mare 31 sowohl komfortables Wasserwandern bei höchster Stabilität wie auch schnelles Cruisen bei äußerst moderatem Treibstoffverbrauch. Dabei bleibt sie stets extrem richtungsstabil und jederzeit leicht beherrschbar. Es stehen leichtes Handling, viel Raum, größtmöglicher Komfort und hochwertigste Qualität im Pflichtenheft. Selten hat eine Yacht derartige Emotionen geweckt.

Wir sagen...

Dass die Christo Mare 31 ein schönes Design und angenehmes Leben an Bord bietet, sehen wir auch so. Bei den Fahreigenschaften stimmen wir ebenfalls zu, beim schnellen Cruisen fällt uns die Reichweite zu gering aus. In der Qualität überzeugt die Kunststoffverarbeitung, bei den Einbauten fehlt teilweise der letzte Schliff.

Datenblatt: Christo Mare 31

Werft: Christo Mare Yachting

Typbezeichnung: Christo Mare 31

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 10,50 m

Breite: 3,00 m

Verdrängung: 4,30 t

Preis: 188.721,00 €