Diebe: Dreister als die Polizeit erlaubtFoto: Polizei

MotorbooteDiebe: Dreister als die Polizeit erlaubt

Gernot Apfelstedt 

10.2.2014, Lesezeit: 3 Minuten

Doppelschlag gegen Außenborder-Diebe: Wer das Risiko überstrapaziert, geht schnell in die Falle – wie ein kriminelles Duo mit „weichem Versteck“.

Es hatte gut begonnen, das Jahr 2013! Ein Fahndungserfolg reihte sich an den anderen – dank "Kommissar Facebook" (Heft 2/2013), eines "hellwachen BOOTE-Lesers" (3/2013) und exzellenter Arbeit öffentlicher wie privater Ermittler. "Gute Zeit für Entdecker?" titelten wir in unserer Fahndungsrubrik "Wanted" (4/2013). Doch dann wendete sich das Blatt zugunsten "abgebrühter Langfinger" (5/2013): Massiver Jetski-Klau in Köln und Seriendiebstähle in Grömitz (18 Z-Antriebe) waren erst der Anfang eines regelrechten Raubzuges perfekt organisierter Banden durch die Republik.

Objekte ihrer Begierde waren weniger komplette Boote, sondern vor allem Außenbordmotoren und Antriebe, die sie meist von deren Spiegeln abmontierten. Anders als in den Vorjahren, wo die Langfinger in erster Linie Häfen und Steganlagen ansteuerten, zog es sie 2013 an die "Quelle": zu Boots- und Motorenhändlern. Einige von ihnen wurden gleich mehrfach heimgesucht. Höchste Zeit, sich über neue Sicherheitskonzepte Gedanken zu machen und nicht zuletzt den Versicherungsschutz zu überprüfen. Branchenweit, denn jeder Betrieb ist potenzielles Angriffsziel solcher Ganoven.

Ein Außenborder unter Decken und Kissen

"Wer stoppt die Kleptomanen?", fragten wir in BOOTE 12/2013. Was neben Prävention besonders hilft, sind Fahndungserfolge. Wenn dreiste Diebe an klugen Kommissaren mit feinem Spürsinn scheitern, wie im nachfolgenden Fall: In der Nacht zum 22. Oktober 2013 kontrolliert eine Polizeistreife in der Nähe von Dillingen (Saarland) gegen 0.30 Uhr ein verdächtiges Gespann – Pkw mit Wohnwagen. Die beiden osteuropäischen Insassen des Zugfahrzeuges, 27 und 22 Jahre alt, können keine Fahrerlaubnis vorzeigen – die liegt angeblich zu Hause.

Als die Beamten Auto und Ladung genauer prüfen, entdecken sie unter Decken und Kissen einen nahezu neuen Außenbordmotor vom Typ Suzuki DF50 im Wert von etwa 7000 Euro. Neben anderen verdächtigen Merkmalen fällt ihnen auf, dass an der Motornummer manipuliert wurde. Auf Nachfragen der Polizisten geben die beiden Osteuropäer an, den Motor als "Schrott in Holland" gekauft zu haben.

Abmontiert vom Einsatzboot der Feuerwehr

Gemeinsam mit Spezialisten der Wasserschutzpolizei Dillingen sowie dem Kompetenz-Zentrum Bootskriminalität in Konstanz (KBK) gelingt es, den Außenborder trotzdem zu identifizieren und einem unmittelbar zuvor begangenen Diebstahl in Völklingen (Saarland) zuzuordnen. Er war vom dortigen Feuerwehr-Einsatzboot abmontiert worden. Doch nicht nur die Floriansjünger – sie hatten den Diebstahl noch gar nicht bemerkt – haben Glück, auch die mutmaßlichen Täter: Sie müssen gegen eine Sicherheitsleistung wieder auf freien Fuß gesetzt werden.

Damit wollen sich die Fahnder freilich nicht abfinden und behalten ihre "Kunden" im Auge. Am selben Tag um 17.35 Uhr werden die beiden Osteuropäer auf ihrer Heimfahrt nochmals kontrolliert. Dieses Mal von bayrischen Beamten in der Nähe von Passau, kurz vor der Ausreise nach Österreich. Neben anderem Diebesgut kommt erneut ein Außenborder zum Vorschein, dessen Motornummer ebenfalls Manipulationsspuren aufweist. Nichtsdestotrotz können die Passauer auch diesen eindeutig identifizieren.

Wie das KBK ermittelt, stammt der Johnson (Wert etwa 2000 Euro) aus einem aktuellen Diebstahl in Saarbrücken-Burbach. Doch damit nicht genug: Über ihre Kollegen im Heimatland der Beschuldigten finden die Konstanzer heraus, dass beide überhaupt keine nationale Fahrerlaubnis besitzen. Wie sie – nach einer weiteren Sicherheitsleistung – die noch fehlenden 1300 Kilometer nach Hause zurückgelegt haben, ist nicht bekannt. Denn nun wurde auch das Zugfahrzeug als Tatmittel sichergestellt.