Ophardt Maritim OP-SHIPP ModuleFoto: Ophardt Maritim

MotorbooteOphardt Maritim OP-SHIPP Module

Peter Laessig  

16.1.2014, Lesezeit: 4 Minuten

Die Idee stammt aus der Automobilbranche: Jetzt baut Ophardt Maritim das erste Plattform-Boot. Wir testeten das „Baukastenprinzip“ auf dem Rhein.

Im Jahre 1962 legte Hermann Ophardt im niederrheinischen Issum den Grundstein für die heute weltweit tätige Ophardt Hygiene-Unternehmensgruppe. Er wagte den Einstieg in den damals noch jungen Markt für Hygiene-Produkte und wurde einer der führenden Hersteller von Spendersystemen für Desinfektion im medizinischen Umfeld sowie für vielfältige Dosieranwendungen im industriellen und sanitären Bereich.

Damit schien der umtriebige Firmengründer jedoch nicht ausgelastet zu sein, denn er überlegte, wie er sein Know-how noch anderweitig verwenden könne – und kehrte zum vorherigen Berufsfeld zurück: Da er Schiffbau studiert hatte (und einige Zeit gar im Reaktorbau für U-Boote tätig gewesen war) hieß das Lösungswort "Boot". Aber da wollte er nicht im herkömmlichen Sinn an die Sache herangehen und nahm sich ein Beispiel am Automobilbau, wo die Hersteller von Massenprodukten sich einer Plattform bedienen, auf die dann unterschiedliche Modelle aufgebaut werden und bei den Konzerntöchtern gleichermaßen Verwendung finden.

Kurzerhand stellte er in Duisburg eine Produktionshalle hin und ließ sich den Namen "OP-SHIPP Module" sichern. OP ist eine Abkürzung für Ophardt, SHIPP steht für "Series Hull Integrated Precision Platform" und bedeutet sinngemäß "Serienmäßige Aluminium-Plattform für den individuellen Bootsbau".

Ophardt praktiziert Bootsbau nach dem Baukastenprinzip. Die Chassis werden aus seewasserbeständigem Aluminium produziert, mit dem Ziel, Kosten zu senken und schnell und qualitativ hochwertig mit den Plattformen möglichst viele Bootsvarianten bauen zu können. Sie werden ausschließlich an Werften im In- und Ausland geliefert und nicht an Privatpersonen. 15 Angestellte fertigen bislang drei Modelle: die 12 m lange 11909, die 10 m lange 9909 und die 8 m lange 7909. Als Antriebe sind für alle Modelle Außenbordmotoren vorgesehen.

Wir waren vor Ort in Duisburg und haben auf dem Rhein eine 11909 mit drei 300 PS starken Suzuki-Viertaktmotoren gefahren. Die Rumpflänge misst 12 m, und mit der Schutzplattform für die drei Außenborder ergibt sich eine Gesamtlänge von knapp 14,20 m. Unser Testboot – oder vielmehr "Testrumpf" – ist mit 10 t Gewicht beladen, um den späteren Bootausbau beziehungsweise Bootsaufbauten zu simulieren.

Man muss wissen, dass die Rümpfe mit einer bestimmten Last beladen sein müssen, damit die vom Hersteller vorgegebenen Richtlinien hinsichtlich der Fahreigenschaften und Fahrsicherheit gewährleistet sind. Das bedeutet, wer das Boot bei einer Werft mit der Absicht bestellt, nur eine leere Schale fahren zu wollen, muss etwas hineinpacken, damit die Vorgaben erfüllt werden.

Wir haben bei der Testfahrt nichts unversucht gelassen, um herauszufinden, wo sich die "Grenzen für den Rumpf" befinden. Aber wir konnten keine Schwächen entdecken, als wir ihn mit knapp 80 km/h den Rhein herauf- und herunterhetzten, mit Vollgas durch Kurven jagten oder auf engstem Raum 180°-Wenden absolvierten. Die "Ophardt 11909" hat alles sicher und problemlos absolviert – Chapeau! Sie wurde ja auch von kompetenten Konstrukteuren entwickelt und im Schlepptank optimiert.

Was die Qualität unseres "Testrumpfes" betrifft, muss man wissen, dass sogar Schrauben selbst hergestellt werden, alles gefräst und nichts geschliffen wird und individuell konstruierte Schweißroboter ohne Absatz in absoluter Präzision durchgehende Nähte hinlegen. Das erste Objekt ist somit genau so maßhaltig wie das Tausendste. Und wenn einmal etwas nachbestellt werden muss: Ein Knopfdruck genügt, und das Teil passt garantiert.

Die Ophardt-Rümpfe werden nur an Werften geliefert, die dann mittels Flansch passende Module vorproduzieren können. Dabei spielt es keine Rolle, ob es ein Kabinenaufbau mit oder ohne Flybridge wird oder ein offenes Boot, das als Arbeitsboot zum Einsatz kommt. Die Rümpfe sind so stabil gebaut, dass Einbauten wie Möbel oder Trennwände keine statischen Aufgaben übernehmen müssen, wie das im Kunststoffbootsbau teilweise der Fall ist. Zum Einsatz kommt, wie eingangs erwähnt, seewasserbeständiges Aluminium, das im Prinzip keinen Anstrich benötigt, da es absolut korrosionsfest ist, so der Hersteller.

Für Werften könnte das Konzept interessant sein, da sie sich nur auf den Aus- und Aufbau des Bootes konzentrieren müssen. Man braucht weder Kapital noch Zeit zu investieren, um einen Rumpf zu konstruieren. – Den bestellt man ganz am Schluss und packt dann das rein, was man gebaut hat, da der Flansch Maßhaltig-
keit garantiert.

Interesse geweckt? "Unser Testboot" ist zum Preis von 119 000 Euro zu haben – ohne Motoren und ohne Aus- oder Aufbau, versteht sich.

TECHNISCHE DATEN

Werft: Ophardt Maritim/D
Typ: 11909
CE-Kategorie: A = Hochsee
Rumpf: Aluminium AW5083
Rumpflänge: 12,00 m
Breite: 3,80 m
Verdrängung: 10 t
Leergewicht: ab 2,4 t
Tiefgang: 0,88 m
Motorisierung: 3 x 221 kW (3 x 300 PS)