Prestige 750Foto: Morten Strauch

MotorbootePrestige 750

 

16.9.2015, Lesezeit: 5 Minuten

Raum mit Konzept: Mit der 750 beweist Prestige, dass man Platzverhältnisse schaffen kann, die man eigentlich erst bei noch größeren Booten erwartet.

Prestige stammt aus dem Hause Jeanneau, unter deren Dach sie seit etwa 20 Jahren erfolgreich als eigene Marke produziert und gehandelt wird. Und mit dem Drang nach Größerem ist man nun in der 70-Fuß-Klasse angekommen, wie die Prestige 750 unter Beweis stellt. Erfolge will man natürlich fortsetzen, wie das bei Jeanneau, einem der großen Massenproduzenten von Segel- und Motorbooten in Frankreich, üblich ist.

Die 750 ist, von außen betrachtet, eine imposante Erscheinung, die oberhalb der Wasserlinie bei knapp acht Metern Höhe endet und in der Breite fünfeinhalb Meter misst. Auf fast 23 Metern Länge sind unter Deck vorn vier Kabinen mit Doppelkojen plus drei WC-Duschräume für Eigner und Gäste untergebracht. Und im Heck wird eine Kabine samt WC und Dusche von zwei Crew-Mitgliedern genutzt.

Seitlich betrachtet sticht die Fensterfront ins Auge, die dem Boot ein herausforderndes Aussehen verleiht, das von der nach achtern gezogenen Flybridge auf Edelstahlpfosten unterstützt wird. Das Tüpfelchen auf dem i ist das feste Bimini samt Schiebedach. Und wer achtern über die Gangway an Bord geht, schreitet über eine ausladende und absenkbare Badeplattform.

Sitzbank, Tisch und Treppe zur Fly dominieren das Cockpit. Stehen die drei Glasschiebetüren zum Salon hin offen, schweift der Blick durch das gesamte Boot hindurch und wird auch nicht von den Fensterfronten aufgehalten. "Empfangen" wird man von einer Pantry-Bar-Einheit an Backbord und der Dinette mit Glastisch vis-á-vis. Ein Stufe höher geht es zum Couch-Bereich, wo beidseitig bequeme Sitzeinheiten zum Verweilen einladen. Fast unauffällig versteckt sich der Fahrstand vor der Doppelsitzbank für Fahrer und Beifahrer an Backbord und wird von Bildschirmen dominiert, auf denen alles, was mit Motoren, Boot und Navigation zu tun hat, abgebildet werden kann.

Üblicherweise geht es in dieser Klasse dann neben dem Fahrstand nach unten in den Wohnbereich. Das ist bei der Prestige 750 nicht anders. Nur, statt rechtsherum die Treppe herunter, wendet man sich nach links und betritt im Bugbereich eine Zwischenetage, in der die Werft eine stattliche Eignerkabine mit großem Bad und einem begehbaren Kleiderschrank untergebracht hat.

Prestige 750
Prestige 750
Foto: Morten Strauch
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Foto: Morten Strauch
Prestige 750
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Foto: Morten Strauch
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Foto: Morten Strauch
Prestige 750
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Prestige 750
Prestige 750
Prestige 750
Prestige 750

Der Gästebereich ist komplett unten angesiedelt. Wo bei vergleichbaren Booten die Eignerkabine unter dem Salonboden untergebracht ist, schlafen hier die "wichtigen Personen" (VIPs) in der über die gesamte Bootsbreite reichenden VIP-Kabine mit eigenem Bad.

Im Bugbereich, unterhalb der Eignerkabine, sind zwei Gästekabinen eingebaut; das Tagesbad mit WC an Backbord hat noch einen separaten Zugang zur Gästekabine auf der gleichen Seite. Die Werft hat alles so geschickt verschachtelt, dass in jeder Kabine die Stehhöhen passen. Bei Prestige heißt das "Wide Body Concept" und bedeutet, dass man das Boot konsequent über die gesamte Breite nutzt. Der Weg zum Motorraum führt über die Badeplattform in einen Technikvorraum, von dem auch die CrewKabine zugänglich ist.

In den Motorraum gelangt man (wie auch in den Vorraum) durch eine wasserdichte Tür. Dort kann man gut stehen, der Raum enthält fast alles, was an Technik im Boot benötigt wird. Man kommt überall gut heran, wie zum Beispiel an den Kreisel-Stabilisator, der dem Rollen des Bootes entgegenwirkt, wenn es vor Anker liegt. Auf der Flybridge bietet achtern eine große Freifläche Platz zum Liegen oder für ein Dingi. Mittig sind Sitzgruppe und Pantry-Bar, vorn Fahrstand und die zur Sonnenliege wandelbare Sitzgruppe an Steuerbord untergebracht. Das Platzangebot ist imposant.

Wir fahren die Prestige 750 mit der stärksten Motorisierung, zwei V8 von MAN je 1200 PS mit Wellenantrieb. Im Hafen genügt ein Antriebsstrang bei niedrigsten Drehzahlen (600/min) für 2 kn Fahrt. Schaltet man die zweite Maschine hinzu, steigt die Geschwindigkeit auf 5 kn. Mit 800/min fahren wir die langsamen Passagen (6 kn), um die vom Boot erzeugten Wellen auf akzeptabler Höhe zu halten. Ohne sich allzu viel zu vertrimmen, geht die Prestige 750 von Verdränger- in Gleitfahrt über. Die Sicht ist dabei an beiden Fahrständen sowohl voraus als auch bei Kurvenfahrten ungestört. Bei Vollgas messen wir knapp 27 kn, und die wirtschaftlichste Gleit- oder Marschfahrt liegt bei 20 kn, wenn die Motoren 1900/min drehen.

Eine Tankfüllung reicht in langsamer Fahrt für einen theoretischen Aktionsradius von knapp 1100 sm plus 15 % Reserve. Bei Marschfahrt sollte man sich nach etwa knapp 300 sm und bei Vollgas nach etwa 230 sm nach einer Bunkerstation umschauen, soll die Reserve erhalten bleiben. Damit erfüllt die Prestige 750 unsere Forderung von mindestens 270 sm Aktionsradius plus Reserve.

Ein Vollkreis durchmisst in langsamer Fahrt knapp vier und bei Marschfahrt etwas mehr als fünf Bootslängen. Soll es noch wendiger zugehen, bedient man sich bei niedrigsten Drehzahlen des Joysticks, der das Boot mithilfe von Bug- und Heckstrahlruder plus beide Antriebsstränge hinfährt, wo es soll.

Ein ruhiges Mittelmeer fordert das Testboot nicht und lässt daher das Kapitel "Rauwasser" ohne Eintrag, da es kaum Wellen gab. Unter "Extremmanöver" ist vermerkt, dass sich die 750 in engen und mit Vollgas gefahrenen Kurven erst etwas zum Mittelpunkt neigt und dann überraschenderweise wieder aufstellt. Auf dem Slalomkurs bringt man die Prestige über die Längsachse etwas zum Pendeln, beim Verreißen des Ruders folgt es direkt und klaglos dem eingeschlagenen Kurs. Sicher ist das Boot in allen Belangen. Allerdings will die Werft bei dem einen oder anderen Handlauf in puncto Bewegungssicherheit noch etwas nachlegen.

Die Grundausstattung der Prestige 750 passt, sie kann aber mithilfe der Zubehörliste noch gut "aufgepeppt" werden. Hinsichtlich der Verarbeitung zeigt das Testboot keine nennenswerten Schwächen.

  Prestige 750Foto: Morten Strauch
Prestige 750
  Prestige 750Foto: Morten Strauch
Prestige 750

Fazit

Das Raumkonzept ist gelungen, und mit der 750 beweist Prestige, dass man Platzverhältnisse schaffen kann, die man eigentlich erst bei noch größeren Booten erwartet. Dazu gute Verarbeitung und sichere Fahreigenschaften – was will man mehr?