Test: Absolute Navetta 52 - Kleine SchwesterFoto: Werft Absolute

MotorbooteTest: Absolute Navetta 52 - Kleine Schwester

 

17.10.2016, Lesezeit: 5 Minuten

Die italienische Werft Absolute ergänzt jetzt mit der neuen Navetta 52 ihr Angebot an edlen Reisebooten.

Im Januarheft 2015 haben wir die große Schwester Navetta 58 als einen Traum in Türkis vorgestellt. Nun fahren wir die um sechs Fuß kleinere Navetta. Beide haben dieselben Gene und unterscheiden sich nicht allzu viel: ausladende Flybridge mit oder ohne T-Top, Sonnenliege vorn mit Sitzbank vor der Windschutzscheibe, von der Flybridge überdeckte Seitendecks, überdachtes Cockpit, Salon mit rundum großer Fensterfront und Badeplattform.

Selbst Form und Anzahl von Fenstern und Bullaugen im Rumpf sind unverändert.

Und nicht geringer fällt die Anzahl der Kabinen unter Deck aus: drei plus eine. Nur, während man in der großen drei Bäder mit Toiletten vorfindet, ist es in der kleinen eine Einheit weniger. Das ist aber den Maßen geschuldet, da die Navetta 52 einen Meter kürzer und 35 cm schmaler daherkommt.

Was aber nicht heißt, dass das Raumangebot nicht ebenso großzügig erscheint. Das fällt insbesondere beeindruckend in der Bug- oder VIP-Kabine auf, wo die Doppelkoje nicht längs, sondern mit der kurzen Seite, sprich Kopfende, an der Backbordwand angrenzt. Das schafft Platz und dank der Fensterfronten einen herrlichen Ausblick nach draußen.

  Absolute Navetta 52Foto: Werft Absolute
Absolute Navetta 52
  Absolute Navetta 52Foto: Werft Absolute
Absolute Navetta 52

Man hat von dieser Kabine einen direkten Zugang zum Tagesbad mit Toilette an Backbord. Daran schließt sich die zweite Einheit an, die aber nur von der Eignerkabine aus zugänglich ist. Auch sie reicht über die gesamte Bootsbreite und wartet mit jeder Menge Annehmlichkeiten auf, wie zum Beispiel beidseitig angeordnete Fensterfronten. Die Gästekabine ist nach wie vor mit zwei Einzelkojen bestückt.

Erst im Salon fällt der Unterschied auf, wo in der Navetta 52 die Pantry gleich am Eingang zum Salon an Backbord unterge- bracht ist und dort zugleich als Bar für die Gäste im Cockpit fungiert. Die große, U- förmige Sitzbank ist nun nach vorn ge- wandert und erfüllt zugleich die Aufgabe der Dinette. Hinter dem Fahrer, wo in der 58 die Pantry steht, ist eine kleine Sitzbank

untergebracht. Der Fahrstand bleibt an Steuerbord und ist auch in der 52 mit al- lem ausgestattet, was die digitale Technik zu bieten hat – beispielsweise mit einem Touchscreen, der alles abbildet, was mit Boots- und Motorentechnik zu tun hat. Der Kompass bleibt analog, und dank ei- ner Tür gelangt der Skipper schnell auf das Seitendeck.

Die Motorenauswahl beschränkt sich auf zwei Volvo Penta D6 IPS-600, die je- weils 435 PS auf die Pod-Antriebe bringen. Dieser Antriebstyp ist serienmäßig mit Joysticks verbunden, mit deren Hilfe das Boot in langsamer Fahrt in jede Richtung bewegt werden kann. An- oder Ablegen wird so auch für den weniger erfahrenen Skipper zur leichten Angelegenheit.

Die langsamen Passagen fahren wir mit maximal 6 kn, damit die vom Boot erzeugten Wellen nicht stören.

Ohne sich allzu viel zu vertrimmen, geht das Testboot von Verdränger- in Gleitfahrt über und fährt ab 2600 U/min, zugleich auch kleinste Gleitfahrt (12 kn), bis hin zu Vollgas (25 kn) stets im grünen Bereich. Oder anders gesagt immer wirtschaftlich, denn eine Tankfüllung ist für theoretische Reichweiten um 320 sm plus 15 % Reserve gut.

Reicht uns aber nicht für einen Trawler. Für größere Strecken am Stück muss man langsam fahren. Bei 6 kn Fahrt sind es etwa 1800 sm plus Reserve. Dank wirksamer Schalldämmung misst der Schalldruckpegel im Salon selbst bei Vollgas nicht mehr als das, was bei einer normalen Unterhaltung anfällt.

Das Kapitel Extremmanöver fällt dank IPS-Antrieben kurz aus, da nichts Extremes passiert. Die Einschlagwinkel der Antriebe werden von Drehzahlen und Geschwindigkeit bestimmt, was jedwede Kurven in Gleitfahrt leicht ausgedehnt verlaufen lässt.

Und nur, wer schnell genug am Ruder kurbelt, bringt das Boot minimal über die Längsachse zum Pendeln. Das war alles. Auch zum Rauwasserverhalten unseres Testbootes können wir nichts sagen, da Poseidon vor Varazze in Italien einen Ruhetag eingelegt hat.

Zumindest beim Überfahren eigener Wellen und denen von Fischerbooten vermittelt der Rumpf den Eindruck, auch mit größeren Kalibern umgehen zu können.

Absolute agiert seit Gründung auf hohem Niveau, was Verarbeitung und verwendete Materialien angeht, und ist be- strebt das Niveau zu halten und zu verbessern. In jeder Hinsicht „gelungen" sagen wir dazu. Nur ein Beispiel:

Überall, wo Gefahr besteht, sich den Kopf anzustoßen, hat man im Motorraum einen Kantenschutz angebracht.

Das erfreut nicht nur den Mechaniker, der ansonsten im Motorraum gut klarkommt. Positiv fällt auch die Standardausstattung auf, da vieles dabei ist, was man zum Fahren oder Sichwohlfühlen auf dem Boot braucht. Was nicht heißt, dass man das Boot mit Hilfe der Zubehörliste nicht noch dem eigenen Geschmack anpassen und auch sonst noch je nach Fahrgebiet und Revier perfektionieren kann.

So empfiehlt es sich, ein Bugstrahlruder mitzubestellen, damit auch bei starkem Seitenwind längere Rückwärtsfahrten gerade verlaufen. Mit auf der Liste sollte auch die elektro-hydraulisch zu betätigende Gangway stehen, weil dann der Einstieg über das Heck kinderleicht wird.

Unser Fazit

Die Navetta 52 hat fast alles, was man auf einem Trawler braucht. Standardausstattung und Verarbeitung können sich sehen lassen. Fahreigenschaften und Sicherheitsstandard passen: der antirutschlack auf dem Salonboden ist einzigartig und, dass man in Gleitfahrt stets auf fast gleichem Verbrauchsniveau (l/sm) fährt, spricht für sich. Nur wie sie bei „Schietwetter" fährt, wissen wir nicht.

Absolute Navetta 52
Absolute Navetta 52
Foto: Werft Absolute
Absolute Navetta 52
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Absolute Navetta 52
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Absolute Navetta 52
Absolute Navetta 52
Absolute Navetta 52

Datenblatt: Absolute Navetta 52

Werft: Absolute S.p.A

Typbezeichnung: Absolute Navetta 52

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 16,00 m

Breite: 4,65 m

Verdrängung: 22,00 t

Preis: 916.300,00 €