Test: Aquanaut Andante 438 AC - Nur keine HektikFoto: Morten Strauch

MotorbooteTest: Aquanaut Andante 438 AC - Nur keine Hektik

Peter Laessig  

21.7.2016, Lesezeit: 4 Minuten

Aquanaut Andante 438 AC: da ist Musik drin – eine Stahlyacht mit „runden“ Ecken und Kanten sowie einem etwas anderen Farbton

Aquanaut baut in Holland seit den 1960ern Stahlboote von 7 bis 20 m Länge und befindet sich bis heute in Familienhand. Die niederländische Werft ist vielfältig aufgestellt. Momentan zählt man mehr als sechs Bootsserien, von denen insgesamt über 30 Modelle auf den Markt kommen.

Foto: Morten Strauch
Foto: Morten Strauch

Wir fahren ein Boot aus der Andante-Serie, die es entweder mit (AC) oder ohne (OC) Achterkabine und als OC auch mit Flybridge gibt. Das Wort Andante, bekannt aus der Musik, ist Name und Programm zugleich und bedeutet so viel wie Schreiten, also eher gemächliches, ruhiges Tempo. Wir haben die 438 AC getestet. Das Boot ist mit Motor und Wellenanlage bestückt, aber im Motorraum wäre auch Platz für einen zweiten. Die Werft greift in erster Linie auf Perkins zurück, bietet aber ebenso andere Fabrikate an.

Das passt für Stahlverdränger, die eh nur bis zur theoretischen Rumpfgeschwindigkeit „vernünftig" fahren. Darüber stehen der Geschwindigkeitszuwachs und Verbrauch in einem ungesunden Verhältnis.

Am besten fährt man einen Verdränger in dem Bereich, wo höchstes Motordrehmoment und niedrigster spezifischer Kraftstoffverbrauch eng miteinander korrespondieren und beide noch unterhalb der Rumpfgeschwindigkeit liegen.

Für unser Testboot heißt das, der Perkins M150Ti (ist ein für NL gedrosselter M225Ti) hat sein höchstes Drehmoment bei 1400 U/min, und die theoretische Rumpfgeschwindigkeit der Andante liegt bei etwa 8 kn.

Nach Auswertung unserer Messwerte und unter Verwendung der Verbrauchswerte des Motorherstellers sehen wir, dass bei 1400 U/min oder 6 kn Fahrt eine Tankfüllung für einen theoretischen Aktionsradius von knapp über 1000 sm reicht, plus 15 % Reserve. Bei dem Tempo macht das Boot fast keine Wellen, und das Plätschern des Wassers ist lauter als das Motorengeräusch, das wir auf dem Achterdeck mit 69 dB/A am Fahrstand gemessen haben.

Bei Höchstgeschwindigkeit (9 kn) steigt der Schalldruck (75 dB/A) auf Unterhaltungslautstärke, und die Reichweiten schrumpfen unter 300 sm plus Reserve. Heißt, von Marschfahrt 1400 bis Vollgas 2500 U/min haben wir die Drehzahlen um 44 % erhöht, während die Reichweiten auf etwa 1⁄3 geschrumpft sind. Oder anders gesagt, um 3 kn schneller zu fahren, hat sich der Verbrauch um mehr als das Fünffache erhöht. Das muss man wissen, wenn man in Revieren unterwegs ist, wo man gegen den Strom fährt, wie zum Beispiel auf dem Rhein.

Gute Arbeit, ruhiger Lauf – was will man mehr?

Nur ein Antrieb bedeutet beim Manövrieren in langsamer Fahrt eine gute und eine weniger gute Seite, weshalb das Bugstrahlruder zum Standard zählt und ein Heckstrahlruder zu empfehlen ist. Davon abgesehen hängt unser Testboot perfekt am Ruder und hält geradeaus den Kurs gut bei. Über die übergroßen Kurvendurchmesser hat sich auch der Werftchef gewundert und nach dem Test festgestellt, dass der Rudereinschlag limitiert war. Nun soll es enger rumgehen.

„Klassisch", „modern" oder „Freistil" lauten die Ausbaustufen der Aquanaut innen. Unser Testboot fällt unter die Rubrik "modern", von der die Werft sagt: „Der moderne Stil ist impressionistisch, aber auch abstrakt und macht Gebrauch von modernen Materialien." Alles ist sauber und ordentlich ausgeführt.

In drei Kabinen (Extra) und zwei Bädern kommen Raum- und besonders Stau-Angebot nicht zu kurz. Die Stehhöhen stimmen, und die Pantry lässt fast keine Wünsche offen. Wohlfühlen heißt es auf und unter Deck. Der Motor- und Technikraum ist klar strukturiert, der täglichen Kontrolle oder dem Service steht fast nichts entgegen.

Kritik gilt dem Kraftstoffvorfilter: kein Wasseralarmsensor; über die Platzierung des einen oder anderen Teils will die Werft nachdenken.

Der Fahrstand bietet viel Platz und ist puristisch ausgestattet, Navigationsinfos liefert die Elektronik. Die Qualität stimmt rundum, da fast alles, bis auf Edelstahl, Polster, Sandstrahlen, Motoren und Elektronik, aus eigenem Hause kommt.

Lob verdient die umfangreiche Standardausrüstung, mithilfe der Zubehörliste kann man wie üblich sein Boot noch individualisieren.

Unser Fazit: Die Andante 438 AC kann als rundum gelungenes Boot und Raum- und Platzangebot fast schon als üppig bezeichnet werden. Da die Werft bis auf wenige Ausnahmen fast alles selbst herstellt, stimmt auch die Qualität. Wie das Boot sich auf See bei Wind und Wellen verhält, haben die Gewässer um Grou natürlich nicht verraten. Aber sonst macht es seinem Namen alle Ehre.
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Foto: Morten Strauch
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC
Test Aquanaut Andante 438 AC

Datenblatt: Aquanaut Andante 438 AC

Werft: Aquanaut

Typbezeichnung: Aquanaut Andante 438 AC

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Stahl

Länge: 13,15 m

Breite: 4,30 m

Verdrängung: 18,00 t

Preis: 383.240,00 €