Test: Atlantic Adventure 780 - Solides MultitalentFoto: Morten Strauch

MotorbooteTest: Atlantic Adventure 780 - Solides Multitalent

 

17.12.2017, Lesezeit: 6 Minuten

Atlantic Adventure 780: Ein Multitalent, das sich für Angeltörns genauso gut eignet wie für Wochenendtrips oder Bade- und Entdeckungstouren mit Freunden und Familie

Atlantic Adventure 780: Außenfahrstand
Atlantic Adventure 780: Außenfahrstand
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Seitenanicht und Layout
Atlantic Adventure 780: Seitenanicht und Layout
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Fahren
Atlantic Adventure 780: Fahren
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Bugkabine
Atlantic Adventure 780: Bugkabine
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Bugkabine
Atlantic Adventure 780: Bugkabine
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Fahrstand
Atlantic Adventure 780: Fahrstand
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Fahrerhaus
Atlantic Adventure 780: Fahrerhaus
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Cockpit-Sitzecke
Atlantic Adventure 780: Cockpit-Sitzecke
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Außenfahrstand
Atlantic Adventure 780: Außenfahrstand
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Seitenanicht und Layout
Atlantic Adventure 780: Seitenanicht und Layout
Foto: Morten Strauch
Atlantic Adventure 780: Seitenanicht und Layout
Atlantic Adventure 780: Fahren
Atlantic Adventure 780: Bugkabine
Atlantic Adventure 780: Bugkabine
Atlantic Adventure 780: Fahrstand
Atlantic Adventure 780: Fahrerhaus
Atlantic Adventure 780: Cockpit-Sitzecke
Atlantic Adventure 780: Außenfahrstand

Boote mit einer Fahrerkabine haben den Vorteil, dass man bei schlechtem Wetter gut geschützt unter dem Dach sitzt. Auch die Dinette steht dann wie auf unserem Testboot Adventure 780 im Trockenen; mit einer Standheizung kann man die "Bude" kuschelig warm machen und die Reisezeit noch spürbar verlängern.

Das freut auch den Angler, denn einige Fische sollen ja erst im Herbst/Winter besonders gut beißen. Damit die Freunde des Angelsports ihr Equipment ordentlich verstauen können, wurden unter den Seitendecks extra Rohre eingelassen. Zwei Rutenhalter und ein Filetiertisch sorgen während der Angeltour für Ordnung an Bord.

Und das Beste: Unser Testboot lässt sich auch an einem Extrafahrstand (Aufpreis) vom Cockpit aus führen – so hat der Skipper immer den direkten Draht zu seinen Kumpels.

An dieser zusätzlichen Konsole wird das Boot im Stehen gesteuert. Der Blick nach vorn (durch die Heckscheibe und die etwa zwei Meter entfernte Frontscheibe) ist ganz passabel, nur wenn die Sonne direkt daraufscheint, entstehen – bis auf einen ungefähr 20 cm hohen Streifen in der Mitte des Front­scheibe – störende Reflexionen. Wer den direkten Blick nach vorn bevorzugt, lehnt sich zur Seite und schaut einfach am Fahrerhaus vorbei.

Im Fahrerhaus nimmt der Skipper auf einer breiten Bank Platz. Die Einheit kann in Längsrichtung verstellt werden, was für ausreichend Kniefreiheit sorgt, und dient dank klappbarer Lehne auch als Dinettebank. Steuerrad und Einhebelschaltung lassen sich uneingeschränkt bedienen; das Führerhaus ist allerdings zu niedrig, um im Stehen zu steuern.

Die Instrumente (Motor: Standard, Navigation: Zubehör) sind problemlos ablesbar, die Wippschalter mit Symbolen gut zu bedienen. Hierzu gehört auch ein Schalter für den Scheibenwischer auf der Fahrerseite (Beifahrerseite gegen Aufpreis), der die Scheibe aus gehärtetem Kunststoff von Spritzwasser- und Regentropfen befreit. Dass das Material noch nicht optimal ist, hat auch die Werft erkannt und rüstet zukünftige Boote mit Sicherheitsglas aus. Eine weitere Änderung: Der Beifahrersitz wird nicht mehr so dicht an der Seitenwand installiert, damit man links mehr Armfreiheit hat.

Fahren und Manövrieren

Motorisiert wird die Atlantic 780 mit Ex­tra-Langschaft-Außenbordern bis 300 PS. Wir fuhren mit einem Mercury Verado 250, dessen Lenkung und Schaltung elektronisch angesteuert werden. Schiebt man den Gashebel langsam nach vorn, hebt sich der Bug ab circa 2200 U/min an und senkt sich beim Erreichen der Gleitfahrt (3500 U/min) wieder. Die Sicht bleibt dabei ausreichend erhalten. Auf jeden Fall hat der Motor genügend Dampf, um einen Tube locker hinterherzuziehen, zum Wasserskilaufen fällt die Heckwelle allerdings nicht gerade flach aus.
Gute Gleitfahrt macht die Motor-Boot-Kombination bei 4000 U/min, das ist zugleich der wirtschaftlichste Drehzahlbereich.

Bei einem Verbrauch von gut 1,50 l/sm errechnen wir mit dem 260-l-Tank eine Reichweite von immerhin 146 sm plus 15 % Reserve. Bei Vollgas verringert sich dieser Wert um etwa 50 sm. Positiv auch der Geräuschpegel: Selbst bei Vollgas liegt er mit geschlossener Eingangstür nur bei 82 dB(A). Öffnet man Letztere, erhöht er sich auf 85 dB(A), hält also genau den BOOTE-Richtwert ein. Für den Rauwassertest mussten wir uns mit Sport­boot­wellen begnügen, die unser Testboot ohne Spritzwasser problemlos überspringt.

"Gut festhalten!" heißt die Devise bei schnellen Manövern, denn die Atlantic fährt sehr enge Kurven mit spürbaren Fliehkräften, bevor der Propeller Luft zieht und die rasante Fahrt beendet. Das geschieht mit getrimmtem Außenborder etwas früher als ohne Trimm. Auf Slalomkursen schwingt der Rumpf unabhängig vom Motortrimm immer kontrollierbar von der einen zur anderen Seite. Beim Verreißen der Steuerung macht er eine kräftige Seitenbewegung; wer es hier übertreibt, merkt dies daran, dass der Propeller nach Luft schnappt.

Die Lenkung zeigt sich in allen Situationen leichtgängig und exakt – eine Eigenschaft, die sich auch bei Hafenmanövern wie beispielsweise beim Umlenken positiv bemerkbar macht. Hierbei reagiert die Atlantic direkt, und die Wendekreise fallen sowohl rückwärts wie auch vorwärts klein aus. Kanalfahrer müssen auf Geradeauskursen den Rumpf erst einpendeln lassen und dann ab und zu etwas korrigieren.

Technik, Sicherheit und Wohnen

Kleine Wartungs- und Kontrollarbeiten am Motor lassen sich von der geteilten Badeplattform aus durchführen. Für größere Inspektionen oder Reparaturen gehört das Gespann auf einen Trailer (etwa 3200 kg); so kann man in Ruhe (und ohne Angst, dass Teile ins Wasser fallen) am Motor arbeiten. Die Leitungen vom Motor zum Borddurchlass laufen in einem Flex­rohr, von achtern nach vorn liegen sie sicher in einem Schutzrohr. Im Heck­stau­raum und unter dem Fahrstand ist alles einigermaßen übersichtlich und fest verstrapst.

Die Tankanlage fällt besonders positiv auf, denn sie ver­fügt über einen Absperrhahn und eine Filterpatrone mit elektrischem Alarm, der bei zu viel Wasser im Filter ausgelöst wird. Zwei gut dimensionierte 100-Ah-Batterien übernehmen die 12-V-Versorgung. Der dazugehörige Wahlschalter wurde gut erreichbar am Fahrerhaus­eingang platziert. Um an die Steck­siche­rungen zu gelangen, muss man dagegen erst zehn Schrauben an einer Abdeckplatte am Fahrstand entfernen.

Für Bewegungssicherheit sorgen rutschfeste Bodenstrukturen sowie Handläufe und Reling. Die Ausrüstung mit zwei elektrischen Bilgenpumpen gibt zwar einen gewissen Komfort, doch bei Stromausfall sind diese wertlos. Anders eine Handlenzpumpe, die auch ohne Strom arbeitet – auf dem Testboot suchten wir eine solche allerdings vergeblich. Ein Feuerlöscher war dagegen griffgünstig im Eingangsbereich untergebracht, doch er steht ebenfalls auf der Zubehörliste (Aufpreis: 75 Euro). Die zu öffnenden Fenster im Fahrerhaus spendiert die Werft dagegen serienmäßig.

Im gesamten "Häuschen" hat man einen guten Rundumblick, und die Dinette bietet ausreichend Platz für zwei Erwachsene. Sie lässt sich zur Koje umbauen, ist aufgrund der Länge von 1,55 m jedoch nur eingeschränkt nutzbar. Wesentlich groß­zügiger zeigen sich die Abmessungen der Bugkoje (passend für zwei Erwachsene). An Backbord der Bugkabine befand sich auf dem Testboot eine Marinetoilette, die fast 2000 Euro Aufpreis kostet. Allerdings fehlte es unserem Vorserienmodell an Dis­kre­tion, denn das serienmäßige "Rollschott" war noch nicht installiert.

Fazit

Die Atlantic Adventure 780 bietet vielfältige Einsatzmöglich­keiten. Wer auf einen gewissen Komfort wie beispielsweise Toilette, Heizung oder Pantry nicht verzichten möchte, muss jedoch noch einiges extra bestellen und bezahlen. Bei unserem Testboot handelt es sich um ein Vorserien­modell, bei dem noch nicht alles ganz stimmig ausfällt. In vielen Punkten wollen Werft und Importeur jedoch Abhilfe schaffen.

Datenblatt: Atlantic Adventure 780

Werft: Atlantic

Typbezeichnung: Atlantic Adventure 780

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 7,83 m

Breite: 2,55 m

Verdrängung: 2,20 t

Preis: 55.000,00 €