Test: Außenborder - Tohatsu MFS 115Foto: Tohatsu

MotorbooteTest: Außenborder - Tohatsu MFS 115

 

22.2.2021, Lesezeit: 4 Minuten

Deutlich mehr Schub: Durch eine Veränderung der Abgaskrümmer bei der neuen Modellserie ist es Tohatsu gelungen, beachtlich mehr Drehmoment im unteren Drehzahlbereich zu erzeugen

Auf dem Markt der Außenborder ist es schwer, sich mit seinem Produkt übermäßig von den Mitbewerbern abzuheben. In den großen BOOTE-Vergleichstests zeigen wir natürlich dennoch immer wieder Stärken und Schwächen auf, was Verbrauch, Lautstärke und Beschleunigung angeht. Letztere wird gemessen in der Zeit, in der eine bestimmte Geschwindigkeit erreicht wird, und da variieren die Ergebnisse schon mal um ein paar Sekunden. Doch Außenborder mit derselben Leistung sind sich ansonsten natürlich sehr ähnlich. Keiner ist überragend stärker als die anderen, keiner sonderlich schwächer.

Der japanische Hersteller Tohatsu hatte sich bei der Entwicklung der neuen Motorenserie zwischen 75 und 115 PS das große Ziel gesetzt, sich vom Markt abzuheben. Doch wie? Sollten die neuen Motoren etwa noch sparsamer oder noch leiser sein als die der Mitbewerber? Sparsam und leise natürlich auch. Vor allem sollten die neuen Motoren über den ganzen Drehzahlbereich das größte Drehmoment ihrer Klasse besitzen, am schnellsten ihre Enddrehzahl und damit ihre Höchstgeschwindigkeit erreichen. Unterm Strich: die Motoren mit der besten Beschleunigung sein.

Noch mehr Informationen? Den Test des Tohatsu MFS 115 mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 03/2021 seit dem 17.02.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Doch die alte Regel "Hubraum ist durch nichts zu ersetzen als durch Hubraum" wollten die Entwickler hierbei zugleich außer Kraft setzen – denn den Motor mit mehr Hubraum auszustatten würde heißen, ihn bedeutend schwerer zu machen, und Gewicht ist immer ein Nachteil. Also stellten sie sich die Frage, wie sie die Leistung des Motors steigern könnten, ohne den Hubraum zu vergrößern, und fanden einen anderen Weg: "Warum nicht einen Auspuffkrümmer ent­werfen, der noch nie bei einem Außenbordmotor eingesetzt wurde?"

Die Aufgabe eines Abgaskrümmers ist es, die Abgase möglichst effektiv ab­zuleiten. Ist ein Krümmer gut konstruiert, dann lässt sich damit die Leistung vor allem im unteren Drehzahlbereich deutlich steigern. Das Ergebnis dieser langwierigen Entwicklungsprozesse nennt Tohatsu "4-2-1 Performance Tuned Exhaust", ein geometrisch optimiertes Abgassystem. Statt alle vier Abgaskrümmer wie gewöhnlich nach dem 4-1-Konzept gleich in ein Abgasrohr zusammenzuführen, werden zunächst die Auslasskanäle von Zylinder 1 (oben) und 4 (unten) und die von Zylinder 2 und 3 in zwei Abgasrohre zusammengeführt. Diese zwei Abgasrohre münden dann erst in ein gemeinsames Rohr. Ein Konzept, das ähnlich in der Tuning-Szene älterer Autos schonlänger bekannt ist, in dieser Form aber bei Außenbordern sehr ungewöhnlich ist. Doch Tohatsu hat das Konzept weiterentwickelt und optimiert.

Durch die Zusammenführung nach der 4-2-1-Methode bei vollkommen gleich langen Abgasrohren entsteht ein Sog, der die Abgasströmung aus dem Motor heraus verstärkt. Die Kolben müssen sich – vereinfacht ausgedrückt – nicht damit ab­mühen, die Abgase erst durch die Ventile nach außen zu drücken; ein Unterdruck unterstützt sie dabei. In der Praxis schafft diese schlichte, aber intelligente Veränderung ein beeindruckendes Beschleunigungsverhalten, und der Motor erreicht tatsächlich schneller seine Enddrehzahl.

Wir haben das neue Modell mit 115 PS auf der Elbe Probe gefahren und waren begeistert von der Leistungssteuerung vor allem im Drehzahlbereich zwischen 3500 und 4500 U/min. Dort ist das hohe Drehmoment deutlich zu merken. Die Beschleunigung fühlt sich anders an als alles, was von gleich großen Viertakt­motoren bekannt ist: Das Boot reißt die Nase für einen Augenblick hoch, klappt dann gleich wieder runter und rennt förmlich los. Das Testboot, ein RIB vom Typ Valiant V-570, erreicht nach 6,7 Sekunden die Geschwindigkeit von 50 km/h und beschleunigt ohne große Minderung weiter bis auf den Topspeed von 72 km/h.

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Tatsächlich ist es Tohatsu gelungen, alle selbst gesetzten Vorgaben zu erfüllen: Der Tohatsu MFS115 AETL liegt sowohl vom Hubraum als auch vom Gewicht (2 Liter, 182,5 kg) her deutlich unterhalb oder im Mittelfeld zwischen Yamaha F115 (2,1 l,163 kg), Yamaha F115B (1,8 l, 177 kg), Suzuki DF115A (2 l, 187 kg) und Honda BF115 (2,3 l, 220 kg). Damit bietet er das beste Drehmoment-Gewicht-Verhältnis. Aufgrund des geringen Hubraums ist der Motor zudem äußerst sparsam. Im Drehzahlbereich zwischen 3000 und 3500 U/min verbraucht er lediglich 0,32 bzw. 0,35 Liter Benzin pro Kilometer, was ihm bei guter Gleitfahrt eine theoretische Reichweite von 304 Kilometern (Tankfüllung: 100 Liter) ermöglicht. Bei Vollgas benötigt der Motor fast die doppelte Kraftstoffmenge (0,62 Liter/Kilometer), was vergleichsweise ebenfalls völlig in Ordnung ist. Auch im Bereich der Motorelektronik hat Tohatsu nachgelegt: Das neue 4,3-Zoll-LCD-Display wird an den CAN-Bus des Motors angeschlossen und kommuniziert sehr übersichtlich und modern gestaltet alle Motordaten, Fehlercodes und Alarme.