Test: Axopar 37 TT - Finnen in FahrtFoto: Christian Höglund

MotorbooteTest: Axopar 37 TT - Finnen in Fahrt

Peter Laessig  

4.6.2017, Lesezeit: 4 Minuten

Axopar 37 T-Top: Ein Newcomer aus Skandinavien setzt Maßstäbe. Seine Boote sind resistent gegen Rauwasser und dampfen Entfernungen gehörig ein.

Axopar 37 TT
Axopar 37 TT
Foto: Christian Höglund
Axopar 37 TT
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Axopar 37 TT
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Axopar 37 TT
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Axopar 37 TT
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Axopar 37 TT
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Axopar 37 TT
Axopar 37 TT
Axopar 37 TT
Axopar 37 TT

Von den Skandinaviern und besonders von den Finnen ist man Boote mit dem gewissen Etwas gewohnt. So auch von Axopar. Der Hersteller bietet momentan drei Modelle an – 24, 28 und 37 (Fuß) –, die jeweils nur für Außenbordmotoren vorgesehen sind.

Es ist nicht alltäglich, dass ein Newcomer gleich so erfolgreich ist und schon beim ersten Auftritt – mit der Axopar 28 – den so wichtigen Preis European Powerboat of the Year 2016 erhält.

Das spornte offensichtlich an. Vorläufiges Ergebnis ist die 37-Fuß-Baureihe, die in verschiedenen Ausführungen erhältlich ist: offen, mit Hardtop und Kabinen vorn oder mit rundum geschlossenem Aufbau. Das lässt sich je nach Modell durch eine Cockpitpantry oder eine Achterkabine ergänzen. Als Antrieb empfiehlt die Werft entweder einen oder zwei Mercury-Motoren von 350 PS bis maximal 700 PS.

Wir fahren die Axopar 37 T-Top mit festem Bimini in T-Form. Am Heck stemmen zwei Mercury Verado jeweils 350 PS auf die links- und rechtsdrehenden Edelstahlpropeller. Unser Revier ist die süd­liche Küste von Mallorca, der Ausgangspunkt der Hafen Calanova. Das Testboot beherbergt unter der Sonnenliege vorn eine Kabine mit zwei Kojen, Toilette und Pantry.

Der Fahrer sitzt vor dem Fahrstand in der Mitte zwischen den Bei­fahrern; von dort hat er alles im Blick be­ziehungsweise im Griff.

Die drei Sitze können um 180° gedreht werden, um mit den gegenüber sitzenden Personen (maximal vier) am Tisch speisen zu können. Ein vorläu­figes Testfazit: Der Fahrersitz soll laut Werft künftig nur noch in Längsrichtung verstellbar sein, denn der gesamte Mechanismus zum Drehen und Verschieben gab bei den Extremmanövern (180°-Wenden, Hakenschlagen) in der Struktur etwas nach.

Der Rumpf der Axopar 37 ist in drei Segmente unterteilt, die durch zwei quer verlaufende Stufen getrennt sind. Der senkrechte, messerförmige Bug geht in einen scharf geschnittenen V-Rumpf über, der nach achtern allmählich abflacht und mit längs verlaufenden Gleitstufen bestückt ist.

Die neigen bei sehr engen und mit hohen Geschwindigkeiten gefahrenen Kurven wie bei 180°­Wenden dazu, den Rumpf festzuhalten, und lassen ihn in letz­ ter Konsequenz einhaken. Man sollte also keine Haken schlagen und das Boot mit feinfühligen Fingern und voller Konzen­ tration dirigieren.

Grundsätzlich ist die Axopar 37 ein Spaßboot mit den Leistungsdaten einer Fahrmaschine – knapp 6 kg Nettoboots­ gewicht pro PS sind Werte, denen man im Rennbootbereich begegnet. Unterlässt man jedoch die Hakenmanöver und fährt Kurven im normalen Radius, dann ist man mit ihr bei jedem Tempo sicher un­terwegs.

Wegen des ausgeprägten, tiefen V­Rumpfes muss man sich daran gewöh­nen, dass die 37 in weniger schnell gefahrenen Kurven mit großem Lenkeinschlag oder auf einer imaginären Slalomstrecken deutlich, aber letztlich ungefährlich über die Längsachse kippt.

Beim Verreißen des Ruders, also in Situationen, in denen man plötzlich ausweichen muss, folgt sie klag­los dem einmal eingeschlagenen Kurs, egal wie schnell man gerade fährt.

Der größte Vorteil der Stufen ist aber, dass sie das Boot mit zunehmender Ge­schwindigkeit aus dem Wasser steigen und dabei Wellen und Rauwasser vergessen lassen. Mit anderen Worten:

Das Mittel­meer schrumpft, wenn man mit einer Axopar 37 unterwegs ist.

Das Tempo, bei dem man bei anderen Booten den Gashe­bel zurücknehmen muss, weil die Wellen den Fahrkomfort beeinträchtigen, gibt es für unser Testboot fast nicht. Da kann man sogar noch ein gutes Pfund drauf­ packen, das Tempo anziehen und die Durchschnittsgeschwindigkeit ordentlich erhöhen.

Kurz gesagt: ein Rauwasserver­halten, das einem ein nicht enden wollen­des Lächeln ins Gesicht zaubert.

Zwei Motoren mit gegenläufigen Pro­pellern plus Bugstrahlruder lassen das Testboot im Hafen hinfahren, wo es hin­ fahren soll. Das An-­ und Ablegen gelingt gut. Die langsamen Passagen fahren wir mit maximal 1500 U/min, damit die vom Rumpf erzeugten Wellen nicht stören.

Dank der speziellen Stufenrumpfkons­truktion geht die 37 T­Top zügig von Ver­dränger­ in Gleitfahrt über, ohne sich groß zu vertrimmen, und beschleunigt mühelos bis zur Höchstgeschwindigkeit (48 kn). Als wirtschaftliche Gleitfahrt er­ mitteln wir nach Auswertung unserer Messdaten ein Tempo von 25 kn.

Damit reicht eine Tankfüllung für einen theoreti­ schen Aktionsradius von maximal 222 sm plus 15 % Reserve – für uns ist das ausrei­chend. Respektabel:

Sollte mal ein Motor ausfallen, bringt man das Testboot auch nur mit dem zweiten Motor in Gleitfahrt und kann mit Tempo 18 kn seinem Ziel entgegeneilen.

Die Verarbeitung des Testbootes gibt keinen Anlass zur Kritik, weder auf noch unter Deck. Und dass vorne keine Bug­ rolle montiert wurde, ist einer Eigenheit der Skandinavier geschuldet, bei denen Boote zumeist mit Heckanker versehen sind. Aber die Zubehörliste löst sogar die­ ses Problem.