Test: Daycruiser mit Außenborder - Bavaria Vida 33 HTFoto: Werft

MotorbooteTest: Daycruiser mit Außenborder - Bavaria Vida 33 HT

 

21.2.2021, Lesezeit: 6 Minuten

Vida da: Konstruiert als Greenline Neo, soll das Boot der Giebelstädter Großwerft den Markt für Außenborder-Boote erschließen

Bavarias erfolgreiches Motorboot-Portfolio ist ein wenig in die Jahre gekommen. Das wissen auch die Mannen aus Giebelstadt und brachten im vergangenen Jahr gleich mehrere neue Modelle an den Start. Eines davon ist die hier vorgestellte Vida 33. Für eine möglichst schnelle Markteinführung entschied man sich, auf ein bereits bekanntes Modell der slowenischen Greenline-Werft zurückzugreifen: die Neo. Dennoch: Die Vida 33 ist ein eigenständiges Boot mit deutlichen Bavaria-Akzenten.

Nähert man sich dem Boot am Steg, fällt als Erstes das großzügige Platzangebot an Deck auf. Neben der üppigen Sitzgruppe mit Tisch, in der acht Personen locker Platz finden, bietet das Vordeck ausreichend Platz für mindesten drei weitere Gäste, die es sich hier auf der Sonnenliege (1,9 m x 1,8 m) über der Kabine gemütlich machen können. Erreicht wird das Vordeck über einen Durchgang an Backbord. Dieser ist, wie der gesamte Decksbereich, sicher zu begehen und auf Wunsch mit Teakholz ausgelegt. Von achtern betrachtet, sticht dem geneigten Bootsinteressenten dagegen als Erstes die auffällige Badeplattform ins Auge. Sie umschließt die beiden Motoren und kann, je nach Ausstattungsvariante, hydraulisch gehoben und gesenkt werden. Wer also zum Baden ins Wasser will oder beim "römisch-katholischen Anlegen" (Heck an die Pier) einen Höhenunterschied auszugleichen hat, wird die bewegliche Plattform lieben.

Noch mehr Informationen? Den Test der Bavaria Vida 33 HT mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 03/2021 seit dem 17.02.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Überspannt wird das gesamte Cockpit von einem Hardtop, das der Vida in dieser Ausführung das Kürzel HT verleiht. Wer dennoch nicht auf direkte Sonneneinstrahlung von oben verzichten möchte, öffnet das "Schiebedach", eine Tuchbespannung, die etwas an die Faltdächer französischer Kleinwagen erinnert. An der Cockpit-Backbordseite befindet sich zentral an­geordnet die "Wetbar", die man früher Küchenblock genannt hätte. Zwei-Flammen-Kochfeld, 80-l-Kühlschrank und Miniwaschbecken erfüllen die Basisanfor­derungen an einen Daycruiser. Der im vorderen Cockpitbereich befindliche Fahrstand entspricht dem Zeitgeist. Im Klartext: Zwei standardmäßig installier­­te Simrad-Multifunktionsdisplays mit Touchscreen(GO9 XSE) übernehmen die Funktion der früher üblichen Einzel­instrumente und Schalter. Während einer der Navigation vorbehalten ist, findet man auf dem anderen sämtliche Motordaten. Mit Ausnahme des für unsere Begriffe etwas zu tief installierten Lenkrads sitzt alles am richtigen Platz. Es lässt sich nach Herzenslust "schalten und walten". Das gilt auch für die Gas- und Schalthebel sowie für die Mercury-Axius-Joystick-Steuerung auf der Steuerbord-Ablage.

Die Dreiersitzgruppe am Fahrstand bietet guten Sitzkomfort, und das Fahren ist im Sitzen wie im Stehen problemlos möglich. Klappbare Sitzverlängerungen, Fußstützen und Seitenlehnen tun ein Übriges fürs Wohlbefinden der "Schiffsführung".

Betritt man die über eine Schiebetür vom Cockpit aus erreichbare Kabine, fällt zuerst die zum Bett umbaubare Sitzgruppe auf. Hochwertige Materialien, helle Farben und die Seitenfenster sorgen für eine angenehme Raumatmosphäre. Mit rund 1,9 m Stehhöhe ist die Kabine gut zu begehen, einzig das in unseren Augen zu klein geratene Bett stört den Gesamteindruck. Mit einer Liegeflächen-Abmessung von 1,46 m x 1,55 m bis 2 m (V-Form) bleibt die Vida 33 in diesem Punkt unter ihren Möglichkeiten. Die obligatorische Nasszelle befindet sich an Steuerbord und ist mit allem ausgestattet, was man in dieser Bootsklasse erwarten darf. Alles in allem spiegelt die Bavaria Vida 33 in puncto "Wohnen und Leben" das Konzept eines großen Daycruisers erfolgreich wider und wird ihre Fans erreichen.

  Raum für mehr: Die Bavaria Vida 33 zeichnet sich durch ein für diese Bootsklasse ungewöhnlich großzügiges Raumkonzept an Deck ausFoto: Werft
Raum für mehr: Die Bavaria Vida 33 zeichnet sich durch ein für diese Bootsklasse ungewöhnlich großzügiges Raumkonzept an Deck aus
  Raum für mehr: Die Bavaria Vida 33 zeichnet sich durch ein für diese Bootsklasse ungewöhnlich großzügiges Raumkonzept an Deck ausFoto: Werft
Raum für mehr: Die Bavaria Vida 33 zeichnet sich durch ein für diese Bootsklasse ungewöhnlich großzügiges Raumkonzept an Deck aus

Kommen wir zu den Fahreigenschaften: Schon der erste Blick auf den Heckspiegel macht klar: Wir sind auf einem mehr als gut motorisierten Sportboot. Zwei 300 PS starke Verado sind eine klare Ansage und lassen Fahrspaß vermuten. Leise brabbelnd gehen die V8ter ans Werk, als wir den Bavaria-Werkshafen verlassen. Die Joystick-Steuerung und das optionale Bugstrahlruder machen Hafenmanöver zum sprichwörtlichen Kinderspiel und ermöglichen das berühmte "Drehen auf dem Teller". Warum man beides, also Joystick und zusätzlich ein Bugstrahlruder, braucht, bleibt dem Tester unklar, ist aber wohl dem Zeitgeist und dem Kundenanspruch an "Easy Boating" geschuldet. Die gute Übersichtlichkeit des gesamten Bootes kommt dem Fahrer bei Hafenmanövern genauso zugute wie die leichtgängige Schaltung und Lenkung. Erhöht man die Drehzahl auf 1200 U/min, befindet sich das Boot mit knapp 6 kn in langsamer Verdrängerfahrt. Theoretisch würde man mit dieser Kanalgeschwindigkeit bis zu 550 km weit kommen, plus Reserve. Zwischen 2000 U/min und 3000U/min (8 bis 10 kn) nimmt die Wellenbildung stark zu, sodass man diesen unwirtschaftlichen Bereich besser schnell übergeht und die Vida zügig in Gleitfahrt bringt.

Noch mehr Informationen? Den Test der Bavaria Vida 33 HT mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 03/2021 seit dem 17.02.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Wir geben Gas und lassen die beiden Verado im mittleren Drehzahlbereich von etwa 3400 U/min laufen. Das Boot beschleunigt klaglos und ohne übermäßiges Aufbäumen auf 20 kn. Jetzt bekommt man auch eine deutlichere akustische Rückmeldung vom Heck. Der sonore V8-Klang beschallt uns am Fahrstand mit akzeptablen 83 db(A), und die Reichweite reduziert sich auf rund 200 km plus Reserve. Bei 4500 U/min erreichen wir die wirtschaftlichste Gleitfahrt von 24 kn, in der die Vida 240 km plus Reserve weit kommt. Schiebt man die Gashebel weiter voran, melden sich die 16 Zylinder mit insgesamt rund 9 Liter Hubraum deutlicher zu Wort. Der Schallpegel-Messer signalisiert 90 dB(A), die Geschwindigkeit nähert sich der 40-kn-Marke. Was geübten Fahrern ein wohliges Grinsen in Gesicht zaubert, dürfte Anfängern ungewohnt vorkommen: Zieht man das Boot bei hohen Geschwindigkeiten in enge Kurven oder provoziert man mit abrupten Lenkbewegungen eine Schräglage, wird die Vida 33 zum reinrassigen Sportboot. Auf Slalomkursen verlangt sie nach der ungeteilten Aufmerksamkeit der Fahrers, der Gas und Lenkrad in jedem Moment fest im Griff haben sollte. Die enorme Kurven-Schräglage, die im Übrigen auch schon bei der Greenline Neo zu beobachten war, ist zwar technisch unkritisch, vermittelt aber – insbesondere Anfängern – "Motorrad-Gefühle". Schnell gefahrene 180-Grad-Wenden enden ebenso mit einem Ventilieren der Propeller wie ein "Kickdown" beim Wasserski-Start. Die Ursache dafür wurde klar, als wir das Unterwasserschiff des Schwesterbootes auf dem Werftgelände in Augenschein nahmen. Offensichtlich hatten es die Motoren-Monteure zu gut gemeint und die Maschinen im "Renn-Setup" installiert. Im Klartext: Beide Motoren saßen am Test­boot mindestens 5 cm zu hoch. Das bringt zwar 1 bis 2 kn mehr Topspeed, führt aber zu den oben genannten Fahreigenschaften und dem "Luftziehen" der Propeller. Hier wäre weniger mehr gewesen.

  Das riesige Cockpit zeichnet das ungewöhnlich großzügige Raumkonzept ebenfalls ausFoto: Werft
Das riesige Cockpit zeichnet das ungewöhnlich großzügige Raumkonzept ebenfalls aus
  Das riesige Cockpit zeichnet das ungewöhnlich großzügige Raumkonzept ebenfalls ausFoto: Werft
Das riesige Cockpit zeichnet das ungewöhnlich großzügige Raumkonzept ebenfalls aus

Noch ein paar Worte zur Ausstattung und Verarbeitung: Hier spielt Bavaria auf Augenhöhe mit den Großen der Zunft. Sowohl die Grundausstattung, die tech­nischen Installationen als auch die Oberflächen, der Kunststoff- und der Möbelbau sind gut und geben keinen Grund zur Beanstandung. Darüber hinaus bewahrt die Vida 33 auch in Sachen Preis-Leistungs-Verhältnis die Bavaria-Traditionen und wird sicherlich ihre Fans im Daycruiser-Segment finden.

Noch mehr Informationen? Den Test der Bavaria Vida 33 HT mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 03/2021 seit dem 17.02.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Fazit

Mit der Vida 33 HT betritt Bavaria Neuland in Sachen Außenborder-Motorisierung, und das merkt man dem Testboot auch an. Hier wäre aus unserer Sicht weniger mehr gewesen. Das Boot an sich ist durchdacht, optisch gelungen, gut verarbeitet und verfügt insbesondere an Deck über ein üppiges Platzangebot für Family & Friends.