Test: Flybridge-Motoryacht - Absolute 47 FlyFoto: boote

MotorbooteTest: Flybridge-Motoryacht - Absolute 47 Fly

 

24.12.2020, Lesezeit: 4 Minuten

Luxus pur: Der edle Neuling von Absolute schließt bei der Werft die Lücke zwischen dem kleineren Modell der 45 Fly und der 50 Fly darüber

Die neue 47 Fly der italienischen Edelwerft feierte in Cannes im vergangenen September ihre Weltpremiere. Wir hatten zuvor Gelegenheit, das keineswegs kleine Modell im unteren Bereich der nun neun Größen umfassenden Flybridge-Palette zu testen. Im Segment der Yachten mit Zusatzstockwerk um die 50 Fuß tummeln sich einige Konkurrentinnen. Selbst im eigenen Sortiment gibt es mit der Navetta 48 eine Alternative. Bereits auf den ersten Blick erscheint alles sehr solide. Auch die weitergehende Kontrolle der Ecken zeigt wie zu erwarten makellose Verarbeitung ohne Kompromisse. In Sachen Fertigung ist die relativ junge Werft ohnehin gut aufgestellt, da 2002 in Podenzano, etwa 150 Kilometer nordöstlich von Genua, komplett neue Anlagen mit modernem Maschinenpark entstanden. Die Firmengründer Marcello Bè und Sergio Maggi sind dafür bekannt, auf Innovation zu setzen, statt dem Markt hinterherzulaufen. Dass die Werft das Absolute erreichen will und nicht auf Kompromisse setzt, drückt schon der Markenname aus, und das ist auch bei der Entwicklung Programm.

Noch mehr Informationen? Den Test der Absolute 47 Fly mit technischen Daten und weiteren Bildern finden Sie in BOOTE-Ausgabe 01/2020 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

  Absolute 47 FlyFoto: Dieter Wanke
Absolute 47 Fly
  Absolute 47 FlyFoto: Dieter Wanke
Absolute 47 Fly

Wer viel Wohnfläche will und für jedes Wetter gut gerüstet sein möchte, liegt mit einer Flybridge-Yacht richtig. Ein Geräteträger überspannt den Bereich der Sitzgruppe mit Tisch, der sich hinten befindet. Die mit Kühlschrank und Waschbecken ausgestattete Wetbar an Steuerbord – optional auch mit Gefrierschrank und Grill – dient der bequemen Versorgung der Crew auf dem Oberdeck. Ein Bimini gibt es nicht, stattdessen ist ein Hardtop erhältlich. Vor der Wetbar ist eine Sitzbank und davor wiederum eine 2,30 x 1,52 m große Sonnenliege.

Der Steuerstand mit zwei Einzelsitzen ergänzt die Ausstattung. Hier gibt es alle nötigen Bedienelemente sowie eine hervorragende Rundumsicht. Eine weitere Freiluftzone im Bug ist über die Gangborde erreichbar. Die sind zwar mit einer guten Reling gesichert, weitere Haltegriffe wären aber dennoch vorteilhaft. Die Sitzgruppe hier kann optional durch den absenkbaren Tisch in eine Liegefläche umgebaut werden. Schatten spendet das wahlweise verfügbare Bimini.

  Absolute 47 FlyFoto: Dieter Wanke
Absolute 47 Fly
  Absolute 47 FlyFoto: Dieter Wanke
Absolute 47 Fly

Im Cockpit lässt sich in einer überdachten Sitzgruppe samt Tisch ebenfalls Frischluft genießen, bevor die Schiebetür in den Deckssalon passiert wird. Hier empfängt an Backbord eine geräumige Pantry im Stil einer Einbauküche mit Hängeschränken. Die Küche bietet alles, was das Herz begehrt. Der Wohnbereich davor ist mit einem Polstersofa samt Stauraum und an Backbord mit einer Sitzgruppe versehen. Der Steuerstand bleibt mit einem gepolsterten Schalensitz dem Skipper vorbehalten. Wahlweise wird statt eines elektrischen Fensters die auf dem Testboot montierte, hilfreiche Tür eingebaut.

Die Gemächer werden über den Niedergang neben dem Steuerstand erreicht. Hier gefällt uns beim Abstieg das Sicherungspanel für die gesamte Elektrik. Alles lässt sich direkt und mit einem Blick erfassen. Im Bug gibt es eine edle Eignerkabine mit quer eingebauter Doppelkoje (1,93 x 1,44 m) und großen Seitenfenstern, die eine hervorragende Aussicht bieten. Ein eigenes Bad mit getrennter Dusche ist von innen erreichbar. An Steuerbord befindet sich eine kleinere Gästekabine mit Einzelbetten. Die VIP-Kabine folgt mittschiffs nach der Eingangstür zum zweiten Bad und einer weiteren Treppe. Die Doppel­koje misst 1,95 x 1,67 m. Ein Seitenfenster lässt Licht herein. Rund zwei Meter Stehhöhe erlauben weitgehend die ungehinderte Bewegung, und ein begehbarer Schrank löst alle Stauprobleme.

Bei der Motorisierung sind die beiden alternativlosen Volvo Penta D6-IPS650 eine sehr gute Wahl. Mit zusammen
706 kW (960 PS) ist die Yacht bestens bestückt. Wir messen nach 30 Sekunden Beschleunigung eine Spitzengeschwindigkeit von 28,2 kn bei 3790 Umdrehungen, was einen Hauch über der Nenndrehzahl liegt. Die Propellerabstimmung passt also. Das zeigt auch das Erreichen der Gleitfahrt nach acht Sekunden bei 2900 Touren und 15,2 kn. Die effizienteste Fortbewegung errechnen wir bei 3500 U/min mit einer Reisegeschwindigkeit von 24,7 kn und einem stündlichen Verbrauch von 158 l. Mit dem 1600-Liter-Tank sind nach Abzug der obligatorischen Reserve von 15 Prozent gut 200 Seemeilen drin (was für BOOTE etwa 70 sm zu mager ausfällt).

  Absolute 47 FlyFoto: Dieter Wanke
Absolute 47 Fly
  Absolute 47 FlyFoto: Dieter Wanke
Absolute 47 Fly

Für Vollkreise bei schneller Fahrt genehmigt sich die Yacht einen Durchmesser von fünf bis sechs Bootslängen. Manövrieren ist dank Joystick kinderleicht. Wer im Hafen manuell fahren will, muss beim Umsteuern rückwärts mit wenig Reaktion rechen. Bei allen Fahrmanövern verhält sich die Yacht sehr gelassen und völlig unkritisch. Die Stromversorgung ist mit insgesamt zehn Batterien im grünen Bereich, notfalls hilft der Generator. Die Ausstattung mit sechs Bilgepumpen – davon zwei manuell bedienbar – sowie die perfekte Montage der mechanischen Komponenten und die komplette Ausstattung mit Feuerlösch-Technik gefallen uns sehr gut.

Fazit: Wenn eine Yacht auf dem Wunschzettel steht, die Topverarbeitung mit guten Fahrleistungen verbindet und die auch längerfristige Bordaufenthalte bei unterschiedlichen Wettersituationen auf hohem Komfortniveau zulässt, dann sollte die Absolute 47Fly in der Auswahl sein.