Test: Fountaine Pajot MY 37 - Keine halben SachenFoto: Fountaine Pajot

MotorbooteTest: Fountaine Pajot MY 37 - Keine halben Sachen

 

8.5.2016, Lesezeit: 5 Minuten

Nur ein Segler ohne Mast – oder mehr? Tester Peter Lässig beschreibt die Vor- und Nachteile dieses neuen Motor-Katamaran aus Frankreich.

Test Fountaine Pajot MY37
Test Fountaine Pajot MY37
Foto: Werft
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Foto: Werft
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Test Fountaine Pajot MY37
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Das 1976 in Frankreich gegründete Familienunternehmen Fountaine Pajot ist seit 1983 einer der führenden Hersteller von Segelkatamaranen. Damit nicht genug, begann man 1998, die ersten Motorkatamarane zu produzieren. Zurzeit kann der Kunde unter vier Modellen von 37 bis 55 Fuß Länge wählen, die in zwei Kategorien offeriert werden: Katamarane und Flagship-Katamarane. Zu Ersteren gehört unser Testboot MY37, wobei das MY für Motoryacht steht.

Katamarane sind im Motorbootbereich als sehr schnelle Boote bekannt, die man eher aus der Rennszene kennt. Damit haben die, sagen wir mal, Kajütboot-Katamarane, nichts gemein.

Wo liegt nun der Unterschied zwischen einem herkömmlichen Einrumpfboot/Monohull und der MY37, bei gleicher Motorisierung mit zwei D3-220-PS-Dieselmotoren von Volvo Penta? Während Einrumpfboote maximal um 30 kn schnell fahren, messen wir bei der MY37 nur eine Höchstgeschwindigkeit von 20 kn. So reicht eine Tankfüllung (1200 l) in langsamer Fahrt (7 kn) für knapp 900 sm, bei schneller, ökonomischer Fahrt (15 kn) knapp 300 sm und bei Vollgas 211 sm, plus jeweils 15 % Reserve.

Unser Testrevier ist die Insel Porquerolles in Südfrankreich. Dadurch können wir die MY37 in Luv und Lee sowohl in ruhigem als auch in rauem Wasser testen. Kurzum, auf beiden Gewässern macht das Testboot in schneller und langsamer Fahrt eine sehr gute Figur. Dabei spielt es keine Rolle, ob Wellen querab unter dem Boot durchrollen, man gegen oder mit den Wellen fährt.

Während auf einem Einrumpfboot schon mal das Trinkglas überschwappt, blickt man auf der MY37 eher auf einen ruhigen Glasinhalt.

Das Konzept der zwei Rümpfe des Bootes hat hier gegenüber einem Einrumpfboot alle Trümpfe auf seiner Seite. Da spielen natürlich auch die Maße eine große Rolle. Während Einrumpfboote mit Breiten um plus minus 3,60 m aufwarten, ist bei der MY37 erst bei 5,10 m Schluss. Und das setzt in puncto Raum- und Platzangebot Maßstäbe.

Wo auf einem gleich großen Einrumpfboot gerade mal zwei Kabinen und ein Bad mit Dusche und WC offeriert werden können, bietet eine MY37 bequem das Doppelte – vom Platzangebot im Salon im Cockpit, auf der Flybridge und auf dem Vordeck mal ganz abgesehen. Ohne die vierte Kabine kann man, wie auf dem Testboot, einen Rumpf allein für den Eigner nutzen, und da hält auch ein 50-Fuß großes Boot nicht dagegen!

Aber wo Licht ist, gibt es auch Schatten. Und der zeigt sich bei der MY37 nicht nur, wenn es um einen Liegeplatz geht.

Mit der Breite stößt man sprichwörtlich auch beim Transport über Land oder auf Binnenrevieren beim Sportbootschleusen an Grenzen. Daher findet man diese Boote eher auf Küstengewässern und in Marinas, die sich darauf eingestellt haben, und die zusehends auch mehr werden.

Was die Verarbeitung insbesondere beim Innenraum des Testbootes angeht, hat man bemerkt, dass die Werft das Boot mit "heißer Nadel gestrickt" hat, um den Pressetermin zu wahren. Hätte man nur diese MY37 gesehen, fiele die Wertung etwas enttäuschend aus. Aber die Werft hat das Potenzial und kann durchaus sehr gute Qualität liefern, was die großen Schwesterboote auf der Veranstaltung eindeutig beweisen.

Zudem hat die Werft versichert, dass auf dem Testboot noch etliches auf der Liste abzuhaken sei und man einiges ändern möchte.

Dazu zählen auch die Motorraum-Ansaugöffnungen auf "unserem" Boot, die beidseitig innen an den Cockpitdurchgängen zur Badeplattform angebracht sind. Sie plärren wie überlastete Lautsprecher den Gästen auf der Cockpitsitzbank das drehzahlabhängige Motorengeräusch in die Ohren. Das will niemand hören und verlangt nach Verlegung der Ansaugöffnungen an die Rumpfaußenwände. Denn dort gehören sie normalerweise hin, auch wenn sie dort das Empfinden des Designers stören.

Man könnte auf dem Testboot noch monieren, dass beide Steuerstände nicht so ausgestattet sind, wie man das sonst auf einem Motorboot erwartet, und dass man sowohl am Fahrstand im Salon als auch auf der Fly aufstehen muss, um Schalter zu betätigen. Denn diese stecken achtern im Salon über der Sitzgruppe im Elektrikpaneel. Die Standardmotorisierung bilden zwei Volvo-Penta-Dieselmotoren mit je 110 PS.

Wir fahren die stärkere Version, die ebenfalls ihre Leistungen mittels Wellenantrieben ins Wasser bringen.

Die Motoren stecken achtern in jedem Rumpf, und die Motorräume sind von oben über große Luken zugänglich. Der Einstieg ist mehr oder weniger bequem gestaltet und fordert vom Skipper ein wenig Sportlichkeit. In den Motorräumen kommt man an alles soweit komfortabel heran, was der täglichen Kontrolle und dem Service zugutekommt.

Die Werft stattet die MY37 fahrfertig aus und bietet auf einer gut bestückten Zubehörliste all das, was zur individuellen Gestaltung beiträgt sowie dem komfortablen Leben an Bord dient.

So ist unser Testboot mit einem festen Bimini über der Flybridge ausgestattet, was insbesondere lange Fahrten unter heißer Sonne begünstigt. Wem das feste Verdeck zu viel Schatten auf die Sonnenliegen wirft, der begibt sich einfach auf das ausladende Vordeck, man könnte auch "Veranda" dazu sagen. Was die Sicherheit angeht, überzeugen auf jeden Fall die Fahreigenschaften. Würde man im Übrigen die Anzahl der Haltegriffe erhöhen und ließe die Reling einen Tick höher ausfallen, hätte wohl auch niemand etwas dagegen.

Fazit

Wenn die Werft bei der MY37 den Verarbeitungsstandard liefert, den wir auf den großen Katamaranen gesehen haben, kann das Boot als "Sprungbrett in die Katamaran-Welt" dienen. Was verführt, ist das Platzangebot auf und unter Deck, das man sonst nur auf sehr viel größeren Einrumpfbooten wie bereits beschrieben vorfindet. Aber das sind ja nur halbe Boote, oder?

Datenblatt: Fountaine Pajot MY37

Werft: Fountaine Pajot

Typbezeichnung: Fountaine Pajot MY37

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 11,00 m

Breite: 5,10 m

Verdrängung: 8,90 t

Preis: 339.649,00 €

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