Test: Frauscher 858 Fantom - Fesches AlpenmädelFoto: Dieter Wanke

MotorbooteTest: Frauscher 858 Fantom - Fesches Alpenmädel

 

23.10.2016, Lesezeit: 6 Minuten

Moderne Linienführung mit klassischen Elementen bei hoher Qualität kennzeichnen den Daycruiser für anspruchsvolle Interessenten

Die neuen Wege, die Frauscher mit der Entwicklung der 858 Fantom eingeschlagen hat, sind auf den ersten Blick erkennbar. Dass hier mit Gerald Kiska und seinem Team Designer mit viel Erfahrung im Automobilbau zum Zuge kamen, ist an den präzise modellierten Freiformflächen des Bootes erkennbar. Ein so harmonisches Zusammenspiel von spannungsreichen Flächen und Linien gab es davor bei Frauscher nicht.

Für die Hydrodynamik, die sich im Test durch gutes Fahrverhalten auszeichnete, war Harry Miesbauer verantwortlich.

Dass der neue Weg des österreichischen Familienbetriebs gut funktioniert, ist an den nachfolgenden Projekten zu erkennen, denn auch die 747 Mirage und die brandneue 1414 Demon, die ihre Premiere auf der Boot Düsseldorf 2016 feierte, stammen aus den gleichen Federn.

Frauscher 858 Fantom: Fahren
Frauscher 858 Fantom: Fahren
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Kabine
Frauscher 858 Fantom: Kabine
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Steuerstand
Frauscher 858 Fantom: Steuerstand
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Cockpit
Frauscher 858 Fantom: Cockpit
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Bimini Top
Frauscher 858 Fantom: Bimini Top
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Fahren
Frauscher 858 Fantom: Fahren
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Kabine
Frauscher 858 Fantom: Kabine
Foto: Dieter Wanke
Frauscher 858 Fantom: Kabine
Frauscher 858 Fantom: Steuerstand
Frauscher 858 Fantom: Cockpit
Frauscher 858 Fantom: Bimini Top
Frauscher 858 Fantom: Fahren


Der Weg ins Cockpit führt bei unserer Erstbegehung über das Achterschiff. Hier fällt zunächst die serienmäßig montierte 1,95 Meter lange und 96 Zentimeter breite Badeplattform aus massivem Teakholz ins Auge. Auch die drei Stufen der ausklappbaren Badeleiter verfügen über rutschfeste Trittstufen aus dem Edelholz. Sie lässt sich vom Wasser aus einfach bedienen. Die Heckdusche gehört zu den Optionen. Der Weg ins Cockpit führt über die gepolsterte Sonnenliege für zwei Personen. Unmittelbar danach bildet die komfortable Hecksitzbank den Übergang zum Cockpit. Darunter verstecken sich weitere Extras, wie das ausklappbare Bimini-Verdeck und die 12-V-Kühlschublade. Auch ein Tisch aus Teak, der bestens zum serienmäßigen Bodenbelag aus gleichem Material passt, lässt sich ordern. Der Rudergänger und sein Beifahrer finden solide Sitzmöbel mit gutem Seitenhalt und Stehmöglichkeit vor, die sich auch nach achtern ausrichten lassen. Scheibenwischer sucht man vergeblich. Einen Kompass finden wir auch nicht, aber der kann laut Frauscher ohne Zuzahlung geordert werden.

Der Weg auf das Vordeck beginnt mit einer Kletterübung auf eines der nur 14 cm schmalen Gangborde, die an der rahmenlosen Windschutzscheibe aus getöntem Acrylglas vorbei zum Vorschiff führen.

Der gut zum Stil der 858 Fantom passende Teakbelag ist nur gegen Aufpreis zu bekommen. Da es keine Reling oder Haltegriffe gibt, ist Vorsicht geboten. Auf solche Elemente wurde zugunsten des schnittigen Erscheinungsbildes verzichtet.

Auch wenn es die Linienführung stören würde, eine fehlende Reling ist natürlich ein Sicherheitsproblem, was kritisiert werden muss. Die beeindruckende Ankerinstallation ist ein Hingucker und durch die elektrische Ankerwinde auch ohne den Weg zum Bug vom Steuerstand aus bedienbar.

Das hochglanzpolierte Edelstahl-Kunstwerk im Science-Fiction-Look ziert das Boot wie eine futuristische Galionsfigur und wird so – zumindest bei einigen Modellen – auch zum Markenzeichen der Werft, allerdings zum stolzen Aufpreis von knapp 12 000 Euro. Immerhin hängt das edle Grundeisen dafür auch an einer Edelstahlkette.

Charmante Kabine

Selbst bei einem reinen Schönwetterboot keimt bei so manchem Eigner gelegentlich der Wunsch zur Übernachtung auf. Dazu gibt es auf der 858 Fantom eine Kabine. Zur Nachtruhe dient eine 2,20 Meter lange und bis zu 1,60 Meter breite, V-förmige Liegefläche im Bug.

Ansonsten finden auf den gepolsterten Sitzflächen des Mobiliars bis zu fünf Personen zu geselligen Runden Platz. Für diesen Zweck kann auch hier ein Tisch bestellt werden. Mit bestenfalls 1,28 m Höhe ist in der Kabine das aufrechte Stehen natürlich nicht möglich.

Sitzen geht aber gut. Dass sich hier auf Wunsch auch ein Chemie-WC oder gar eine elektrische Toilette samt Schwarzwassertank installieren lässt, wird manchen Interessenten freuen. Weniger positiv ist der Verzicht auf ein Luk, denn das schränkt die durchaus wünschenswerten Belüftungsmöglichkeiten ein.

Eine Klimaanlage steht aber auf der Optionsliste, was für den Einsatz in südlichen Gefilden sicher nützlich ist. Für längere Bordaufenthalte eignet sich das Boot auch durch den Mangel an Staumöglichkeiten aber kaum.

Motor und Installation

In der Basisversion liefert Frauscher die 858 Fantom mit einem Mercruiser V8 350 MAG mit 224 kW (300 PS), der seine Kraft über einen Bravo One Antrieb ins Wasser bringt. Im Testboot ist der Mercruiser V8 8,2 MAG H.O. montiert, der mit 321 kW (430 PS) und einem Bravo-One-X-An- trieb auch die Maximalmotorisierung darstellt.

Liebhaber von Selbstzündern können das Boot auch mit einem D4-300 von Volvo Penta und passender Duoprop-Anlage ausrüsten lassen. Der Maschinenraum ist nach dem Öffnen der Abdeckung, die aus der hinteren Sonnenliege besteht, gut zugänglich.

Zunächst muss aber ein demontierbares Staufach für Planen oder anderes Zubehör überwunden werden, erst dann folgt der Motor. Alle Komponenten sind sauber installiert und für Wartungsarbeiten gut zugänglich. Zwei Blower sorgen während der Fahrt für die Belüftung des gut gedämmten Motorraums.

Der automatische Feuerlöscher und insgesamt drei elektrische Lenzpumpen warten bei Notfällen auf ihren Einsatz. Manko: Eine zusätzliche Handlenzpumpe steht nur in der Optionsliste.

Gewaltiger Fahrspaß

Wie zu erwarten, kommt der Fahrspaß mit dem bulligen V8-Big-Block nicht zu kurz. Beim Anfahren hebt sich die Bugspitze nur wenig aus dem Wasser. Nach vier Sekunden Beschleunigung ist bei 2300 Umdrehungen und 15,5 Knoten die Gleitfahrt erreicht.

Die Spitzengeschwindigkeit von 45 Knoten liegt nach gerade einmal 15 Sekunden an.

Eine angenehme Reisegeschwindigkeit ermitteln wir bei 3000 Umdrehungen, wo das Boot mit knapp 25 Knoten und einem stündlichen Verbrauch von 48 Litern (1,97 l/sm) durch die Wellen gleitet. Das liegt zwar sehr knapp über der wirtschaftlichsten Drehzahl von 2500 Umdrehungen, dann läuft die Fantom allerdings nur rund 18 Knoten.

Auch bei 29 Knoten ist mit dem 370-Liter-Alutank noch eine ordentliche Reichweite von 149 Seemeilen zu meistern. Zum Schluckspecht wird der Motor erst, wenn die letzten 1000 Umdrehungen aus ihm herausgekitzelt werden. Bei Dauervollgas ist der Spaß schon nach weniger als 100 Seemeilen vorbei.

Für die Beurteilung des Fahrverhaltens im Rauwasser standen uns vor der Küste Mallorcas bis zu zwei Meter hohe Wellen zur Verfügung – und das Ergebnis kann sich sehen lassen!

Denn selbst bei stärker bewegter See und flotter Fahrt im Bereich 20–30 Knoten kam fast kein Spritzwasser an Bord.

Das Boot lief in allen Fahrzuständen wie auf Schienen und tauchte stets sehr weich in die Wellen ein. Ein hohes Sicherheitsgefühl für die Besatzung ist das Resultat. Das spricht für die hydrodynamische Qualität des Unterwasserschiffs.

Fahrmanöver lassen sich ohne Anstrengung über die leichtgängige Hydrauliklenkung einleiten und werden sofort in entsprechende Richtungsänderungen umgesetzt. Trimmen ist kaum nötig. Eine Armstütze für die Gashand würde den Komfort noch verbessern. Engste Kurvenfahrt bei Vollgas endete mit Kavitation am Propeller.

Bei 4000 Umdrehungen waren Vollkreise mit 2,5 Bootslängen aber möglich. Auch die schnelle Rückwärtsfahrt bei Wellen ist nicht empfehlenswert, denn der Luftaustritt im Heck liegt sehr tief über der Badeplattform, und hier besteht das Risiko des Wassereintritts. Dank des montierten Bugstrahlruders, das zum Aufpreis von 4522 Euro bestellt werden kann, ließ sich das Testboot auch bei Hafenmanövern problemlos bewegen.

Unser Fazit

Die Frauscher 858 Fantom ist kein Allerweltsboot von der Stange. Mehr Sportwagen auf dem Wasser, als Sportboot, bedient sie ein eigenes Segment, wo sich sonst noch Marken wie Riva oder Boesch tummeln. Durch ihre sehr eigenständige Linienführung hebt sie sich aber deutlich von anderen Booten ab und macht selbst in Edelmarinas neben Luxusyachten noch eine gute Figur. Sehr gute Fahreigenschaften zeigen, dass hinter dem schönen Schein auch Substanz steckt. Ob das alles den stolzen Preis von 200 474 Euro mit der Testmotorisierung für das trailerbare Schmuckstück rechtfertigt, entscheidet der Kunde.

Datenblatt: Frauscher 858 Fantom

Werft: Frauscher Bootswerft GmbH & Co KG

Typbezeichnung: Frauscher 858 Fantom

CE-Kategorie: C - Küstennahe Gewässer

Länge: 8,67 m

Breite: 2,49 m

Verdrängung: 2,50 t

Preis: 200.474,00 €