Test: Jeanneau Leader 46 - Französische LuxusklasseFoto: Dieter Wanke

MotorbooteTest: Jeanneau Leader 46 - Französische Luxusklasse

 

28.12.2017, Lesezeit: 5 Minuten

Jeanneau Leader 46 Ein identischer Rumpf in zwei Ausbau­versionen und mit zwei unter­schiedlichen Antriebs­­systemen – und alles nur mit einem Ziel: dem Einstieg in die Luxusklasse

Jeanneau Leader 46: Fahrstand
Jeanneau Leader 46: Fahrstand
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Nasszelle
Jeanneau Leader 46: Nasszelle
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Kabine 1
Jeanneau Leader 46: Kabine 1
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Salon
Jeanneau Leader 46: Salon
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Fahrfoto
Jeanneau Leader 46: Fahrfoto
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Dinette
Jeanneau Leader 46: Dinette
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Cockpit
Jeanneau Leader 46: Cockpit
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Sonnenliege
Jeanneau Leader 46: Sonnenliege
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Fahrstand
Jeanneau Leader 46: Fahrstand
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Nasszelle
Jeanneau Leader 46: Nasszelle
Foto: Dieter Wanke
Jeanneau Leader 46: Nasszelle
Jeanneau Leader 46: Kabine 1
Jeanneau Leader 46: Salon
Jeanneau Leader 46: Fahrfoto
Jeanneau Leader 46: Dinette
Jeanneau Leader 46: Cockpit
Jeanneau Leader 46: Sonnenliege
Jeanneau Leader 46: Fahrstand

Die französische Werft Jeanneau baut neben Segelbooten eine ansehnliche Modellpalette von Motorbooten für Außen- und Innenborder, die als Cap Camarat, Merry Fisher, Leader, NC und Velasco angeboten werden. Auch im Premiumsegment ist man unterwegs. Hier trägt das Produkt der Begierde den Markennamen Prestige. Nun galt es eine Brücke zu schlagen zwischen "normalen" und "Luxus"-Booten.

Mit der Leader 46 möchte Jeanneau Kunden erreichen, die sich nach Booten in der gehobenen Kategorie umschauen und sich auch für eine Prestige interessieren. Ohne den Namen zu tragen, soll sie eine kleine Prestige sein, sozusagen ein Prestige-Express-Cruiser, und den Einstieg in die Oberklasse erleichtern. Aus diesem Grund baut man Bug- und Eignerkabine auf nahezu gleichem Komfortlevel und stattet das Boot mit zwei ordentlichen Bädern samt WC aus.

Anstelle der im Wohnbereich angesiedelten Dinette kann die 46 aber auch mit einer dritten Kabine mit zwei Etagenbetten bestellt werden. Dann ordert man sinnvollerweise auch das ansonsten offene Cockpit unter dem Hardtop mit abschließbarer Heck-Glas­front, um den Raum als Salon zu nutzen. Diese Glasfront besteht aus einem großen Klappfenster samt Tür und lässt sich so öffnen, dass der Raum unter dem Hardtop und der Cockpitbereich im Freien eine Einheit bilden. Öffnet man dazu noch das große Schiebedach, wird die 46 fast zur Open.

Unter dem Dach ist vorn an Backbord ein Diwan platziert, der auch als Sitz für Beifahrer dient, gegenüber befindet sich der Fahrstand. Weiter nach achtern steht die U-Sitzbank mit Tisch und Cockpitbar. Im nicht überdachten Teil des Cockpits findet man eine Doppelsitzbank mit Tisch, die zur ansehnlichen Sonnenliege gewandelt werden kann. Der Clou ist der Freiluftgrill unter der hinteren Klappsitzbank, der von der Plattform aus bedient werden kann.

Die eigentliche Pantry bleibt bei beiden Versionen unten im Wohnbereich erhalten. Ob auf oder unter Deck: Was das Raumangebot, die Auswahl der Materialien und den Umgang mit selbigen betrifft, kann sich die Leader 46 in jedem Fall sehen lassen, erst recht mit der Option einer dritten Kabine und dem verglasten Cockpit. Es wird deutlich, dass Jeanneau wieder einen guten Schritt vorwärts gemacht hat und man dem selbst gestellten Anspruch mehr als gerecht wird. Auch das Thema Stauraum kommt nirgends zu kurz – Brückenschlag gelungen.

Jeanneau operiert global, weshalb die Leader 46 mit identischem Rumpf und Dieselmotoren und mit unterschiedlichen Antriebssystemen von Volvo Penta angeboten wird. Je nach Kontinent oder Re­gion gibt es die 46 entweder mit zwei IPS-Podantrieben mit je 435 PS oder mit Duoprop-Z-Antrieben à 370 PS im Doppelpack – eine absolute Novität.

Beide Mo­delle haben den gleichen Grundriss, auch was den Motorraum angeht. Zugänge und Einstiegshilfen sind identisch. Nur dass man bei der IPS-Version in einem nahezu komplett gefüllten, bei der Z-Antrieb-Version dagegen in einem halb vollen Motorraum steht. Da sich das mehr oder weniger stark auf alle Inspektions- und Servicemöglichkeiten auswirkt, hat die Werft vorgesorgt: Notfalls können die Böden der über den Motorräumen liegenden Tendergaragen herausgeschraubt werden. Unsere Ansprüche an die Sicherheit werden weitestgehend erfüllt; allerdings sind die Kraftstoffvorfilter auf den Testbooten nicht optimal angebracht, darüber hinaus fehlen die Wasseralarmsensoren.

Wir haben beide Motorisierungen auf dem Mittelmeer vor Cannes in Frankreich gefahren – auch im Rauwasser mit bis zu rund 1,5 Meter hohen Wellen bei Windstärke 6 und mehr. Beide Modelle, egal ob mit IPS- und mit Z-Antrieb, haben sich dabei gut behauptet. Dass unter solchen Bedingungen bei Fahrt gegen Wind und Wellen Spritzwasser auftritt, ist normal; die Scheibenwischer haben damit keine Probleme. Während wir bei Fahrt gegen die Welle die Geschwindigkeit bei beiden Booten anpassen, können wir mit den Wellen nahezu über alles hinwegbügeln. Insgesamt hat man im Rauwasser ein sehr gutes Gefühl, der Fahrkomfort leidet nicht über die Maßen.

Beide Boote vertrimmen sich beim Übergang von Verdränger- in Gleitfahrt nicht allzu stark und beginnen jeweils ab etwa 2000 U/min zu gleiten, das mit IPS ab 11,8 kn und das mit Duoprop ab 10,8 kn. Mit den IPS-Antrieben messen wir eine Höchstgeschwindigkeit von 34 kn. Bei der Leader 46 mit Z-Antrieben greifen wir notgedrungen auf die Werftangabe von 30,6 kn zurück, weil wir die Testfahrt auf wesentlich rauerem Wasser durchführen müssen als beim ersten Boot. Während die IPS-Messdaten in schneller Gleitfahrt bei 2800 U/min eine theoretische Reichweite von 175 sm plus 15 % Reserve ergeben, gibt der Hersteller für die Duoprop-Version bei 3000 U/min eine maximale Reichweite von etwa 170 sm plus Reserve an.

Unter dem Strich unterscheiden sich die Boote hinsichtlich der Verbrauchswerte und Reichweiten nicht deutlich, sie erfüllen in Gleitfahrt bei identischen Tankkapa­zitäten auch nicht unsere Reichwei­ten­forderungen. Während der mit Höchstgeschwindigkeit gefahrenen Ex­tremmanöver zeigen die Testboote ebenfalls nahezu identisches Verhalten, stets sicher und in etwa gleichen Radien.

Während die IPS-Version serienmäßig über einen Joystick verfügt, sollte dieser bei den Duoprop-Antrieben hinzugekauft werden. Unsere beiden Testboote sind mit Joysticks und darüber hinaus mit einem Bugstrahlruder ausgestattet. Dadurch gelingen An- und Ablegemanöver trotz Wind ohne Mühe. Aufs Wasser kann man bereits mit der Standardversion beider Varianten; wer sich weiteren Komfort wünscht, findet in der reichhaltigen Zubehörliste noch Möglichkeiten, das Boot an seine Wünsche anzupassen.

Fazit

Ganz gleich ob die Leader 46 mit IPS- oder Z-Antrieben ausge­-
stattet ist – bis auf die Höchstgeschwindigkeit ist der Unterschied marginal. Natürlich ist die Wahl des Antriebs auch eine Preisfrage, aber hinsichtlich Verarbeitung
und Fahreigenschaften ist man mit beiden Versionen gut dran. Wer sich allerdings für den Z-Antrieb entscheidet, sollte auch die Joysticks dazuordern, denn mit ihnen wird das Manövrieren mehr als nur vereinfacht.

Datenblatt: Jeanneau Leader 46

Werft: Jeanneau

Typbezeichnung: Jeanneau Leader 46

CE-Kategorie: B - Außerhalb von Küstengewässern

Material von Rumpf und Deck: Kunststoff

Länge: 14,30 m

Breite: 4,10 m

Verdrängung: 10,60 t

Preis: 446.607,00 €