Test: Kajütboote – Neon 910

MotorbooteTest: Kajütboote – Neon 910

Ralf Marquard  

19.11.2021, Lesezeit: 5 Minuten

Die schöne Art zu Reisen: Ein Kajütboot, das praktisch aufgeteilt ist und reichlich Platz für die Familie und Chartergäste bietet

Wir kommen in den Hafen an der Havel in Werder, und das Testboot fällt gleich durch eine kleine Besonderheit auf. Das Kajütdach mit der Verlängerung nach hinten zum Hardtop ist nach vorn geneigt. Wir entern das Boot und steuern aus dem Hafen, und schon nach kurzer Zeit wird klar: Mit etwas mehr Speed hebt sich der Bug, und das Dach nimmt eine waagerechte Position ein – was eine dynamische Wirkung erzeugt.

Wie bereits erwähnt, fahren wir auf der Havel und müssen uns vorerst mit 8 km/h vorwärts bewegen, erst im späteren Verlauf, in der Mitte des Flusses, sind auch Geschwindigkeiten von 25 km/h gestattet. Genau diese 25 km/h gibt der Hersteller auch als Marschfahrt an. Wer auf unsere Tabelle schaut, sieht sofort: Stimmt! Bei uns ergibt sich eine passable Reichweite von 103 sm, die bei 5000/min zu verzeichnen ist.

Noch mehr Informationen? Den Test der Neon 910 finden Sie mit weiteren Bildern, Messergebnissen und voller Bewertung in BOOTE-Ausgabe 11/2021 seit dem 20.10.2021 am Kiosk oder online im Delius Klasing-Shop.

Da unser Boot als Halbgleiter ausgelegt ist, kann es mit der von uns getesteten Ausstattung eines 115-PS-Motors auch die Halbgleiterphase leicht erreichen. Mit dem Standardmotor von 40 PS würde dies natürlich nur für die Verdrängerfahrt ausreichen. Bei langsamer Fahrt unter 2000 U/min sind bei unserem Test­gespann sogar Strecken von bis zu 200 Seemeilen problemlos drin.

Kurvenfahrt: In den langsamen Kurven legt sich das Boot ordentlich auf die Kurvenaußenseite. Bei schneller Fahrt bleibt der Rumpf in Halbgleiterfahrt waagerechter und stabiler. Die Hydrauliklenkung macht dabei einen guten Eindruck, und einzelne Manöver können sehr gezielt gefahren werden. Bei der Slalomfahrt bewegt sich das Boot sehr harmonisch hin und her. Die Nase hebt sich bei 3000 Umdrehungen, dennoch bleibt die Sicht gut, sodass man einen uneingeschränkten Blick geradeaus behält.

Bei 5000 Umdrehungen ist die schnelle Fahrt erreicht, und die Kursstäbilität ist mit „Trim-down“ angenehm stabil. Die Heckwelle ist nicht zu groß, und auch generell fährt sich das Boot sehr angenehm. Besonders interessant könnte dies auch für schnelle Fahrten beispielsweise auf der Elbe sein, wenn gegen die Tide angefahren werden muss. So bleibt man nicht auf seiner Verdrängerfahrt hängen, sondern hat die Möglichkeit, den Gashebel aufzudrehen und einige Seemeilen schnelle Strecke zu machen. Die Hafenmanöver gestalten sich dank Bugstrahlruder simpel und sind auch im Rückwärtsgang sehr gut zu kontrollieren. Der Fahrersitz ist ein Schalensitz, dessen vorderes Polster man bequem hochklappen kann. Außerdem lässt sich der Sitz weit nach hinten schieben, sodass im Stehen oder im Sitzen gesteuert werden kann. Auch beim Manövrieren im Stehen hat man genügend Platz und Fußfreiheit.

Der Sitzt fühlt sich ein wenig zu schmal an; eine Sitzgröße breiter wäre ein wenig angenehmer. Dieses Empfinden ist aber natürlich individuell unterschiedlich. Der Beifahrersitz ist die Verlängerung der Sitzecke. Man kann auf einer guten Polsterung sehr bequem sitzen. Das einzige Manko ist, dass es keinen Haltegriff in direkter Nähe gibt. Nur am Kabinendachaufbau hat man die Möglichkeit, sich festzuhalten. Aus der Position des Beifahrers ist auch die Sicht nach vorn durch die Windschutzscheibe ausreichend. Die Windschutzscheibe ist aus Sicherheitsglas hergestellt – die Seitenfenster sind getönt, die Frontscheibe ist es aber nicht. Spiegelungen in der Scheibe treten keine auf, da der Fahrstand eine dunkle Oberfläche besitzt.

Die Windschutzscheibe ist mit zwei Doppelarmwischern bestückt. Bis auf einen kleinen Teil in der Mitte werden die Scheiben gut geputzt. Bei beschlagenen Scheiben hilft eine Defrosterdüse an Steuerbord beim Fahrstand für den Durchblick. Alle Instrumente auf dem Armaturenbrett sind gut abzulesen, und die Schalter sind mit Symbolen und Kontrolllampen versehen. Das Cockpit ist sehr schön, hat ein Spülbecken und lässt sich zudem wind- und wetterfest verschließen. Von hier aus kann man gut und einfach die Badeplattform mit großer Leiter erreichen. Cockpit- und Heckdusche steht auf der Zubehörliste. Das Hardtop über dem Cockpit ist in zwei Versionen zu erwerben – unser Testboot hat das bereits erwähnte schräge Dach, wobei dort auch Reißverschlüsse für das Anbringen der Persenning-Seitenteile vorhanden sind.

Für das Vordeck können Polster für Sonnenliege und Sitzbank bestellt werden. Von hier hat man einen sehr guten Ausblick mit angenehmem Liege- und Sitzkomfort. Unter Deck: Vorn befindet sich eine Doppelkoje, deren eine Ecke an Backbord ausgeschnitten ist. Die Polster sind fest, und es gibt keine Abgrenzung zwischen Kabine und Salon. Wer das möchte, muss Aufpreis zahlen – Gleiches gilt für die Unterflurkabine. In Letzterer kann eine Person von 1,85 m Größe im vorderen Bereich aufrecht stehen. Zum Liegebereich sinkt die Deckenhöhe, was dem konstruktiven Bau des Bootes geschuldet ist. Im Toilettenraum befindet sich standardmäßig nur das Waschbecken. Die Toilette steht genauso auf der Zubehörliste wie die Dusche, und beides kann gegen einen Aufpreis mit eingebaut werden.

Fazit

Das Boot ist ein schönes Kajütboot für vier Personen, die hier sehr gut Platz finden und bequem auf Reisen gehen können. Allerdings bedarf es für das gut ausgerüstete Reiseboot noch einer Vielzahl an Optionen von der Zubehörliste. Die Verarbeitung macht einen sehr schönen und soliden Eindruck. Zudem ist die 115-PS-Variante bei diesem Boot ein weiterer ansprechender Aspekt, da man hiermit die schnelle Fahrt erreicht und trotzdem recht wirtschaftlich unterwegs ist.