Test: Leopard 43 PC - Schnell gemachtFoto: Rob Kamhoot

MotorbooteTest: Leopard 43 PC - Schnell gemacht

 

1.1.2018, Lesezeit: 4 Minuten

Leopard 43 PC Raumwunder auf zwei Rümpfen – stark, groß und sicher. Dazu auch noch üppig motorisiert.

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Katamarane sind in unseren Breiten immer noch Exoten. Obwohl in den Charterflotten dieser Welt zu Tausenden vertreten, führen sie als Eignerboote in Deutschland ein Schattendasein. Der Grund liegt auf der Hand: Mit einer Breite von mehr als 6 m über­fordern Katamarane die meisten Häfen und Marinas hierzulande.

Da helfen nur XXL-Boxen oder ein Liegeplatz am Kopfsteg. Ist das Problem jedoch gelöst, spricht eigentlich alles für diesen Boots­typ. Er ist geräumiger und zugleich spar­samer als vergleichbare Monohulls. Neuerdings kommt hinzu, dass moderne Motorkatamarane üppig motorisiert sind und ihren einrümpfigen Kollegen, selbst Gleitern, auf der Teststrecke in puncto Speed Paroli bieten können.

Ein gutes Beispiel dafür ist unser Testboot Leopard 43 PC, das in der von uns gefahrenen Moorings-Charterversion 433 PC heißt. Ausgestattet mit zwei je­weils 260 PS starken Yanmar-Motoren, erreicht die Leopard rund 22 kn und kon­sumiert dabei etwa 108 l Dieselkraftstoff (Gesamtverbrauch beider Motoren) pro Stunde.

Daraus errechnet sich eine Reichweite von 170 sm plus 15 % Reserve. Will man lange Strecken zurücklegen und reduziert man die Geschwindigkeit entsprechend auf törntaug­liche 9 kn, dann reicht der 1000 l fassende Tank für respektable 365 sm plus Reserve.

Einen guten Kompromiss zwischen Geschwindigkeit und Reichweite erzielt man nach unseren Messungen bei 16 kn mit einem Verbrauch von 55 l/h und einer Reichweite von 250 sm.
Aufgrund der großen Entfernung des auf der Flybridge befindlichen Fahrstands zu den Motorräumen in den Rümpfen bleibt das Fahrerohr bei allen Geschwindigkeiten vom Motorengeräusch nahezu unbehelligt.

Wind und Wellen sind dort oben deutlich lauter als das sonore Wummern der Yanmars im Keller. Während unseres einwöchigen Testtörns auf den Bahamas (siehe dazu auch Seite 86) hatten wir ausreichend Gelegenheit, die Leopard 43 PC in verschiedenen Seegangs- und Manöversituationen kennenzulernen.

Auffällig war, dass das Boot bei Wellenhöhen über 1,5 m mit zunehmender Geschwindigkeit stabiler läuft als mit geringen Geschwindigkeiten. Im Klartext: Wir fühlen uns im Seegang bei 16 kn deutlich wohler als bei 7 kn. Ein Nachteil aller Katamarane: Auf dem Vordeck wird’s bei Seegang schnell nass.

Die überkommende Gischt erreicht den rund 3 m höher gelegenen Fahrstand jedoch nicht. Will man unter diesen Bedingungen scharfe Kurven fahren, werden die bis dahin guten Geradeauslauf-Eigenschaften zum Nachteil. Wer das Boot in einen annehmbaren Wendekreis bringen möchte, reduziert dazu die Drehzahl des kurven­inneren Motors.

Deutlich einfacher macht es die Leopard 43 PC dem Skipper bei Hafenmanövern. Aufgrund der weit auseinanderliegenden Antriebswellen dreht das 13-m-Boot mit gegenläufig eingekuppelten Motoren fast auf der Stelle und lässt sich dezimeter­genau manövrieren. Dabei profitiert der Fahrer von der hohen Fly­bridge-Position mit perfektem Rund­­­umblick. Bleibt zu sagen, dass man die geräumige Fly, auf der sich neben Fahrstand und Sitzgruppe noch eine Wetbar mit Grill und eine Liegefläche befinden, zusätzlich rundherum mit Folienfenstern verschließen kann.

Eine feste Windschutzscheibe im herkömmlichen Sinne gibt es jedoch nicht, sodass längere Schlechtwetterfahrten wenig Freude bereiten dürften. Am Fahrstand fällt zudem das vergleichsweise kleine Steuerrad auf, welches mehr an ein Autolenkrad als an ein maritimes Ruderrad erinnert und die Lenkbefehle sehr direkt auf die Ruder leitet. Alle Bedienelemente wie Gashebel, Navigationsinstrumente und Schalter sind gut angeordnet.

Auf dem Hauptdeck genießt man die Vorteile eines Katamarans in vollen Zügen. Die rechnerisch verfügbaren 87 m2 Grundfläche des Bootes verteilen sich auf das üppige Vordeck, den Salon mit Pantry und Esstisch sowie eine Hecksitzgruppe, die sechs Personen ausreichend Platz bietet. Dank Schiebetür und -fenster zwischen dieser und dem Salon verschmelzen beide Be­reiche bei Bedarf zu einem überdachten "Großraum".

Naturgemäß geht es in den beiden etwa 1,7 m breiten Rümpfen enger zu. In der von uns gefahrenen Drei-Kabinen-Version finden sich im Steuer­bordrumpf neben dem Flur mit Einbauschränken und einer Art Büroarbeitsplatz eine Doppelkabine sowie ein geräumiges Bad. Im Backbordrumpf sind zwei Doppelkabinen und ein kleineres Bad integriert. In der maximalen Ausbaustufe (vier Kabinen plus Crewbuden) lassen sich bis zu zehn Personen beherbergen.

Gut gelöst ist der Zugang zum Vordeck. Durch eine Tür erreicht man es direkt aus dem Salon und muss nicht den Weg über die Seitendecks wählen. Wichtig: Bei Seegang sollte diese Tür stets verschlossen sein, Spritzwasser und überkommende See finden sonst schnell ihren Weg ins Bootsinnere. Die Ausführung der technischen Installa­tionen lässt die jahrzehntelange Er­fah­rung der südafrikanischen Großwerft erkennen und gibt keinen Anlass zur Kritik. Verarbeitung und Ausstattung des Testbootes waren gut, wobei hervorzuheben ist, dass es sich bei unserer Probandin um ein Charterboot han­delt. Privateigner würden sich sicher für eine ge­diege­nere Ausstattungsva­riante entscheiden.

Fazit

Alles in allem handelt es sich bei der Leopard 43 PC um ein durchweg ausge­reiftes Raumwunder mit hohem Geschwindigkeits­potenzial und beruhigend sicheren Fahreigen­schaften. Wer viel Platz braucht und große Distanzen zurücklegen will, ist mit diesem Boot bestens bedient.

Der Artikel erschien in der BOOTE-Ausgabe 04/2017